kann man das Wahlergebnis so interpretieren dass die meisten doch Angela Merkel beibehalten wollen aber viele was gegen Flüchtlinge haben?

15 Antworten

Hi, dass der deutsche Wähler scheinbar krampfhaft an Merkel festhält, kann in der Angst vor Veränderungen begründet liegen. Aber eben auch daran, weil die eher schon zwanghafte Neigung unserer Politik (von den Linken abgesehen!!), der Wirtschaft bis zum Anschlag in den M******* zu kriechen, vom Großteil der Bevölkerung noch immer mitgetragen wird. Darüber hinaus sind insbesondere Verdrängungsaspekte (z. B. im Hinblick auf die gigantische Umverteilung) eine tragende Säule für das Festhalten an starren, suggestiv bewährten Strukturen.

Allerdings denke ich, dass die vielzitierte Abneigung gegen "Flüchtlinge" sicher nicht grundsätzlicher Natur ist. Die offensichtlichen "Versäumnisse" der Politik sind eher in der inkonsequenten (vielleicht auch inkompetenten) Trennung von Asylberechtigten (Kriegsflüchtlingen) und Migranten (Wirtschaftsflüchtlingen) zu sehen. Erstere finden Akzeptanz, während die zweite Gruppe zunehmend weniger toleriert wird.

Insofern ist deine Interpretation des Wahlergebnisses erst einmal korrekt.  LG.

Ich interpretiere das Wahlergebins so

  • viele sind mit der Politik nicht einverstanden
  • viele sind nicht mit der Flüchtlingspolitik einverstanden
  • .....aber viele sind nicht mit der AfD einverstanden, weshalb es einen Stimmenmix gegeben hat, der die AfD vereitelt hat.

Deutschland ist friedfertig. Aus diesem Grund hat die deutsche Wählerschaft den geringsten Widerstand bevorzugt. Ob sich das denn in der Realität beweist wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Gegen deine These habe ich nichts einzuwenden. Das kann man in der Tat so interpretieren, auch wenn das natürlich alles ziemlich subjektiv ist und nicht unbedingt jeder zustimmen wird. 

Allerdings wählt man nicht gleich eine andere Partei, erst recht keine rechtspopulistische, nur, weil man seiner eigentlichen Partei, der CDU/CSU oder auch der SPD in diesem einen Punkt der Flüchtlingskriese nicht zustimmt. Aber das haben leider mehr als 13% nicht verstanden, die die AfD zum großen Teil auch einfach als Protest wählten. Nur unter dem Aspekt der Flüchtlingskriese. 

Ich bin mir sehr sicher, dass...

...die wenigsten gegen erneuerbare Energien sind und den Klimawandel leugnen.

...die wenigsten aus der EU austreten wollen.

...den Euro abschaffen wollen.

...die Rente erst ab 72 haben wollen.

Aber das ist den meisten egal. Hauptsache weniger Flüchtlinge und weniger Islamisierung in Deutschland. 

Hi, TechnikSpezi - wäre das so zu verstehen, dass diejenigen, welche eine zunehmende Islamisierung ablehnen, zwangsläufig alle anderen Kriterien ignorieren? Wohl kaum, oder?  LG.

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@SedOwl

Nein, natürlich nicht. So habe ich das auch weder gemeint noch gesagt.

Wer (fast) alle anderen Kriterien ignoriert sind diejenigen, die absichtlich eine nicht umsonst auch genannte Protestpartei, die AfD wählen, weil sie ihnen in 1-2 Punkten zustimmen: Der Flüchtlingspolitik und dem Zug gegen die Islamisierung. Dabei werden u.a. die angesprochenen Aspekte komplett ignoriert. Hauptsache Flüchtlinge raus usw. Das habe ich gesagt und auch so gemeint.

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@TechnikSpezi

Nun ja, ich finde einige Aspekte der AfD-Politik keineswegs untragbar. Und das die Flüchtlingspolitik kompetenter gestaltet werden muss, ist sicher kein falscher Ansatz, wie auch die zunehmende Islamisierung für viele Bürger eine Gefahr darstellt. Die auch bei GF ausgetragenen "Scharmützel" mit Islam-Anhängern offenbaren ebenfalls eine gewisse Eigendynamik, welche nicht geeignet erscheint, dem Islam toleranter oder gar mit Akzeptanz zu begegnen.

Dass die angesprochenen Aspekte deswegen ignoriert werden, halte ich dahingehend für wenig plausibel. Ob aber die "Volksparteien" z. B. dem Umweltschutz (oder sozialen Fragen) mehr Priorität einräumen als die AfD, wird sich zeigen. Ich denke nicht, eher werden sich auch dort die drängenderen Fragen (wie z. B. Migration und Islamisierung) etablieren müssen.

Was in deinem Kommentar offen mitschwingt ist die Einschätzung, dass AfD-Wähler generell als Protestwähler mit Realitätsverlust zu betrachten sind. Dies bedarf m. E. einer Richtigstellung: Fehlenden Realitätsbezug findest du (in ausgeprägt grotesken Variationen) vor allem bei Merkel & Co.  LG.

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@SedOwl

Nun ja, ich finde einige Aspekte der AfD-Politik keineswegs untragbar. Und das die Flüchtlingspolitik kompetenter gestaltet werden muss, ist sicher kein falscher Ansatz, wie auch die zunehmende Islamisierung für viele Bürger eine Gefahr darstellt.

Da muss jeder selbst drüber nachdenken. Das ist subjektiv. 

Dennoch empfinde ich es als absolut falsch die AfD zu wählen, nur weil man ihr in den beiden Aspekten zustimmt. Das ist absolut falsch, sofern man wie die meisten, den anderen Punkten gar nicht zustimmt. Wir reden hier ja nicht von kleinen Differenzen, sondern von Dingen wie dem EU-Austritt, der wie der Brexit schon zeigt riesige Folgen hat. Der Brexit ist ja gerade einmal beschlossene Sache. Die Verhandlungen haben gerade erst Fahrt aufgenommen. Die richtigen Folgen kommen erst nach dem wirklichen Austritt in ca. 1,5 - 2 Jahren.

Und deswegen kann ich deiner folgenden Aussage wie gesagt nicht zustimmen:

Dass die angesprochenen Aspekte deswegen ignoriert werden, halte ich dahingehend für wenig plausibel.

Halte ich definitiv für absolut falsch. Aber dass die Meinungen hier auseinander gehen, ist klar. Ich bin froh, dass man hier wenigstens anständig diskutieren kann ;)

Was in deinem Kommentar offen mitschwingt ist die Einschätzung, dass AfD-Wähler generell als Protestwähler mit Realitätsverlust zu betrachten sind.

Das habe ich auch nicht sagen wollen, auch wenn es für dich so klingen mag.

Von Realitätsverlust war hier ja auch nie die Rede. Allerdings lassen sich die Ursachen bzw. Gründe auf anderes zurückführen. Das kann man selbst auf den Bildungsabschluss schieben, und zwar anhand von Fakten. Es ist schließlich in meinen Augen absolut kein Zufall, dass die Zahlen der AfD Wähler mit steigendem Bildungsabschluss immer weiter sanken, abgesehen von Haupt- und Realschulabschluss. Auch das Studium wurde bei den Statistiken mit einberechnet.

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@TechnikSpezi

Natürlich sind Einschätzungen zunächst als subjektiv zu betrachten, schließlich vertrete ich hier ja meine eigene Meinung. Zudem erhebe ich keinesfalls den Anspruch, unfehlbar zu sein.

Subjektiv sind daher auch Empfindungen. Subjektiv sind sogar mehr oder weniger realitätsnahe Aussagen, die auf Statistiken basieren, je nach Zielvorgabe und Interpretation. - Ich versuche mal, meine Sicht der Dinge zu konkretisieren, in dem ich die von dir erwähnte Statistik (Bildungsabschluss AfD-Wähler) weitestgehend unvoreingenommen analysiere, zumal ich diese Statistik noch nicht kenne: Was sind die Fakten? Es ist in deinen Augen "absolut kein Zufall, dass die Zahlen der AfD-Wähler mit steigendem Bildungsabschluss ... sanken". Das suggeriert, das AfD-Wähler überwiegend Schwachmaten wären. So kann man es sehen, muss man aber nicht. Für mich stellt sich eher die Frage, weshalb die "bildungsferne Schicht", welche ihre Anliegen eben nicht hinreichend artikulieren kann, ihre Hoffnungen nicht mehr auf die etablierten "Volksparteien" setzt. Da liegt der Hase im Pfeffer. Diese Leute fühlen sich auf Grund bisheriger Entwicklungen von den "Volksparteien" verraten und verkauft. So blöd, diesen "Volksparteien" noch einmal zu vertrauen, sind sie eben doch nicht. Was bleibt? Du ahnst es. Und die Politik versteht es geschickt zu verschleiern, dass die hohen Wahlergebnisse der AfD nicht im Versagen von CDU/SPD zu suchen sind, sondern suggeriert, dass die AfD-Wähler auf Grund grober Einfältigkeit lediglich den Einflüsterungen der AfD-Strategen gefolgt sind.

Vor diesem Hintergrund wird aber auch deutlich, weshalb der Anteil AfD und Linke insgesamt noch unter dem CDU-Wert geblieben ist. Die vermögende Schicht in unserem Land wird alles daran setzen, ihre Interessen weiterhin erfolgreich zu wahren, wie gehabt auf dem Rücken der "Unterschicht". Zu befürchten steht, dass Merkel & Co. diesen Trend während der nächsten Jahre zementieren werden, so abgehoben und volksfern wie bisher.

Jetzt frag mich nur nicht, welche Wähler ich für die wahren Deppen halte... Eine abschließende Einschätzung scheint mir derzeit wenig angemessen, vielleicht sollten wir unsere Diskussion in absehbarer Zeit erneut aufgreifen?

Übrigens, den Brexit sollte man als souveräne Entscheidung einfach akzeptieren. Ob diese falsch oder richtig war, wird sich zeigen. Und um noch einmal auf die "ignorierten Aspekte" zurückzukommen: Selbst wenn der AfD einige Mängel zu unterstellen wären, auch hier würde ich letztlich danach urteilen, inwieweit die Umsetzung akzeptabler Ziele (entsprechend des Wahlprogramms) Zustimmung vorrangig in der Bevölkerung findet.

Für heute erst einmal gute Nacht!  LG.

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