Kann man das Leben lieben und gleichzeitig keine Angst vor dem Tod haben?

12 Antworten

Meine Schwägerin hat über die Jahre schon Dutzende Menschen im Hospiz mit Sterbebegleitung betreut und meine Frau ebenso Dutzende Menschen im Pflegeheim bis zuletzt begleitet.

Daher kann ich Dir mit Sicherheit sagen, dass -nicht alle, aber die meisten- Menschen beides können.

Allerdings muss man ehrlicherweise auch sagen, dass bei vielen alten Menschen im allerletzten Lebensabschnitt ein Punkt erreicht ist, ab dem diese ihr Leben nicht mehr als lebenswert erachten. Meistens sind das schwere Krankheitsverläufe mit Schmerzen, kombiniert mit der Einsicht, dass keine Besserung mehr möglich sein wird; manchmal ist es aber auch der Verlust des Partners oder die Notwendigkeit, z.B. nach einem schweren Sturz aus der vertrauten Wohnung ins Pflegeheim umziehen zu müssen. Erstaunlich ist dann, wie schnell diese Menschen "sterben können" -sie sterben häufig "einfach so" innert kürzester Zeit, wenn sie sich dafür entschieden haben; die wenigsten helfen dabei aktiv nach (Exit / Dignitas).

Was aber besonders tröstlich ist: Weder meine Schwägerin noch meine Frau hatten ihrem Bekunden nach je auch nur einen einzigen Sterbenden gehabt, der nicht unmittelbar vor seinem Tod seinen Frieden mit der Welt gemacht hätte und entsprechend friedlich gestorben wäre!

-Vielleicht ist es also fast einfacher, in seinen letzten Momenten ohne Angst zu sterben als zuvor Jahrzehnte lang wirklich zu leben?

Wir haben ja meistens, wenn man mal eine kleine Umfrage unter Bekannten macht, keine Angst vor dem Tod, denn der trifft jeden, sondern eher vor dem Sterben.

Soll in der Todesanzeige stehen: "Nach langer schwerer Krankheit ..." oder nicht doch lieber "Plötzlich und unerwartet ..."?

Also, wenn man den Tod als Teil des Lebens akzeptiert, kann man trotzdem Spaß am Leben haben. Alles andere wäre in meinen Augen auch ziemlich doof.

Es heißt ja nicht, jeden Tag Party machen (ich glaube, da verwechseln junge Leute oft etwas), sondern einfach jeden Tag genießen, den man gesund und zufrieden sein darf.

Hallo RedPilled

Ja! Ich liebe das Leben und ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich leben darf, an dem ich mich an der Natur erfreuen darf, an dem ich spüre, dass meine Angehörigen und meine Nachbarn mich mögen, an dem ich ohne Schmerzen spazieren gehen kann, an dem ich mich satt essen und nachts warm und weich schlafen kann. Und ich habe keine Angst vor dem Tod, obwohl ich ihm mit meinen 84 Jahren wahrscheinlich näher bin, als die meisten anderen Antworter hier. Ich habe nur eine leichtes Bedauern darüber, weil täglich interessante Neuigkeiten in der Wissenschaft entdeckt werden, von denen ich natürlich nichts mehr erfahren werde, wenn ich gestorben bin.

Ich sehe keinen Grund dafür, dass das Eine das Andere ausschließt. Im Gegenteil: Erst wenn man bedenkt, dass das Leben begrenzt ist, weiß man es richtig zu würdigen und sich Tag für Tag daran zu erfreuen.

Es grüßt HEWKLDOe.

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