Kann man das aneinanderreihen von Fragen an einen Menschen schon als sokratischen Dialog bezeichnen oder ist dafür eine spezielle Technik notwendig?

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2 Antworten

Das Aneinanderreihen von Fragen nennt man eine Kettenfrage, die im Regelfall - sofern sie ein Lehrender äußert - als ungünstig eingestuft wird, weil der Lernende damit überfordert ist. Eine Kettenfrage würde also etwa so lauten: "Wie konnten die Neandertaler die harten Winter in der Eiszeit überstehen, d.h. mit welcher Schutzkleidung haben sie sich ausgestattet und vor allem wie konnten sie diese Kleidung überhaupt produzieren?" 

Der Lernende hat sich vielleicht noch den ersten Teil der Frage gemerkt, wie die Neandertaler die Winter überstehen konnten. Darauf hätte er antworten können, dass sie sich Steinhäuser bauten, dass sie Feuer unterhielten und dass sie Felle zur Bekleidung vernähten. Doch die weiterführende Frage engt seine Antwortmöglichkeiten bereits ein, indem nur noch die Kleidung als maßgeblich gesehen wird. Aber auch hier klappt noch eine dritte Teilfrage nach, die sich auf die Herstellung der Kleidung richtet. Jetzt ist der Schüler nochmals irritiert und wird vielleicht nichts mehr antworten, weil er über die Herstellungsprozesse (von welcher Kleidung?) nichts sagen kann.

Der sokratische Dialog ist nun dadurch ausgezeichnet, dass er beim Lernenden beginnt. Der Lernende stellt z.B. eine kühne These in den Raum. Der Lehrende widerspricht nun aber keinesfalls dem Lernenden, sondern fragt ihn etwa, ob er sich da sicher sein könne. Er kann auch fragen, von welchem Sachverhalt er diese Aussage  abgeleitet habe, oder ob er annehmen könne, dass diese Aussage nicht Widerspruch erzeugen könnte. Dann muss der Lernende seine eigene Aussage auf ihre Stimmigkeit und ihre Belastbarkeit hin prüfen. Wenn der Lehrende dann fragt, ob der Lernende auch einkalkuliert hätte, dass man ihm widersprechen könnte, und auf welche Einwände er sich denn bereits vorbereitet hätte, dann wird dieser wiederum ins Denken gezwungen und muss seine These abermals einer kritischen Prüfung unterziehen.

Damit erfolgt der sokratische Dialog in einem ständigen Weiterfragen, so dass der Lernende immer genauer und tiefer in die Problematik geführt wird, so dass er am Ende vielleicht seine eigene Anfangsthese als widerlegt vorfindet. Das Gute daran ist, dass er selbst es dann war, der die Widerlegung durchgeführt hat. Es gab keinen Machtverlust, keine Demütigung des Schülers gegenüber dem wissenden Lehrer. Der Schüler erfährt seine eigene Kompetenz und kann sich seiner veränderten Einsicht auch getrost anvertrauen, weil er sich als den klug Argumentierenden erlebt hat, bei dem er keine Bedenken haben muss, dass ihn hier jemand aus bestimmten Gründen zu etwas überreden wollte, dem gegenüber er mißtrauisch bleiben sollte. Damit ist der echte sokratische Dialog ein hervorragender Weg zur vertieften Unterweisung. 

Der Nachteil dieses Verfahrens ist die Langwierigkeit der Unternehmung und zudem die Notwendigkeit, dass der Schüler zum einen wissbegierig und zum anderen relativ klug sein muss, weil er mit den Gesetzen der Logik und des kohärenten und sauber schlussfolgernden Denkens locker und souverän umgehen können sollte.

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Das kommt ganz darauf an wie man sich weiter entwickeln kann. Du könntest auf ein Problem eingehen und dazu einen Entwicklungsschritt angeben. Genauso Tempus und Modus angeben. Bei der Gestaltung kann ich dir leider nicht ganz helfen. Und ja Wie fragen sind sehr effektiv.
Benutze Metaphern!

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