Kann man beim Masterstudium in Deutschland den Studiengang wechseln?

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1 Antwort

Hallo,

Unzufriedenheit im ersten Semester ist normal. Veränderte Lebensumstände, ein schwieriges Lernumfeld und ein völlig neues Lebensgefühl beeinflussen das persönliche Empfinden. Besteht dieser Frust nach dem ersten Semester immer noch, solltest du einen Studienfachwechsel oder gar einen Abbruch des Studiums in Betracht ziehen. Bist du dir noch nicht sicher, hilft dir eine Analyse deiner Situation:
Warum bist du unzufrieden mit deinem Studium? Liegt es an den Inhalten? An der Lehrkraft? Oder hast du dir das Studienfach ganz anders vorgestellt?
Hast du Probleme mit der Organisation des Studiums?
Bist du mit deinem Studienfach überfordert? Hast du das Gefühl, den Stoff intellektuell nicht zu bewältigen? Vielleicht wolltest du immer etwas mit Computern machen und scheiterst jetzt an den Mathematikkursen.
Wo siehst du dich in der Zukunft? Hast du vielleicht bemerkt, dass du dich für eine andere Studienrichtung mehr interessiert oder ein anderes Fach dir mehr liegt?
Was glaubst du, weshalb du das Studienfach nicht mehr studieren möchtest? Gibt es einen konkreten Grund dafür?
Welche Fehler hast du in deinem ersten Studium gemacht? Bist du in der Lage, diese in deinem zweiten Studium zu vermeiden?
Wo möchtest du beruflich hin? Ist das Studienfach für deinen späteren Berufswunsch sinnvoll?
Solltest du nach der Analyse noch immer das Studienfach wechseln wollen, ist der Gang zur Studienberatung und ggf. zum BAföG-Amt der nächste Schritt auf deinem Weg zum Studienfachwechsel. Vor deiner endgültigen Entscheidung ist es sinnvoll, Vorlesungen des neu gewählten Studienfaches zu besuchen und mit Kommilitonen zu sprechen, die dieses Fach bereits studieren. So kannst du prüfen, ob dieses Studienfach nun wirklich das richtige Fach für dich ist.

Fristen und Gesetze beim Studienfachwechsel beachten
Zwar sind an vielen Universitäten mehrere Wechsel des Studienfachs möglich. Wer jedoch vom BAföG abhängig ist, muss die Vorgaben des BAföG-Amtes vor dem Wechsel des Studienfachs beachten. So ist ein Fachwechsel nur bis zum Ende des 3. Semesters möglich, ohne den Anspruch auf BAföG zu verlieren. Danach ist ein Wechsel nur noch aus wirklich wichtigem Grund möglich.
Der erste Gang sollte dich also zum BAföG-Amt führen, um deinen künftigen BAföG-Anspruch abzuklären. Ist das geklärt, erkundigst du dich bei der Studienberatung über die Bewerbungsmodalitäten, den Zugangsfristen und den Zulassungsvoraussetzungen (zulassungsfrei oder beschränkt). Gerade bei den Zulassungsvoraussetzungen gibt es jede Menge Stolperfallen. So entscheiden sich Studienfachwechsler häufig für einen Studiengang, der zulassungsbeschränkt ist - oftmals auch in höheren Semestern. In solchen Fällen musst du prüfen, ob du die Zulassungsbedingungen erfüllst. Ähnlich sieht es mit geforderten Eignungstests oder Praktika aus. Bei der Studienberatung hast du außerdem die Möglichkeit, dich ausführlich beraten zu lassen.
In manchen Studiengängen ist ein Wechsel nur zum Wintersemester möglich. Die verbleibende Zeit bis zum Beginn des neuen Studienfachs kannst du für Praktika oder ein Auslandssemester nutzen.
Um nicht unnötig Zeit zu verschwenden, kannst du außerdem durch das Prüfungsamt deiner Universität prüfen lassen, ob du dir bereits erbrachte Leistungen auf das neue Studienfach anrechnen lassen kannst. So sparst du wertvolle Zeit, denn jeder Studienfachwechsel schiebt dein Studienende nach hinten hinaus, sodass du unter Umständen irgendwann den Anspruch auf BAföG verlierst. Möchtest du in einen studiengangverwandten Studiengang wechseln, benötigst du manchmal zusätzlich eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, die belegt, dass du noch nicht durch eine relevante Prüfung gefallen bist.
Zu guter Letzt: Vergiss nicht, den Antrag auf einen Studienfachwechsel auszufüllen, dich zu exmatrikulieren und den Antrag beim Immatrikulationsamt abzugeben. Informiere das BAföG-Amt und deine Krankenkasse über deinen Wechsel, um nicht den Anspruch auf BAföG und Krankenversicherung zu verlieren.

Checkliste für einen Studienfachwechsel
Hast du dir genügend Zeit für deine Entscheidung gelassen (nach dem 1. Semester)?
Warst du bei der Studienberatung und hast dich dort ausführlich beraten lassen?
Hast du Vorlesungen des „neuen“ Studienfaches besucht und dich bei Kommilitonen über das Fach erkundigt?
Erfüllst du die Zugangsvoraussetzungen und kannst du wechseln, ohne Zeit zu verlieren?
Gewährt dir das BAföG-Amt weiter Unterstützung nach dem Wechsel?
Wie sieht es mit der Anrechnung von Prüfungsleistungen und Seminarscheinen aus? Hast du die Möglichkeit der Anrechnung von Scheinen?
Hast du dich um die Exmatrikulation und die neue Immatrikulation gekümmert?
Wissen deine Krankenkasse und das BAföG-Amt von deinem Wechsel?
Diese Checkliste hilft dir, die Angst vorm Studienfachwechsel zu verlieren und einen reibungslosen Fachwechsel vorzunehmen.

Hallo, vielen Dank dir für deine Hilfe. ;) 

Das Problem ist, dass ich mein Studium ganz anderes vorgestellt habe. Ich bin total enttäuscht. Ich will einfach nicht mehr dort studieren. Völlig satt. Ich weiss es, aber nicht ob ich es wechseln darf, da es mit dem Visum immer Voraussetzungen gibt. Wie ich gehört habe, darf man es machen nur bis zum 3. Semester, danach geht nicht mehr. Ist es so? Vielleicht weisst du. Das größte Problem ist die richtige Info in richtiger Zeit zu finden, was ganz schwer in Deutschland ist. Und ja, ich muss auch einen anderen Studiengang finden, wo keine dummen Programme gibt. Ich mag sehr Mathe und auch Computers, also ich habe mehrere Hobbys .. =) 

vielen Dank für deine Hilfe

LG

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@Tatev

Hallo,

In den ersten drei Semestern ist der Wechsel des Studienfachs unproblematisch, sowohl innerhalb des BA-Studiums als auch nochmal während der ersten drei Semester des MAStudiums. Hierfür brauchen Sie nicht bei der Ausländerbehörde vorzusprechen. Als Wechsel des Studienfachs gilt jeglicher Wechsel: 1. Hauptfach oder 2. Hauptfach bei Bachelor, Master, Magister, Diplom oder Staatsexamen.
Ab dem 4. Fachsemester wird jeder Fall von der Ausländerbehörde individuell entschieden und grundsätzlich nur dann zugelassen, wenn sich die Gesamtstudiendauer nicht auf mehr als zehn Jahre verlängert. Dies muss durch eine Stellungnahme der Hochschule bestätigt werden. Bitte erkundigen Sie sich beim International Office Ihrer Hochschule, wer Ihnen eine solche Stellungnahme ausstellt (z.B. Ihre Professoren, Prüfungsamt, Studienbüro, International Office, etc.).
Auch der Wechsel zu einer anderen Hochschule, um dort dasselbe Fach weiter zu studieren, ist ein Zweckwechsel im Sinne des Aufenthaltsrechts, den sie mit der zuständigen Ausländerbehörde abstimmen müssen.
Auch Auslandssemester an einer ausländischen Hochschule sind möglich

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@007Alkl

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort. Ich habe studiert 2 Semester und danach habe ich ein Urlaubsemester wegen der Gesundheit genommen und jetzt mache weiter. Also offiziell bin ich im 4. Semester, aber beim Fachsemester bin ich schon im 3. Leider ist jetzt die neue Bewerbungsfrsit für Wintersemester vorbei, ich muss jetzt noch bis Sommersemester wieder warten, damit ich mich wieder bewerben kann. Es wird schon im Januar 2018 sein, da werde ich schon beim 4. Fachsemester sein. Wie denkst du, wird es die Sachen mit der Ausländerbehörde gut laufen? Da ich schon beim 4. Fachsemester werde. 

Mit der Verlängerung von der Gesamtstudiendauer habe ich eine Frage: Ist es völlig egal ob du ein Bachelor- oder Masterstudium machst? Ich habe mich erfahren, dass beim Masterstudium kann man nur auf 8 Semester das Studium verlängern, ist es so oder hängt es auch vor der Uni ab ?

Danke noch mal!

LG

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@Tatev

Hallo,

leider ist die Ausländerbehörde nicht sehr kulant, speziell bei Nicht-EU-Bürgern.

Ein Wechsel des Aufenthaltszwecks während des Aufenthalts zu Studienzwecken ist weiterhin grundsätzlich ausgeschlossen. Nach § 16 (2) AufenthG soll während eines Aufenthalts zu diesem Zweck in der Regel keine Aufenthaltserlaubnis für einen anderen Aufenthaltszweck erteilt oder verlängert werden, sofern nicht ein gesetzlicher Anspruch aus anderen Gründen wie z. B. Familiennachzug besteht. Bei Änderung der Fachrichtung während des Studiums liegt grundsätzlich ein Wechsel des Aufenthaltszwecks vor. Der Aufenthaltszweck wird bei einem Wechsel des Studienganges oder einem Wechsel des Studienfaches innerhalb desselben Studienganges in den ersten 18 Monaten nach Beginn des Studiums nicht berührt. Bei einem späteren Studiengang- oder Studienfachwechsel ist zuächst auf das geltende Hochschulrecht abzustellen. Ist der Wechsel danach zulässig, wird der Aufenthaltszweck dann nicht berührt, wenn die bisherigen Studienleistungen soweit angerechnet werden, dass sich die Gesamtstudiendauer um nicht mehr als 18 Monate verlängert (Nachweis der Hochschule). Liegen diese Voraussetzungen nicht vor oder wird ein weiterer Studiengang- oder Studienfachwechsel angestrebt, ist dieser nur zugelassen, wenn das Studium innerhalb einer Gesamtaufenthaltsdauer von zehn Jahren abgeschlossen werden kann. Die vorstehenden Regelungen gelten für eine Wechsel zwischen verschiedenenen Hochschularten entsprechend (z. B. Wechsel von einem Universitätsstudium zu einem Fachhochschulstudium in derselben Fachrichtung).

Bei der Antragstellung auf Erteilung bzw. Verlängerung einer Aufenthaltsgenehmigung sind folgende Unterlagen erforderlich:
Nachweis des bestehenden Aufenthaltsgrundes (z. B. Sprachkursbescheinigung, Immatrikulation, Studienbuch - bei Studienbewerber Nachweis über ihre zielgerichteten Aktivitäten zur Erlangung eines Studienplatzes)
Nachweis des ausreichenden Krankenversicherungsschutzes.
Nachweis der gesicherten Finanzierung. Als Nachweis der gesicherten Finanzierung kommt insbesondere in Betracht: Darlegung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Eltern, Einzahlung einer Sicherheitsleistung auf ein Konto in Deutschland (i.H. eines Jahresbetrages), Hinterlegung einer jährlich zu erneuernden Bankbürgschaft bei einem Geldinstitut im Bundesgebiet (i.H. eines Jahresbetrages), Stipendienbescheinigung eines deutschen Trägers oder einer in Deutschland anerkannten Förderorganisation oder ein Stipendium des Heimatlandes, wenn eine deutsche stipendiengebende Organisation die Vermittlung an die Hochschule übernommen hat.

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@007Alkl

Hallo, vielen lieben Dank für deine Hilfe ;) ich versuche es zu machen, mit der Hoffnung, dass es klappen wird.. Ich muss noch 2 Jahre durchhalten, danach wie ich weiss, kann man nach den 5 Jahren einen unbefristeten Aufenthaltstitel beantragen, ist es so oder ? Mindenstens dann habe ich wenig Kopfschmerzen mit dem Ausländeramt

LG

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@Tatev

Hallo,

die Voraussetzungen für die Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis geregelt. Sie wird erteilt,

wenn der Antragsteller

1. seit mindestens 5 Jahren im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis ist
2. der Lebensunterhalt gesichert ist
3. 60 Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt wurden
4. Straffreiheit vorliegt
5. eine Arbeitserlaubnis vorliegt
6. ausreichende Kentnisse der dt. Sprache gegeben sind
7. die dt. Gesellschaftsordnung in ihren Grundzügen beherrscht wird
8. Wohnraum da ist

Bei Hochschulabsolventen, die einem ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz haben, reicht der Nachweis über die Zahlung von 24 Pflichtbeiträgen aus ( 18b AufenthG).

Problematisch ist Punkt Nr. 2, da ein Minijob 450,00 € Verdienst, also eine geringfügige Beschäftigung, nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt als gesichert darzustellen.

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@007Alkl

Hallo,

angenommen, wenn ich einen Minijob hätte und daneben auch jemand eine Verpflichtungserklärung für mich gemacht hätte, dann könnte ich den unbesfristeten Aufenthaltstitel beantragen ? Zurzeit habe ich eigentlich mein Visum mit dieser Verpflichtungerklärung beantragt. Ein guter Freund von mir hat das für mich gemacht. Er kann das auch weiter machen, es wäre kein Problem.

Und noch eine Frage hätte ich: Wie viel muss man eigentlich verdienen damit man ein Arbeitsvisum beantragt? Ich habe mich über Blaue Karte erfahren, da muss jährliches Bruttoverdienst mindenstens 49600 Euro sein (bzw. monatlich 4133 Euro). Aber ich brauche keine Blaue Karte und ich werde auch nicht von Anfang an so viel Geld verdienen. Ich brauche nur ein einfaches Arbeitsvisum entsprechend meinem Arbeitsvertrag. Könnte man theoretisch auch mit 1500 Euro monatliches Bruttoverdienst ein Arbeitsvisum beantragen? Ich denke nicht, dass jeder, der hier in Deutschland arbeitet, bekommt monatlich 4133 Euro. Und ich habe keine eigene Familie, ich muss nur meinen Lebensunterhalt finanzieren können oder ? Eine Person nur...

Vielen Dank :)

LG

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@Tatev

Hallo,

Ja, Ist der Nachweis einer eigenen Finanzierung nicht möglich, kann die Finanzierung durch Abgabe einer förmlichen Verpflichtungserklärung gemäß §§ 66, 68 des Aufenthaltsgesetzes durch eine dritte Person nachgewiesen werden. Zuständig zur Entgegennahme einer solchen Erklärung ist in der Regel die Ausländerbehörde am Wohnort des sich Verpflichtenden

Nachzuweisen ist das Vorhandensein der erforderlichen Mittel durch die Darlegung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Eltern oder

- eine Verpflichtung gemäß § 68 AufenthG oder

- die Einzahlung einer Sicherheitsleistung auf ein Sperrkonto bei einem Geldinstitut, dem die Vornahme von Bankgeschäften im Bundesgebiet gestattet ist, von dem monatlich nur 1/12 des eingezahlten Betrages ausgezahlt werden darf; das Sperrkonto ist auf den Namen des Studenten einzurichten und der Sperrvermerk ist zugunsten der öffentlich- rechtlichen Gebietskörperschaft, der die zuständige Ausländerbehörde zuzurechnen ist, einzutragen oder

- die Hinterlegung einer jährlich zu erneuernden Bankbürgschaft bei einem Geldinstitut im Bundesgebiet oder einem Geldinstitut, dem die Vornahme von Bankgeschäften im Bundesgebiet gestattet ist, soweit die Bankbürgschaft nicht über eine längere Laufzeit verfügt oder

- den Bewilligungsbescheid nach dem BAföG oder - den Bewilligungsbescheid für das Stipendium.

Der nachzuweisende Gesamtbetrag kann sich aus mehreren der o.g. Faktoren zusammensetzen.

Ausreichende Mittel stehen dann zur Verfügung, wenn sie dem BAföG- Förderungshöchstsatz entsprechen (gemäß 16.0.8 Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Aufenthaltsgesetz vom 26. Oktober 2009). Gemäß §§ 13 und 13a Absatz 1 Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) in der zurzeit geltenden Fassung ergibt sich danach ein Betrag von 670,00 EURO*, der monatlich zur Verfügung stehen muss. Bei Nachweis einer Unterkunft, deren Miet- und Nebenkosten den in § 13 Absatz 2 Nummer 2 BAföG genannten Betrag (224,00 €) unterschreiten, vermindert sich der zu fordernde Betrag entsprechend.

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@007Alkl

alles klar :) Herzlichen Dank dir für deine Hilfe...

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