Kann man bei der Berechnung des Unterhaltes für den volljährigen Sohn Unterhaltszahlungen der neuen Ehefrau gegenüber, mit halber Stelle, geltend machen?

4 Antworten

Es kommt darauf an, ob der bereits volljährige Sohn noch "privilegiert" ist oder nicht:

"Privilegiertes" volljähriges Kind

  • Ein volljähriges Kind, das seine allgemeine Schulzeit noch nicht beendet hat und noch im Haushalt eines Elternteils lebt und noch unter 21 Jahre alt ist, zählt als "privilegiert" und ist minderjährigen Kindern gleichgestellt. 
  • Alle weiteren Unterhaltsverpflichtungen - z.B. für den Ehepartner oder Ex-Ehepartner - wären dann nachrangig zu behandeln.
  • Zwar sind auch hier bereits beide leiblichen Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet (der Unterhalt muss also ab der Volljährigkeit ohnehin neu berechnet werden....), aber es gilt noch der "Selbstbehalt" von derzeit 1080 Euro.

Nicht mehr "privilegiertes" Kind

Sobald einer der o. g. Aspekte nicht mehr zutrifft (Schüler, unter 21, im Elternhaus lebend...) ist ein volljähriges Kind, das seinen Eltern noch einen Unterhaltsanspruch nachgewiesen hat und den Unterhalt bei ihnen einfordert, nicht mehr privilegiert. Dann gilt:

  • Sein Unterhalt ist nun nachrangig, alle möglichen Unterhalte für minderjährige Kinder und/ oder Ehepartner/ Ex-Ehepartner eines unterhaltspflichtigen Elternteils haben Vorrang vor seinen Ansprüchen.
  • Der Selbstbehalt der Eltern beträgt nun 1300 Euro ihm gegenüber.
  • Nur, wenn ihnen von ihrem jeweiligen Einkommen nach Zahlung aller vorrangigen Unterhalte noch mehr als 1300 Euro verbleiben, müssen sie vom darüber liegenden Betrag auch noch an den Sohn Unterhalt zahlen.
  • Für die Eltern besteht gegenüber einem nicht privilegiertem Kind keine "erhöhte Erwerbsobliegenheit" mehr.Sie müssen also nicht mehr "alles ihnen Mögliche" tun, um dem Sohn Unterhalt zahlen zu können. 
  • Würde ihr Einkommen dann vielleicht gerade mal für sich selbst und den nicht oder nur geringfügig arbeitenden Ehepartner reichen, ginge der Sohn leer aus....

Nein, das ist nicht möglich. Vielmehr werden die Unterhaltsansprüche des Kindes und der neuen Ehefrau unabhängig voneinander berechnet, quasi so als würde es den anderen Unterhaltsberechtigten nicht geben. Sollte das Einkommen allerdings nicht ausreichen, beide Unterhaltsansprüche in voller Höhe zu bedienen, ohne unter den Selbstbehalt zu rutschen, so stellt sich die Frage einer Rangfolge. Hier gilt: handelt es sich um ein privilegiertes volljähriges Kind (siehe die anderen Antworten), so geht das Kind vor. Handelt es sich nicht um ein privilegiertes volljähriges Kind, so geht die Ehefrau vor, falls sie ein gemeinsames Kleinkind betreut. Liegt auch dieser Fall nicht vor, so sind beide gleichberechtigt, d.h. sie müssen sich den für den Unterhalt einsetzbaren Betrag teilen.

Kindesunterhalt kommt VOR Erwachsenenunterhalt. Nur alle Kinder müssen gleichgestellt sein. Wenn Deine Frau nur Teilzeit arbeitet kannst Du deshalb nicht den Unterhalt für Dein Kind aus früherer Beziehung kürzen. Nicht mal wenn ihr Euch entschieden hättet, dass Ehefrau ganz Zuhause ist.

Wenn Euch das Geld nicht reicht, kann die neue Ehefrau eben nicht nur "Teilzeit" arbeiten. Viele Ehefrauen arbeiten Vollzeit.

Wenn Deine Frau nur Teilzeit arbeitet kannst Du deshalb nicht den Unterhalt für Dein Kind aus früherer Beziehung kürzen. Nicht mal wenn ihr Euch entschieden hättet, dass Ehefrau ganz Zuhause ist.

Das gilt nur solange der Sohn noch "privilegiert" ist.

Wäre er bereits nicht mehr privilegiert, besteht keine "erhöhte Erwerbsobliegenheit" mehr für die Elternteile....

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