Kann man aufs atmen vergessen?

7 Antworten

Moin,

zunächst einmal die Physiologie, also die Vorgänge, wie bei einem gesunden Menschen zu finden sind. Die Atmung wird erstmal autonom reguliert, das heißt ein Teil des Nervensystems, dessen Aktivität wenig bis gar nicht bewusst beeinflussbar ist (in diesem Fall das verlängerte Rückenmark, auch "Medulla oblongata" genannt), hat die Steuerung über die Atmung. Solange wir wach sind, können wir jedoch die Atmung auch bewusst und selbstbestimmt beeinflussen; dies liegt an der Funktionsweise der Atmung: Um zu atmen wird der Brustkorb mit Muskelkraft vergrößert bzw. verkleinert. Die Muskeln, welche diese Bewegung möglich machen, sind sogenannte "Skelettmuskeln" aus der Gruppe der "quergestreifen Muskeln". Diese Skelettmuskeln können wir bewusst ansteuern. Somit können wir auch die Bewegung der Atemmuskulatur bewusst steuern und haben dadurch Kontrolle über die Atemfrequenz und das Atemzugvolumen.

Die Medulla oblongata kommt ins Spiel, sobald wir die Atmung nicht mehr bewusst steuern können. Bei gesunden Menschen ist dies der Fall, wenn sie schlafen. In dem Moment wird die Atmung über die genannte Hirnstruktur ausgelöst. Diese wiederum bezieht die Informationen, ob ein Atemzug nötig ist, von bestimmten Rezeptoren. Diese Rezeptoren messen u.a. dem Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut. Steigt dieser an wird ein Reiz an die Medulla geleitet, welche dann über andere Regelkreise, die ich jetzt nicht näher beleuchten werde, einen Atemzug auslöst. Die Prozessabfolge, welche über ansteigenden Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut zur Atmung führt, wird auch als "Atemreiz" bezeichnet; die Atmung selbst, welche automatisch und ohne bewusstes Zutun des Menschen erfolgt, wird "Spontanatmung" genannt. Bei gesunden Menschen ist es daher nicht möglich, dass das Atmen vergessen wird.

Es gibt Erkrankungen, welche zu Veränderungen der Funktion der Spontanatmung führen, dazu gehören z.B. Schädigungen des Atemzentrums in der Medulla oblongata. Folgen können z.B. krankhafte (pathologische) Atemmuster wie die Biot-Atmung und die Cheyne-Stokes-Atmung sein. Auch Stoffwechselentgleisungen wie eine massive Überzuckerung (Hyperglykämie) führt über bestimmte Pathomechanismen zu einer krankhaft veränderten Atmung (in dem Fall zur sogenannten "Kussmaul-Atmung"). Medikamente wie die aus der Gruppe der Opiate und Opioide beeinflussen ebenfalls die Funktion des Atemreizes und können dadurch auch zur Aussetzung der Spontanatmung führen.

Konnte ich deine Frage soweit beantworten oder ist noch etwas offen? In dem Fall frag gern weiter.

Lieben Gruß ;)

Das Atmen an sich kann man nicht vergessen, da es nicht durch das Bewusstsein gesteuert wird. Was im Schlafen aber passieren kann, dass die Muskulatur im Hals-/Rachenbereich so erschlafft, dass sich der Atemweg schließt. Das nennt man dann Schlafapnoe. Allerdings wird man dann nicht ersticken, sondern man wird wach (mitunter ohne es bewusst zu merken), die Muskulatur spannt sich wieder an und man atmet. Das ist etwas, was behandelt werden sollte und wird in einem Schlaflabor getestet. Aber im Wachzustand ist es nicht möglich, das Atmen einzustellen -- bewusst oder unbewusst.

Kurzgefasst: Für Atmung, Herzschlag und alles lebenswichtige ist das Vegetative Nervensystem zuständig. Dieses Nervensystem arbeitet immer, und wenn man nicht selbst die Atmung beeinflusst, was übrigens das einzige ist, dass das Vegetative Nervensystem zulässt, dann atmet man völlig autonom, man kann es nicht vergessen:) Beste Grüße, Adrian13J :)

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