Kann man auf Magenspiegelung drängen?

7 Antworten

Am Wochenende werden Untersuchungen nur im Notfall (zB bei Lebensgefahr) gemacht. Vielleicht ist deine Uroma auch schon so alt, dass sie nicht mehr essen möchte...

Deine Uroma ist 85 Jahre alt. Erst einmal musst Du wissen, dass Menschen in diesem Alter ganz plötzlich und von einem auf den anderen Tag "abbauen" können - körperlich, psychisch und nervlich - und dies beginnt zumeist bei Anlässen wie diesem: Wenn sie krank werden, wenn sie Pflege benötigen, wenn sie umziehen müssen, wenn sich ihre Umgebung plötzlich verändert und ihre Gewohnheiten nicht mehr so gelebt werden können, wie sie es kannten.

Das Essen oder Trinken stark einzuschränken oder ganz damit aufzuhören ist eine Reaktion auf den Stress der neuen Situation (also KEIN Fehler des Krankenhauses!) - aber oft auch einfach etwas, was sie zuhause womöglich ebenfalls zu diesem Zeitpunkt begonnen hätten.

Meine Mutter (Altenpflegerin und Krankenschwester) hat 22 Jahre lang bei sich zuhause Privatpatienten gepflegt, die in hohem Alter zu ihr kamen und dann dort auch verstarben. Sie nahm jeweils nur einen alten Menschen auf, meistens Alleinstehende ohne Familie, und wir (3 erwachsene Kinder plus 3 Enkel) kamen zu Besuch, grillten zusammen im Garten, feierten Geburtstage oder Weihnachten zusammen - und der alte Mensch, der gerade bei meiner Mutter wohnte, war in die Familie integriert bis zu seinem letzten Tag und gehörte zu uns wie ein Angehöriger. Als Famile haben wir 8 Menschen bis zum Tod begleitet: über gemeinsame Weihnachtsfeste u. Sommer im Garten, wenn sie noch fit waren und nicht bettlägerig - später dann Krankenhausaufenthalte, Lungeninfektionen, Bettlägerigkeit, bis zum Händehalten beim Sterben zuhause. Wir haben viel gelernt in diesen Jahren.

Das Einschränken u. Spucken des Essens kenne ich beinahe von allen Personen, die meine Mutter gepflegt hat: Es zeigte sich zumeist bei ersten Krankenhausaufenthalten, aber auch zuhause, wenn sie in einer "späten" Phase ihres Lebens waren, einige Wochen vor dem Tod. Es ist oft eine Entscheidung des alten Menschen selbst, nur noch das Nötigste zu essen.

Alte Leute sind nervlich u. seelisch nicht mehr flexibel genug, angemessen auf Veränderungen ihres direkten Umfeldes zu reagieren, sie brauchen ihr gewohntes Essen, die vertraute Atmosphäre, ihre lieben Menschen um sich. Wenn dies nicht möglich ist, verbrauchen sie in diesem Stress viel Kraft u. ihre allgemeine Kondition gerät schnell in einen schlechteren Zustand.

Du kannst davon ausgehen, dass das Personal im Krankenhaus dieses "Abbauen" alter Menschen während ihres Krankenhaus-Aufenthaltes kennt u. es besser einschätzen kann als Du. Sie wissen, daß dies ein Zeichen des Alters ist - und oft auch eine Vorstufe des Sterbeprozesses.

Sie jetzt in ihrem Alter mit dem Schlucken eines Schlauches zu quälen halte ich absolut nicht für richtig, so lange nicht ein klarer und begründeter Verdacht besteht, dass mit ihrem Magen etwas nicht nicht in Ordnung ist. Die Ärzte sind leider per Eid dazu verpflichtet, auch beim alten Menschen, der eindeutig Anzeichen einer letzten Lebensphase zeigt, gegen diese Anzeichen medizinische Maßnahmen zu ergreifen.

Ein Arzt mit verständigen Angehörigen kann jedoch dies tun: für den alten Menschen Zeit gewinnen - Zeit, die dieser für den ganz natürlichen Prozess der Vorbereitung auf das Sterben dringend benötigt. In unserem Land ist Sterbehilfe nicht erlaubt, es gibt nur die Möglichkeit, die natürlichen Prozesse zu erleichtern, sie geschehen zu lassen und möglichst nur einzugreifen, um hier und da Erleichterung zu verschaffen - und wenn medizinische Maßnahmen oder Eingriffe wie z.B. eine Magenspiegelung o. Zwangsernährung in Betracht gezogen werden, über diese dreimal nachzudenken, bevor man sie zur letzten bewussten "Erfahrung" im Leben einer alten Frau macht. Das würde sie nicht wollen.

Du möchtest Deine Uroma gern wieder mit nach Hause nehmen, in exakt dem Zustand, in dem Du sie zuletzt kanntest, bevor sie krank wurde. Krankenhausaufenthalte, größere Verletzungen, OPs oder Infektionen schwächen aber in diesem Alter sehr, sie verbrauchen oft enorm viel von der wenigen, letzten Lebensenergie, die ein alter Mensch noch zur Verfügung hat - und sie setzen bei ihm innere "Impulse", die oftmals den Lebenswillen verändern, so dass der alte Mensch ganz von selbst innere Entscheidungen trifft, z.B. das Essen einzustellen. Er fährt den Körper runter, drosselt die Energiezufuhr und gerät in einen anderen Zustand, der auf das Sterben vorbereitet.

Wie Du es beschreibst, klingt es so, als würde sie dies von sich aus steuern, sie "spuckt" es aus, sie isst nur noch wenige Löffel, eben gerade so, dass sie sich am Leben hält, aber die Kräfte drosselt.

Ich bin sicher, dass Schwestern und Ärzte dies beobachten und dieses Verhalten gut kennen und richtig einschätzen, und doch müssen sie sicher sein, dass sie nichts Organisches übersehen. Wenn dann die Verwandtschaft eine Magenspiegelung verlangt, müssen sie diese wohl oder übel durchführen, auch wenn sie wissen, welche Quälerei dies für die alte Frau ist und wieviel zusätzliche Kraft hier verschwendet wird, indem man sie zwingt, dies durchzustehen.

Wenn der Ultraschall nichts ergibt, würde ich es nicht tun, sondern absehen, wann sie wieder nach Hause könnte und hoffen, dass sie dann wieder mit dem Essen aufholen wird.

Wenn sie noch einige Zeit im Krankenhaus vor sich hat, fände ich einen stabilisierenden Tropf sinnvoller und humaner, bis ihr sie mitnehmen könnt - an eurer Stelle würde ich mich nun schon einmal ein wenig mit der körperlichen und seelischen Situation alter Menschen befassen (es gibt hier gute Literatur), denn ihr scheint wenig Zugang zu diesem Thema "Alter und letzte Lebensphase" zu haben.

Es ist wichtig zu wissen, wie der Sterbeprozess vor sich geht und wie sich dieser Abschnitt ankündigt. Ihr geht scheinbar sehr von euren eigenen Bedürfnissen aus, sie behalten zu wollen und sie medizinisch "wieder herstellen" lassen zu wollen - aber womöglich ist dies nicht in ihrem Sinne, ihre Bedürfnisse werden euren entgegenstehen ,wenn es soweit ist.

Bedenkt, auch das Sterben gehört ihr, so wie ihr Leben ihr gehört. Es ist der letzte Abschnitt ihres Lebens, und sie hat ein Recht auf würdevolle Behandlung, auf Respekt vor diesem Weg, den sie letztendlich allein gehen muss und bei dessen "Vorbereitung" sie auf eure Hilfe angewiesen ist.

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@ rosehip - ich bin wahrlich beeindruckt, was Du von Deiner Mutter und deren Größe, Menschen zu unterstützen in Würde sterben zu können. Wenn Sie noch lebt sage ihr meine GANZ DICKE ANERKENNUNG dafür. Es ist die Beschreibung einer Möglichkeit, wahrlich natürlich zu sterben statt sich immer wieder (neu) auf die moderne Medizin einzulassen, die diesem Aspekt (sehr) wenig Beachtung schenkt und dementsprechend agiert. Freue mich zudem auf einen privaten Kontakt - falls möglich - floh58@yahoo.de

herzlich Franz

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