Kann jüdisch sein 'verloren' gehen?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn Person 1 nachweisen kann, dass die Urururoma mütterlicherseits jüdisch ist, dann ist er auch Jude - egal ob sich die Nachkommen an die Gebote halten oder nicht. Selbst wenn sie zum Christentum konvertiert sind, gelten sie und ihre Nachkommen nach jüdischem Verständnis als Juden.

Wenn du es nachweisen kannst, dass du in rein mütterlicher Linie von der Person abstammst und nachweisen kannst, dass die Person jüdisch ist, dann kannst du in eine jüdische Gemeinde aufgenommen werden, allerdings wird der Rabbiner dir sagen, dass du einen "Giur le chumra", einen Uebertritt zur Sicherheit machen musst.

Insofern wäre dein Weg auch nicht viel anders als der von einem Menschen, der nicht jüdisch ist und zum Judentum konvertiert.

Vor allem musst du wissen, dass es ein bisschen schwierig ist, wenn man im fortgeschrittenen Alter in eine Gemeinde kommt, die meisten dort kennen sich seit Kindheit und sind nicht immer übertrieben offen für "Neue". Kommt hinzu, dass du dann wahrscheinlich keine Familienmitglieder in der Gemeinde hast, und Familie ist im Gemeindeleben sehr wichtig, bzw. es könnte sein, dass man sich etwas einsam vorkommt, wenn alle irgendwie mit Familie da sind, nur man selbst ist alleine.

Also die Antwort ist: Ja, theoretisch ist man jüdisch, wenn eine Vorfahrin in rein mütterlicher Linie jüdisch ist, praktisch muss man es nachweisen, sonst wird es nicht anerkannt, und insgesamt ist der Weg ziemlich schwer, nicht viel anders als wenn jemand ohne jüdische Vorfahren zum Judentum übertritt. Das unterschätzen die Leute, die begeistert ausrufen "Ja, dann bist du jüdisch".

Shalom, es gibt sogenannte "Kryptojuden" (1), die zwar anderen Religionen angehören aber sich der jüdischen Religion zugehörig fühlen. Umgekehrt ist das Judentum ja nicht nur eine Religion, sondern auch eine Ethnie (2) - insofern kann die Zugehörigkeit dazu nicht verloren gehen, höchstens die emotionale.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptojuden
(2) siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Israeliten

Danke!

1

Bin ich jetzt Jüdisch?

Hey,

Also ich habe vor knapp einem Jahr einen Ahnenforscher dazu beauftragt herauszufinden, woher meine Familie eigentlich kommt, was sie mal waren und wo sie hingegangen sind und warum ich so heiße, wie ich heute nun einmal heiße. Bin Bosnier der in Österreich geboren worden ist sprich meine Eltern sind damals aus dem Land vor dem Krieg hierher geflohen. Habe dem Ahnenforscher alle Namen gegeben die ich, bis eine gewisse Zeit kannte und von meiner Mutter sowohl von ­meinen Vater noch einige hinzugefügt habe. Nun hat der Ahnenforscher sich heute früh persönlich bei mir vor der Tür gemeldet und hatte alle Unterlagen dabei und auch Geburtsurkunden, die er im Archiv von Tuzla gefunden hat. Er war sehr überrascht sagte er mir das fast alles bis ins Jahr seit ­es Geburtsurkunden gibt gefunden hat er dachte die Nationalsozialisten hätten damals alles zerstört.

Und dort wurde eine Geburtsurkunde gefunden, die aus dem Jahre 1862 ist und dort steht der Name "Simon Cohen" geboren am 21.04.1862 in Tuzla und darunter stand dann "Jüdisch" also auf bosnisch "­Jevrej-Zidov". Leider konnte er nur bis in dieses Jahr zurückverfolgen dann war es aus dort standen noch die Namen seiner Eltern drauf wo ebenfalls stand "Die Eltern sind Jüdisch" also auf Bosnisch "­Roditelji su Jevreji-Zidov". Dies aber bezieht sich nur auf die Seite meiner Mutter bei meinem Vater wurden keine jüdischen Wurzeln herausgefunden.

So meine Frage ist man auch nach so vielen Generationen und nach so vielen Religionswechseln immer noch Jüdisch? Oder hat sich das schon nach so einer langen Zeit wieder gelegt und man wird nicht mehr als Jude betrachtet?

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?