Kann jemand für mich bitte die Geschichte von Babel deuten?

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7 Antworten

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel hat eine der Geschichte vom Sündenfall ähnliche Aussageabsicht. Es geht hier nicht um den menschlichen Fortschritt. Würde dies der Absicht dieser Geschichte entsprechen, so dürfte wohl offensichtlich kein Christ oder Jude am Himmel forschen oder große Gebäude bauen. Es würde auch dem Auftrag aus der Genesis widersprechen.

Erinnern wir uns an das, was im Garten Eden einige Kapitel vorher geschehen war: Gott gibt dem Menschen den freien Willen, aber auch gleichzeitig etwas, was er nicht tun darf. Er darf nicht über gut und böse entscheiden, er darf sich nicht an die Stelle Gottes, des Schöpfers, stellen. Er hat sich dennoch über Gott gestellt. So widerspricht auch der Turmbau zu Babel dem Auftrag Gottes und der Mensch meint wieder einmal, er könne sich über Gott erheben. Gott gab dem Menschen den Auftrag, die ganze Erde zu besiedeln. Der Mensch allerdings ging an einen Ort und versuchte, sich über Gott zu erheben und größer zu sein als er, indem er sich mit einem Turm auf die Ebene Gottes hochbaut. Gott allerdings versprach, den Menschen nie wieder auszurotten (jetzt einmal im Kontext der Erzählungen aus der Genesis). So gab er den Menschen verschiedene Sprachen, damit sie sich in Gruppen an verschiedenen Orten zusammenschließen müssen und somit die ganze Erde bevölkern. Das ist jetzt natürlich nur die Bildebene. Die Deutung ist dann das, was ich bereits erwähnt habe, dass der Mensch sich von Gott entzweit und wie Gott sein will, wie es so oft in den Erzählungen der Genesis und auch noch in der ganzen Bibel niedergeschrieben steht. So ist dies natürlich auch noch relevant für den Menschen der heutigen Welt, in einer Diktatur des Relativismus, der eine Folge dieses Strebens, Gott gleich sein zu wollen, ist.

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Die alten Mythen erzählen etwas über die Entwicklung der Menschen und wie die Menschen damals das selbst empfunden haben. Nach der Trennung aus der Gemeinschaft der Natur (Vertreibung aus dem Paradies, der "vergessene Mensch" in der Prometheus Erzählung) nutzt der Mensch seine neuen Fähigkeiten des Denkens und der Arbeitsteilung in gemeinschaftlichen Organisationen und erhebt sich so über die Natur, so sehr, dass er den Göttern in ihrem Machtanspruch gefährlich wird. Die jüdische Gottheit wehrt sich durch Sprachverwirrung, d.h. streut Missverständnis und Feindschaft unter die Menschen. Der griechische Zeus schickt die Büchse der Pandora, die ebenso Unheil über die Menschen bringt. Divide et impera: Zerstöre Gemeinschaft und  beherrsche so. Die Menschen hatten wohl schon sehr früh die Vorstellung den in den Gewalten der Natur repräsentierten Gottheiten die Stirn bieten zu können. Doch schon damals schafften sie es nicht, sich zur eigenen Erlösung einig zu zeigen. Mit dem Problem sind seitdem alle Menschenretter konfrontiert. Nur unsere neuen, jungen und mythenunkundigen Weltenretter meinen, sie könnten das wieder in Angriff nehmen, obwohl sie nicht 100.000 sondern 7 Milliarden Menschen zusammenbringen müssten. Die Überheblichkeit und Selbstüberschätzung von Babel dauert bis heute an.

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Kommentar von stefanbluemchen
04.02.2017, 22:58

Wenn das zu den Mythen und Legendengehören würde, hätten wir eine einheitliche Sprache. 

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Wie so viele Geschichten in der Bibel gibt es einen historischen Hintergrund. Der Hintergrund ist zu suchen in den Städten des nahmen Ostens. Den Verfassern der biblischen Geschichten waren immer noch Hirten und deshalb waren die Großstädte der Babylonier ein Greuel. Sie erzählten nur schlechtes über die Städte. Mitten in der Stadt war ein Tempelturm (Ziggurat) aufgestellt und so ist die Babelgeschichte entstanden. Eine kleinere Gruppe von nomadisierenden Hirten hat keine Sprachprobleme; eine grössere Gruppe sehr wohl. Die Spezialisierung und Zusammenarbeit lässt Sprachdifferenzen klar zum Vorschein kommen, wie @Dodosback schreibt: Wie in Babel hat jeder seine Aufgabe und sieht nur noch "seinen" Teil der Welt. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse rücken in den Mittelpunkt und man verliert den Blick für das "Große Ganze".

Das die Erbauer einen Turm bis in den Himmel bauen wollten, ist aber eine böse Unterstellung der Verfasser. Vielmehr kommt das Konflikt zwischen Nomaden, Ackerbauer und Städtebewohner zum Vorschein. Dieses spielt auch in der Kain-und-Abel-Geschichte eine Rolle.

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Kommentar von stefanbluemchen
04.02.2017, 22:53

Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben nicht richtig gemacht. 

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Im Bibelkommentar von Dr. John F. Walvoord findet sich zu 1. Mose 11,1-9: "11,1 eine einzige Sprache und dieselben Worte. Gott hatte den Menschen als einziges Geschöpf so gemacht, dass er mit ihm reden konnte (1,28), und daher bediente er sich der Sprachbegabung, um die Menschheit zu teilen, denn der abgefallene Gottesdienst in Babel zeigte, dass der Mensch sich in seinem Stolz gegen Gott gewandt hatte (11,8.9).

11,2 als sie nach Osten zogen. Gott hatte immer wieder befohlen, »seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde« (9,7). Dieser Bericht von diesem Ereignis findet während des Verlaufs der Ausbreitung des Menschen statt.

11,3.4 lasst uns Ziegel streichen … eine Stadt bauen und einen Turm … uns einen Namen machen. Während der Ausbreitung entschloss sich ein Teil der nachsintflutlichen Bevölkerung unter der Führung des mächtigen Nimrod (10,8-10), die Ausbreitung zu stoppen und eine Stadt zu gründen als Symbol und Zentrum ihres Stolzes und zu ihrer Ehre. Der Turm gehörte zwar mit zu ihrem Plan dazu, war aber nicht die einzige rebellierende Tat. Es war ihr Stolz, der sie dazu führte, sich Gott zu widersetzen. Sie weigerten sich, weiter zu ziehen und sich über die Erde auszubreiten, wie sie angewiesen worden waren. Nimrod und sein Volk waren sogar bemüht, gegen Gottes Gebot von 9,1 zu verstoßen und so den Rat des Himmels zu verwerfen. Sie mussten Ziegelsteine machen, da es in der Ebene wenige Steine gab.

11,4 dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Das heißt nicht, dass der Turm tatsächlich den Wohnort Gottes erreichen sollte und auch nicht, dass die Spitze den Himmel repräsentiert. Sie wollten einen hohen Turm bauen, um ihre Fähigkeiten darzustellen und ihren Ruhm zu vermehren. Mit diesem Unterfangen waren sie Gott ungehorsam und versuchten ihn seiner Ehre zu berauben.

11,6 nichts davor zurückhalten. Sie waren so vereint, dass sie alles tun würden, was sie zu tun begehrten.

11,8 zerstreute. Gott reagierte auf ihre stolze Rebellion unverzüglich. Sie hatten sich entschlossen, sesshaft zu werden; er zwang sie, sich zu zerstreuen. Aus diesem Bericht erfahren wir, wie es dazu kam, dass sich die Nationen »nach ihren Sprachen auf der Erde verteilten« (10,5) und sich »nach der Sintflut auf der Erde verteilten« (10,32).

11,9 Namen Babel. Das hat mit dem hebr. Wort zu tun, das »verwirren « bedeutet. Aus diesem Bericht lernte Israel nicht nur, woher so viele Nationen, Völker und Sprachen stammten, sondern erfuhr auch von dem rebellischen Ursprung seines Erzfeindes Babylon (vgl. 10,5.20.31). zerstreute. Weil sie nicht die Erde füllen wollten, wie Gott ihnen befohlen hatte, verwirrte Gott ihre Sprache, sodass sie sich teilen und in verschiedenen Regionen versammeln mussten, wo ihre jeweils eigene Sprache gesprochen wurde."

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Vor dem Turmbau hatten die Menschen eine Gemeinsamkeit: Gott. Der hielt sie zusammen und sorgte für sie.

Dann dachten sie aber, dass sie ihn nicht mehr brauchen, und wollten das beweisen, indem sie einen Turm bauten, der größer als Gott sein sollte, oder bis zu ihm in den Himmel reichen oder was auch immer.

Gott gefiel das nicht, und er wehrte sich. Statt aber einfach vom Himmel herabzusteigen und den Menschen zu zeigen, wie toll er wirklich war, hat er sich für die fiese Variante entschieden und die Menschen auseinandergebracht, indem er es ihnen unmöglich machte, sich zu verständigen.

(Die Geschichte stammt aus dem Alten Testament, damals war Gott noch erstaunlich "menschlich", rachsüchtig, schnell beleidigt, rücksichtslos...)

Eine etwas "modernere" Deutung legt die Geschichte so aus, dass Gesellschaften zerbrechen (können), wenn die Menschen sich zu sehr "spezialisieren".

Wie in Babel hat jeder seine Aufgabe und sieht nur noch "seinen" Teil der Welt. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse rücken in den Mittelpunkt und man verliert den Blick für das "Große Ganze"...

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Kommentar von stefanbluemchen
04.02.2017, 22:56

Lies bitte den Bibelbericht noch mal im Zusammenhang. Beachte dabei besonders die Einstellung Nimrods.

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Die Bibel erzählt von einem Volk aus dem Osten, das die eine (heilige) Sprache spricht und sich in der Ebene in einem Land namens Schinar ansiedelt. Dort will es eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel bauen. Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. Nun befürchtet er, dass ihnen nichts mehr unerreichbar sein [wird], was sie sich auch vornehmen, das heißt, dass das Volk übermütig werden könnte und vor nichts zurückschreckt, was ihm in den Sinn kommt. Gott verwirrt ihre Sprache und vertreibt sie über die ganze Erde.
Die Weiterarbeit am Turm endet gezwungenermaßen, weil die durch ein Wunder Gottes aufgetretene Sprachverwirrung die notwendige Verständigung der am Turm bauenden Menschen untereinander so gut wie unmöglich macht.Qulle:Wiki


Daraus könnte man nun folgenden Rückschluss ziehen.

Die Menschen wurden übermütig und wollten sich "gottlgleich" mit einem Turm bis in den Himmel ein Denkmal setzen. Gott strafte sie für ihre Überheblichkeit, in dem er ihnen verschiedene Sprachen gab und sie sich damit nicht mehr verständigen konnten, respektive miteinander sprechen. Die umgangsgebräuchliche Titulierung "babylonisches Sprachwirrwarr" ist ein daraus resultierende Redewendung.

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Babel = Babylon = Verwirrung
Stadt = Zivilisation = Unabhängigkeit von Gott = Gottlosigkeit

Der Turmbau als Ausdruck einer zunehmenden Unabhängigkeit
von Gott und Auflehnung gegen ihn und des Bestrebens nach Gottgleichheit und des sich einen Namen machen und Gott aus dem Leben völlig ausschließen.

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Kommentar von urikulm
04.02.2017, 21:42

Parallele zum Neuen Testament. Die Geschichte im 1. Buch Mose und das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, stehen im direkten Zusammenhang. Die Gottlosigkeit Babylons wird gerichtet Offenbarung 18,2, bevor Jesus Christus sein Reich des Friedens in Macht und Herrlichkeit aufrichtet.

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