Kann JEDER von Mobbing getroffen werden?

11 Antworten

Ja und Nein. Mobbing hat damit zu tun, inwieweit man zulässt, dass andere auf dir herumtrampeln. Ich war schon immer körperlich sehr stark, wurde aber dennoch gemobbt, bis ich auch geistig stark wurde und meine Grenzen zog. Mobbing passiert denen, die auf sich herumtrampeln lassen, das können Schöne und Hässliche sein. Die Einstellung entscheidet, man darf kein opfer sein.

Jungen mobben wie "Jungbullen auf der Weide". Die müssen sch irgendwie ihre "Hörner abstoßen".

Mädchen mobben wie "Hennen auf dem Hühnerhof". Jede Mädchengruppe hat ihre eigene "Hackordnung".

Der Mensch ist eben doch nur ein (leicht clevereres) Herdentier.

Treffen kann es wirklich jeden. Meistens trifft es Menschen, die wenig Selbstwertgefühl haben, zu den "ganz stillen Typen" gehören, wenig Selbstsicherheit ausstrahlen, verbal nicht so geschickt sind... Es hat wenig mit Intelligenz oder Dummheit, schön - hässlich, dick - dünn etc. zu tun. Mobber greifen jede beliebige "Abweichungen von der Norm" auf, weil ihre "dummen Sprüche" da ganz bestimmt auf eine Schwachstelle treffen werden. @scben hat das schon sehr gut beschrieben.

In jeder Gruppe gibt es verschiedene "Typen". Gleich und gleich gesellt sich auch gern, und dadurch bilden sich Untergruppen aus "zueinander passenden" Typen. Sie "ticken ähnlich". Unter diesen Grüppchen gibt es auch eine gewisse Hirarchie, Struktur oder ein "Kastensystem".

Da gibt es die stets angesagten Meinungsführer, die Gruppe der ruhigen Vernünftigen, die Gruppe der... und ganz unten dann die Unsicheren mit wenig Selbstwertgefühl. Je weiter oben eine Gruppe steht, desto extrovertierter sind die meisten ihrer Mitglieder, und ganz unten sind die introvertierten schüchternen, die sich nicht einmal aneinander zu binden wagen.

Mobbing fängt meistens ganz harmlos an. Es wird nämlich immer wieder einmal "ausprobiert", wer in der großen Runde wohl ein geeignetes Opfer abgeben könnte, um "ein bisschen Spaß" zu haben. Zum Mobben neigen noch am ehesten die angesagten Meinungsführer. Wer mit einem Mobbing anfängt, hat meistens auch schon einen festen Kern von "Verbündeten" um sich, die mit ihm schon in die gleiche Kerbe hauen werden.

Die "ausgeguckte" Person ist meistens jemand, der wenig oder gar keine "Verankerung" in einer der Grüppchen hat. Sie wird auch etwa so reagieren, wie es von dem/den Mobbern "vorausgesehen" wurde. Kommt keine oder nur schwache Gegenwehr, wird das Opfer nach und nach immer mehr an die Wand gemobbt.

Je weniger Gegenwehr vom Opfer kommt, desto mehr "Oberwasser" haben der/die Mobber. Zu dem Obermobber mit seiner Gang gesellen sich bald auch die Mitglieder der anderen Grüppchen, bis zuletzt alle gemeinsam ungestraft auf einer Person herumhacken.

Tragisch ist dabei, dass sogar die anderen introvertierten, unsicheren Personen der Gruppe dem Opfer nicht beizuspringen wagen. Sie sind froh, nicht selbst "ausgeguckt" worden zu sein, wollen um keinen Preis auch noch Nackenschläge abbekommen, ducken sich weg... So ein Opfer bekommt aus genau dem Grund von der gesamten Gruppe nur sehr selten "Schützenhilfe" und hat gefälligst für alle der "Prügelknabe" und "Blitzableiter" zu sein.

Jeder kennt wohl das Spielchen, ein paar größere Schüler nehmen einem Erstklässler die Mütze weg und werfen sie zwischen sich hin und her. Wie erwartet springt der Kleine nun hinter seiner Mütze her, die er auf diese Weise sicher nicht bekommen wird. Das macht den Größeren ein paar Minuten lang Spaß.

Mir ist das ja auch passiert. Aber ich hatte mir da gedacht, mit mir lass ich das nicht machen! Hab mir das angesehen, wie die da wie mit meiner Mütze herumwerfen, und dachte bloß, wie blöde ist das denn? Ich hab mir die der Reihe nach kopfschüttelnd angesehen, in die Runde einen Vogel gezeigt. Das nahm ihnen sofort den ganzen Spaß an der Sache, und ich hatte sofort meine Mütze wieder. Das Spiel machte nämlich keinen Spaß mehr, weil niemand aufgeregt zwischen ihnen herumhüpfte.

JEDER kann also für sich ENTSCHEIDEN, ob er Opfer sein will, oder eben nicht "spurt".

Ebenso gut kann JEDER für sich ENTSCHEIDEN, ob und wen er mobben will, wen er mit-mobbt oder vor den Mobbern in Schutz nimmt.

Es gibt inzwischen ganz gute Mobbing-Forschung:

  • Wenn eine gewisse Dynamik in der Gruppe da ist, kann es an Zufällen hängen, wer schießlich gemobbt wird (Einem passiert irgendwas blödes, die anderen fangen an rum zu stänkern, der dem das passiert ist hat nen schlechten Tag und reagiert noch blöder und schon verselbstständigt sich das)
  • Häufiger werden Menschen Opfer von Mobbing, die sich von den anderen irgendwie unterscheiden, meist durch Äußerlichkeiten, aber auch durch Verhalten. Das kann sowohl schöner, als auch hässlicher; dümmer, als auch intelligenter sein
  • Jungs mobben eher direkter, Mädchen eher so, dass es nur der Gemobbte mitbekommt oder subtiler, um bei anderen Mädchen besser da zu stehen (wer über jemand anders sagt, sie/er sei dumm sagt damit gleichzeitig: "ich bin schlau(er)"

Was möchtest Du wissen?