Kann ich überhaupt wissen, dass ich existiere?

11 Antworten

Der Satz des Descartes war - zu seiner Zeit - revolutionär und hat ihm die Verfolgung durch die Kirche/Inquisition eingebracht. Da ging es um Macht. Denn bis dahin beanspruchten die Oberen der Kirche, festzustellen, natürlich im Namen Gottes, was ist und was nicht ist und was nicht sein darf. Nur, das war so um 1635, als man sich in Deutschland im 30jährigen Krieg gegenseitig gemeuchelt hat, zum Schluss etwa die Hälfte der Bevölkerung abgemurkst war. Das waren etwas andere Zeiten und andere Auffassungen. Descartes wird immer nur auf diesen Satz reduziert. In Wirklichkeit hat er Entscheidendes beigetragen, die Wissenschaft aus den Zwängen der Kirche zu befreien. Der Satz des Descartes und erst recht der ähnliche des Augustinus repräsentieren die Weltsicht des damals vorherrschenden Dualismus, der Aufteilung der Welt in regierenden, regelnden Geist und dumpfe Materie.

Unser heutiger ganzer Wissenschaftsbetrieb belegt das Gegenteil. Der Dualismus ist bis auf Randerscheinungen "out". So alles dominant wie damals gibt es ihn heute nicht mehr, nicht mal in den kirchlichen Auffassungen, auch wenn sie theologisch an den Auffassungen des Thomas von Aquin im 12. JH festhalten. Aber machtsüchtige Kirchenfürsten waren schon immer rückständig. Doch kehrt man heute selbst bei Thomas die eher empirisch orientierte Seite des an Aristoteles Orientierten hervor. Wenn Du das Buch "Der Name der Rose" des Experten für Mittelalterphilosophie (die eigentlich mehr Theologie als Philosophie war) Umberto Eco liest, zu dessen Beginn vom Tod des Thomas von Aquin gesprochen wird, dann handelt dieses Buch von der Auseinandersetzung der augustinisch und neoplatonisch geprägten Scholastiker mit den aristotelisch, aquinisch geprägten Scholastikern. Das Buch ist ein Krimi in der Zeit des Umbruchs der scholastischen Philosophie des Mittelalters. Das ist noch vor Descartes.

Längst hat einer der führenden Hirnforscher Antonio R. Damasio einen modernen Gegenentwurf geschrieben mit dem Titel: Ich fühle, also bin ich. Darin wird beschrieben, wie sich nach heutiger Sicht Bewusstsein in Schichten aufbaut und danach kannst Du Descartes zu den Akten legen, was nicht heißt, dass dabei seine historischen Verdienste untergebuttert werden sollen. Wissen baut in Fehlerkorrektur immer eins auf dem anderen auf. Und die Stufe Descartes war durchaus wichtig. Darum ist in allen Bereichen, Philosophie wie Wissenschaft immer die Frage, wann wurde das geschrieben und ist es nicht längst überholt und korrigiert.

Die buddhistische Philosophie geht davon aus, dass das Ich-Bewusstsein nur eine Illusion ist: für diese Überlegung gibt es zwei Gründe

A) Zeit-DAUER gibt es nicht - da Zukunft und Vergangenheit nicht existieren können und die Gegenwart nur eine imaginäre Grenze des Übergangs ist (ohne Dauer)

B) Das Ich-Bewusstsein entsteht nur dadurch, dass unser Gehirn ständig eine Abfolge von Erlebnissen/Erinnerungen gedanklich verarbeitet. Genau genommen existieren wir immer nur für die Dauer eines Gedankens - aber dieser ist schon wieder verschwunden, wenn wir ihn wahrnehmen. Daher ist unsere Ich-Empfindung nur eine Illusion.

Dieses Beispiel zeigt: es gibt vielerlei Überlegungen in der Philosophie. Es liegt an Dir selbst zu entscheiden, was Dir gefällt und was nicht. Diese Entscheidung nimmt Dir niemand ab.

Die erste Gewissheit sagt aus, dass denken nicht bezweifelt werden kann, weil Zweifeln eine Form des Denkens ist. Auch Augustinus begründete in der Gottesstadt ein ähnliches, Argmument wie Descartes „auch wenn ich getäuscht werde, bin ich“ , jedoch führte er dies nicht bis zu einem Punkt wie Descartes aus. Die Kritik besteht hauptsächlich aus einem Einwand gegen das „ich“, der Frage nach einem begründen Nachweis darüber, dass zusammenhängende Gedanken, die nicht vom Bewusstsein entstanden oder verknüpft wurden waren, existieren können. Descartes hielt dies für nicht möglich, denn es gäbe davon ausgegangen keine Gewissheit, denn Denken definiert Einfälle zu verknüpfen. Dein Einwand geht in die Renaissance zurück, mit der auch D. zu kämpfen hatte, er wollte den Skeptizismus, den du beschriebst abschaffen. Man könnte nach dem was du sagst ebenfalls keine Erkenntnis machen, weil es keine evidente Wahrheit gibt, die wir Erlangen können.

Habe Angst langsam meinen Verstand zu verlieren

Nicht in dem Sinne das ich mit meinem Denken Unrecht habe, sondern dass der Gegenteil der Fall ist.

Ich habe mich intensiv mit René Descartes Theorie beschäftigt (Descartes'scher Dämon) Und hatte davor auch Wissen was unorthodoxer Physik entsprach und kann absolut den Spruch "Es ist Gewiß, das nichts Gewiß ist" unterstreichen oder: "Ich weiß, das ich nichts weiß" Damit ist gemeint, dass Sokrates nicht nichts weiß, sondern das in Frage stellt was er zu Wissen scheint. Jedenfalls ist es wirklich so, dass unsere Wahrnehmung uns täuscht und das alles was wir denken, fühlen, sehen usw. durch elektrische Signale durch unseren Verstand interpretiert wird. Daraus kann man logisch Schlussfolgern, dass wir in einer Scheinwelt leben, denn alles was wir sehen existiert in Wirklichkeit nicht, denn die Materie ist nur eine Illusion.

Wie dem auch sei, der Spruch "Es ist Gewiß, das nichts Gewiß ist" bildet mit der Erkenntnis, dass die Materie eine Illusion ist eine Einheit. Auf gut Deutsch heißt das nichts anderes das alles falsch ist was wir wahrnehmen und es zu Lebzeiten niemals möglich sein wird "Die Wahrheit" zu sehen, erkennen etc. Außerdem bedeutet das zwangsläufig nicht das andere "Wahrheiten" ausgeschlossen werden, nur das ALLES materielle falsch ist und man sich mehr der Forschung nicht physischer Phänomene widmen sollte.

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Ist es gerechtfertigt Gewalt anzudrohen, um Gerechtigkeit zu erreichen?

Hallo, ich hätte gerne eure Meinung dazu gewusst, da ich meine Präsentationsprüfung darüber halte und am Anfang gerne erwähnen würde, was andere Leute so darüber denken.

Und hätte jemand noch eine Idee, wie man dieses Thema am besten gliedern könnte? Meine Gliederung lautet gerade:

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  • Haltung christlichen Glaubens und der Kirche gegenüber Gewaltandrohung
  • Bsp der Todesstrafe in den USA
  • Fazit

bin mir damit aber immer noch nicht zu 100% sicher, da ich den Zusammenhang mit den Gerechtigkeitstheorien nicht so ganz verstehe.

Kann mir das jemand weiterhelfen? Wäre super nett. Danke schon mal im Voraus!

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Ist die Zeit und das Ich wirklich eine Illusion?

Natürlich brauchen wir die "Illusion"? der Zeit um unseren Alltag zu erledigen, Termine einzuhalten etc. Aber läßt man mal die Uhren weg: Der Philosoph McTaggart sagt: "Man kann Zeit nicht erklären, ohne Zeit vorauszusetzen." Buddha und einige Philosophen berichteten das die Zeit und das Ich eine Illusion sind. Albert Einstein sagte: "Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige."

Auch Zen-Meister berichten von ähnlichen Erkenntnissen. Sie erzählen, wie sich im jetzigen Moment die Zeit auflöst. Ein Zen-Meister (Seppo) erklärte diese Einsicht so: "Wenn du wissen willst, was Ewigkeit bedeutet – sie ist nichts weiter als eben dieser Moment. Wenn du sie nicht in diesem gegenwärtigen Moment erfassen kannst, wirst du sie nie erhaschen." Das Jetzt ist das Einzige, was wirklich existiert. Zukunft und Vergangenheit existieren nur in unseren Gedanken, Plänen und Erinnerungen. Es verschwindet damit auch "unsere persönliche Geschichte" und die "Zukunftspläne" von denen wir glauben das sie unser Ich definieren. Stoppt man das Denken (z.B. mit geübter Meditation) verschwindet Vergangenheit und Zukunft und man bekommt ein Gefühl von ewiger Gegenwart, ewigem Fluß - nur durch unsere Gedanken unterbrochen. Und tatsächlich es fühlt sich an wie "Es ist immer Jetzt!" (Eckhart Tolle)

Wie steht Ihr dazu?

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Wie erlangen wir nach Descartes die Wahre Erkenntnis über die Welt?

Bitte, einfach und verständlich erklären. : ) Danke

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Was spricht gegen DEMOKRATIE?

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Zu diskutieren wäre für mich beispielsweise die Technokratie, eine widerbelebte Aristokratie oder auch zB. eine Herrschaft der Philosophen-Könige, wie nach Platon.

Aber ich bin mir auch sicher, dass es unterschiedlichste Konzepte von der politischen Gegenseite gibt, die einen Gedanken wert wären!

Achtung: Auch wenn man aus dem Stegreif vielleicht daran denken mag, dass ein Antidemokrat gleichzeitig Totalitäre Strukturen, wie eine Diktatur (Volksgemeinschaft, Klassenlose Gesellschaft) befürworten muss, trifft das zB. nicht auf meine Person zu. Daher verzichtet bitte auf derartige Anschuldigungen!

Ich danke für jede konstruktive Antwort!

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