Kann ich ohne deutschen Pass deutscher sein?

8 Antworten

Warum ist die Staatsangehörigkeit so wichtig? Nun, wenn man an den Wahlen teilnehmen möchte, um wenigstens das Gefühl zu haben, auch in Deutschland einen kleinen Einfluss auf die Politik zu haben, dann ist ein deutscher Pass wichtig.

Was habe ich gerade Montag gelesen?

[...] zunehmende Binnendifferenzierung moderner Gesellschaften nach Regionen, nach generationen, nach Professionen und Konfessionen, nach Lebensstilen und nach "Milieus". [...] sie [die Person, Anm. von mir] kann in erheblichem Maße selbst bestimmen, mit welchem dieser Bezugssysteme sie sich stärker identifiziert. [...] Je nachdem, welchem dieser kulturellen Bezugssysteme - in der Regel sind es mehrere - sich eine Person zuordnet, wird ihre kulturelle Identität komplex sein, kann also nicht mehr eindimensioal der im Reisepaß angegebenen Nationalität zugeordnet werden. (Flechsig: Methoden interkulturellen Trainings)

Eine Staatsangehörigkeit oder ein Nationalstolz kann einen Teil der kulturellen Identität ausmachen, muss es aber nicht. Eine "Nation" ist konnotiert - damit kann mensch sich identifizieren oder nicht.

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@LolleFee

Hab mir den Text mittlerweile jetzt schon des Öfteren durchgelesen. Aber irgendwie weiß ich beim besten Willen nicht, was du mir mit deinem Kommentar nun sagen möchtest. Wäre schön, wenn du dich ein wenig verständlicher Ausdrücken würdest.

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Weil der Mensch pimitiv ist.

Seit dem die Menschheit aufgehört hat als Nomade zu leben, hortet er Besitz. Der Nachteil von Besitz ist, dass man diesen Pflegen und ggf. auch gegen Neider, Diebe, Räuber, usw. verteidigt. Das gelingt besser, wenn man sich in Gruppen zusammenschließt. Waren dies Anfangs nur Dörfer, so wurden im Laufe der Zeit daraus Städte, ... und irgendwann eben Nationen. Soweit hat das noch nichts mit primitiv zu tun, sondern mit Evolution.

Das Primitive am Menschen ist, dass er irgendwann angefangen hat, sich selbst über seinen Besitz und in der Folge auch über seine Nationalzugehörigkeit zu definieren. Damit hat er seine Fähigkeit eingebüßt, sich als Individuum zu betrachten, sondern sich nur als (meißt unbedeutender) Teil eines Ganzen zu verstehen, obwohl er eigentlich immer noch ein Individuum ist. Darum ist für viele Menschen die Staatsangehörigkeit so wichtig.

Natürlich gibt es daneben auch ganz praktische Gründe. So kann man, je nach individueller Lebenssituation, durchaus mehr Vorteile erlangen, wenn man einem Staat angehört, welcher diese Vorteile garantiert.

Du kannst es aber mit deinem Zugehörigkeitsgefühl so handhaben, wie Fussballfans (z. B. FC Bayern-Fans die keine Münchner sind) oder auch viele andere Deutsche, die sich den USA oder Russland näher fühlen als Deutschland.

Staatsbürgerschaft ist doch nur wie die Ehe, offiziell auf einem Blatt Papier. An deinem Heimatempfinden und deinem Geburtsort wird das nichts ändern.

DH.

Besser gehts nicht!!!

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