Kann ich nach der Oberstufe flüssig Französisch sprechen?

10 Antworten

Hey :),

also viele haben deine Frage hier ganz klar verneint. Ich nenne dir mal ein Gegenbeispiel:

In die Parallelklasse geht ein Mädchen, dass in der 6. Klasse mit Latein angefangen hat und auch jetzt noch bis zum Abi belegt- sie hat eigentlich konstant nur 1er. In der 8. Klasse hat sie dann mit Franzöisch angefangen und dort ebenfalls eigentlich nur 1er geschrieben. Irgendwo in dem Zeitraum hat sie dann im privaten Maße auch noch angefangen Koreanisch zu lernen. In der Oberstufe hat sie dann noch mit Dänisch angefangen, ebenfalls konstant im 1er Bereich,

Sie ist ziemlich sprachenbegabt und allgemein relativ Leistungsstark, weshalb sie auch einige Wochen (waren wohl so ca. 2-3 Monate) in der Einführungsphase der Oberstufe in Frankreich war. Sie hatte zu Beginn dort auch einige Schwierigkeiten, aber nach kurzer Zeit war es ihr möglich z.B. dem Unterricht zu folgen und auch Klausuren mitzuschreiben und Freundschaften zu schließen... Sie berichtigt mittlerweile regelmäßig ihre Französichlehrerin und im Rahmen des Erasmus- Projektes hatten wir auch einige Franzosen an der Schule, mit denen sie sich ohne Probleme unterhalten hat...

Klar, sie wird jetzt nicht unbedingt über Kants Kritik der reinen Vernunft auf Französisch flüssig diskutieren können, aber ganz normale alltäglich Gespräche funktionieren doch sehr flüssig.

Sie hat Spaß sich mit Sprachen auseinanderzusetzen und macht dies auch gerne. Wenn du dich nicht selbstständig weit über den schulischen Rahmen mit der französischen Sprache beschäftigst, wird das sicher nichts mit dem flüssigen Sprechen, aber unmöglich ist es eben auch nicht. 

Viel Glück und Spaß in der Oberstufe ;)!

Hi,

das Problem ist, dass das gesprochene Französisch im Land doch eine andere Nummer ist als die Sprache unter Schulbedingungen zu benutzen.

Das was du im Urlaub erlebt hast ist völlig normal, da brauchst du dir keine Gedanken machen!

In der Oberstufe hatte ich Französisch Leistungskurs und ich bin später nach meinem Studium in Deutschland nach Frankreich gegangen.

Ich hatte noch gute Grammatik Kenntnisse, und meine Vobabelkenntnisse hatte ich während meines Studiums aufrechterhalten bzw. noch etwas erweitern können.

Trotzdem hatte ich im ersten Jahr in Frankreich nicht viel verstanden, wenn die Leute geredet haben, und im Sprechen war ich auch nicht besonders gut. Im Kino habe ich kaum verstanden, was im Film gesprochen wurde. Die reden total schnell. Witze, Pointen, Wortspiele, Konflikte (Schimpfen, Fluchen, anschreien, motzen) war nada, ich nix comprendre.

Den ersten Roman in französischer Sprache habe ich nach wenigen Seiten wieder weggelegt, da ich zu viele Vokabeln nachschauen musste und mir deswegen das Lesen zu mühsam war.

Ich konnte kommunizieren, mich mitteilen, einkaufen und hatte die erste Zeit einen "Ausländerbonus", d.h. die Franzosen haben auf mich Rücksicht genommen, langsamer gesprochen und mir Vokabeln erklärt.

Diese "Schonzeit"  fand ich angenehm, aber die war irgendwann vorbei, als meine Aussprache besser war. Die Leute dachten dann, dass ich gut sprechen kann und alles verstehe, was aber nicht der Fall war. Dann wurde es nochmal anstrengend.

Nach einen Jahr ging es dann. Den Roman habe ich nach einem Jahr wieder aufgenommen und ohne große Mühe zuende gelesen. Das war für mich großes Erfolgserlebnis. Ich musste zwar immer noch Vobabeln nachschauen, aber nicht mehr 10 bis 15 pro Seite, sondern 2 bis 5. Und wenn ich dazu zu faul war, konnte ich mir die Bedeutung meist zusammenreimen.

Nach zwei Jahren war es gut. Ich sprach gut und verstand so gut wie alles im Kino. Lesen auf Französisch war keine Mühe mehr.

Ich habe mehrere Jahre lang ein dickes Vobabelheft mit mir geführt und neue Wörter, die mir am Tag begegneten, reingeschrieben und sie am Abend nachgeschlagen und versucht mir sie zu merken.

Ich habe auch Ausdrücke, Redewendungen, Argot und diverse Wortspiele reingeschrieben, Höflichkeitsformeln, Flüche, Beleidigungen usw.

Die Mühe hat sich gelohnt. Wenn man die Sprache irgendwann richtig gut kann und immer mehr Feinheiten versteht und sie auch selbst verwenden kann, macht das total viel Spaß.

So war mein Lernprozess. Jetzt kannst du dir vielleicht besser vorstellen, wie du Ende 10. Klasse als Kenntnis und Fähigkeit einordnen kannst.

Grüße

Deine Frage ist sehr gut - und es bricht mir das Herz, dir sagen zu müssen: NEIN - du wirst nach Schulabschluss nicht flüssig sprechen können. 

Einen korrekten Satz auf Französisch bauen, erfordert zuallererst, dass du ihn schon mal fertig im Kopf hast - satzbaumäßig und so - und dann fix die Substantive checkst, ob maskulin oder feminin oder Plural: dann nur männl. Beteiligte oder gemischt oder nur weibliche - davon hängt die Koordination der Adjektive ab - Verb dazu, Objekt(e) - und schon ist der Satz fertig. Zu Anfang bricht einem da erstmal der kalte Schweiß aus, denn alles dauert so elend  lang. Aber das legt sich - bei mir ging es immerhin nach ein paar Monaten besser, besonders nach einem Essen mit Freunden (inkl. Apéritif, verschiedenen Weinen pro Gang, Digestif und einem Pousse-café) wurden Blockaden per Promille gelöst und alles ging flüssiger. 

Noch schlimmer als die ungeübte eigene Rede ist das Verstehen vor allem der Sprechmelodie, die von Gegend zu Gegend anders ist, und von Fragen und Antworten, die an dich gerichtet werden. Dann je nach Kontext die Wortwahl, ganz wichtig. 
Da bist du nur noch am Sortieren! ich habe oft dazwischen gefragt, wie man das und das Wort wohl schreibt, und es mir buchstabieren lassen, um die Bedeutung über die Schreibung zu erschließen (da helfen dann auch Lateinkenntnisse weiter!).

Auf dem Wochenmarkt musste ich mich auch durchbeißen - so habe ich improvisiert: beim Anblick von Nektarinen, die ich damals zum erstenmal sah, fragte ich nach 'pêches rasées' und hatte unglaublicihen Erfolg bei den Händlern, die sich bogen - aaaaber sie hatten verstanden, was ich wollte!
 Ich weiß nicht, wie weit mein Ausländer-Bonus reichte - aber er reichte definitiv nicht bzw. er existierte gar nicht, als ich nach einem halben Jahr ein neues Domizil suchte und an einer Adresse im 3. STOCK an der Tür klingelte. Statt aufzumachen, fragte jemand hinter der Tür argwöhnisch, was ich denn wolle - und dann ich mit meinem grauenhaften deutschen Akzent nach dem Zimmer fragte - ja, und das wars dann schon (es sei schon vergeben).    - Damals gab es noch sehr viele Franzosen, für die die schlechten Erfahrungen mit den Deutschen ausschlaggebend waren: sie hätten nie ein Zimmer an eine Deutsche vermietet. Ja, so habe ich es noch erlebt, 1970.

Nach einem Jahr habe ich dann flüssiger gesprochen - und nach fünf Jahren wollte ich gar nicht mehr weg und habe noch lange danach, als ich schon wieder in D war, auf Französisch geträumt und reagiert (z.B. wenn etwas runtergefallen war: 'zut'; oder beim Fahren im Straßenverkehr: 'Espèce d'imbécile ... ' oder Schlimmeres. Wenn du mich jetzt aus dem Tiefschlaf weckst und mich auf Frz. ansprichst, reagiere ich immer noch so. 

Aber der Anfang, bis diese Übung da war, war echt mühsam. Trotzdem würde ich es nie missen wollen - man muss sich manchmal etwas quälen, um denn die Höhen zu erleben. (PER ASPERA AD ASTRAM): 

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