Kann ich mit einer Kündigung mit Frist in meiner Ausbildung kündigen?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Hallo MiDoChan,

grundsätzlich hat dein Arbeitgeber Recht:

"Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden von Auszubildenden mit einer Frist von vier Wochen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen." § 22 Abs. 2 Nr. 2 BBIG (Berufsbildungsgesetz)

Fristlos kündigen kannst du nur "aus wichtigem Grund". Mobbing kann durchaus ein wichtiger Grund sein, jedoch brauchst du dafür Beweise (also idealerweise Zeugen, ansonsten eine ausführliche Liste mit sämtlichen Vorfällen) und

  • du musst vorher deinen Arbeitgeber unter Angabe des "Wann, Wo, Wer, Was, Zeugen" abmahnen.
  • Der Abmahnungsgrund, also der Mobbing-Vorfall, darf nicht länger als zwei Wochen zurückliegen.
  • Im Abmahnungsschreiben musst du ankündigen, dass du im Falle einer vergleichbaren Wiederholung außerordentlich (also fristlos) kündigen wirst.

Wenn es dann zu einer Wiederholung kommt, ist das ein wichtiger Grund und es kommt § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBIG zum tragen: "Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden aus wichtigem Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist."

Deshalb wäre mein Rat an dich folgender: Du setzt dich jetzt hin und schreibst eine Abmahnung an deinen Chef, in etwa so:

"Ort, Datum

Sehr geehrter Herr xxx,

am 13. Juni (oder später) um ca. (Uhrzeit) Uhr hat in meinem Büro (oder wo es passiert ist) Kollege xxx mich mit den Worten: "(hier die Frechheit)" (oder auch Verhalten) persönlich verletzt. Dieser Sachverhalt kann von dem/den Kollegen (Namen) bestätigt werden, der/die bei dem Vorfall anwesend war/waren.

Durch dieses Verhalten und/oder diese Äußerung fühle ich mich in meiner Ehre verletzt (bei mehreren Zeugen: wobei erschwerend hinzukommt, dass dieses Verhalten in Anwesenheit mehrerer Mitarbeiter erfolgt ist).

Dies war leider nicht der erste Vorfall dieser Art.

Ich fordere Sie hiermit auf, den/ die Kollegen darauf aufmerksam zu machen, dass er/sie künftig ehrverletzende Äußerungen und/oder ehrverletzendes Verhalten gegen mich zu unterlassen hat/haben und mir gegenüber einen kollegialen Umgang pflegen soll/sollen.

Sollte sich ein solcher Vorfall wiederholen, werde ich das Ausbildungsverhältnis ohne weitere Ankündigung fristlos kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

(Deine Unterschrift)"

Das gibst du deinem Chef vor Zeugen. Der/ die Zeugen müssen wissen, was du deinem Chef übergibst. Du brauchst immer Beweise!

Alternativ könntest du das Schreiben auch per Einschreiben mit Rückschein per Post schicken. Es muss aber auf jeden Fall innerhalb der zwei-Wochen-Frist nach dem Vorfall ankommen!

Wenn dein Chef das hat, und es dann zu einer einzigen weiteren Verfehlung kommt, kannst du sofort bzw. innerhalb der kommenden 2 Wochen seit dem Vorfall (§22 Abs. 4 Satz 2 BBiG) den Laden verlassen.

Die fristlose Kündigung muss dann schriftlich erfolgen.

Wenn es dann bis Ende Juli nicht zu einem weiteren solchen Vorfall kommt, kannst du zur Not immer noch "einfach so" am 29.07. bzw. 30.07. fristlos kündigen. In diesem Fall hätte dein Arbeitgeber die Möglichkeit, vor dem Arbeitsgericht Schadensersatz zu verlangen - aber dafür müsste er erstmal vor das Arbeitsgericht ziehen, und dazu hat er nur drei Monate Zeit (§ 23 Abs. 2 BBiG). Inwiefern er Schadensersatz geltend machen könnte, weiß ich nicht.

Wenn du noch Fragen hast, versuche ich gerne, sie zu beantworten.

Liebe Grüße

Anita

P.S. Ich bin keine Rechtsanwältin, daher kann ich die Richtigkeit meiner Angaben nicht gewährleisten.






Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?