Kann ich meine Anzeige einfach so zurück nehmen?

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4 Antworten

Hallo Stella270,

zunächst einmal was die Zurücknahme der Anzeige angeht.

Nein eine Anzeige kann man nie zurücknehmen.

Was man zurücknehmen kann ist ein Strafantrag, der im Fall Deiner Frage nicht gestellt wurde, weil es sich um kein Antragsdelikt handelt, was ihm zur Last gelegt wird.

Eine Anzeige ist im übrigen nichts weiter, als dass man die Polizei darüber in Kenntnis setzt,

  • dass eine strafbare Handlung stattgefunden hat oder
  • dass man zumindest den Verdacht hat, dass eine strafbare Handlung stattgefunden

Sobald die Polizei erst einmal Kenntnis von einer Straftat hat, ist sie verpflichtet ein Strafverfahren gegen den Beschuldigten einzuleiten und ihre Ermittlungen diesbezüglich durchzuführen.

Im Fall Deiner Frage, wird ihm sicherlich der Straftatbestande des folgenden Gesetzes zur Last gelegt:

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§ 177 StGB - Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person

  1. mit Gewalt,
  2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
  3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

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Deiner Schilderung kann man entnehmen, dass er nicht nur eine Lage ausgenutzt hat, in der Du ihm schutzlos ausgeliefert warst, sondern er hat Dich ja auch noch erst durch das ständige Ausgeben der Getränke in die Lage gebracht.

Die Frage ist jetzt nur, ob er Dich zu den sexuellen Handlungen, sprich den Oralverkehr genötigt hat oder ob Du den Oralverkehr freiwillig durchgeführt hast.

Das müssen dann aber die weiteren Ermittlungen ergeben. Zu den Ermittlungen gehört auch, dass

  • Du noch einmal als Zeugin und zugleich Geschädigte zur Vernehmung vorgeladen wirst und
  • dass die Frau, die offensichtlich die Polizei informiert hat, noch einmal zur Vernehmung vorgeladen wird und
  • dass dem Beschuldigten die Möglichkeit gegeben wird sich zum Tatvorwurf zu äußern

Wenn Du wider besseren Wissens der Polizei gegenüber aussagst, erfüllt das gleich zwei Straftatbestände:

  1. gem. § 145d StGB Vortäuschen einer Straftat (https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/\_\_145d.html)
  2. gem. § 164 StGB - Falsche Verdächtigung (https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/\_\_164.html )

An dem Abend, als das Ganze passierte und Du von der Polizei vernommen wurdest, standst Du unter starken Alkoholeinfluss und ob Du da Deine Aussage wieder besseren Wissens getätigt hast oder da wirklich der Meinung warst, dass er Dich zur dieser Handlung genötigt hat, ist fraglich.

Aber wenn Du Dir jetzt im Nachhinein nicht sicher bist, ob Deine Aussage unter Alkoholeinfluss korrekt war, würde ich das auf jeden Fall der Polizei mitteilen.

Vor allem muss Dir klar, dass er im Falle einer Verurteilung mit einer Knallharten Strafe rechnen muss. Ihm wird ein Verbrechen zur Last gelegt. Das heißt, die Mindeststrafe beträgt ein Jahr, darunter geht's nicht, aber sehr wohl weit darüber. 

Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass er für die Tat in das Gefängnis muss.

Ich würde dementsprechend auf jeden Fall, der Polizei mitteilen, dass Du Dir inzwischen nicht mehr so sicher bist, dass er Dich zu sexuellen Handlungen genötigt hat oder ob Du nicht vielleicht doch freiwillig mitgemacht hast.

Solltest Du später vor Gericht an der Falschaussage festhalten, droht dir wenn das rauskommt zusätzlich ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Aber im Moment bin ich nicht in der Lage zu beurteilen, ob du die Tat nur erfunden hast oder ob Du Dir nur nicht sicher bist, ob er die Tat wirklich so wie in Deiner erstens Aussage begangen hat.

Im großen und Ganzen hört sich Deine Ausführung nämlich eher danach an, als wenn er Dir die Getränke nur ausgegeben hat um Dich abzufüllen und somit Gefügig zu machen und dass er den Straftatbestand wirklich so wie vorgeworfen erfüllt hat.

Also kur gefast auf Deine Frage:

 was soll ich tun?

Ich würde an Deiner Stelle zur Polizei gehen und dort noch einmal nach besten Wissen und Gewissen angeben, wodran Du Dich an dem Abend wirklich erinnern kannst. Dabei kannst Du natürlich durchaus die Vermutung aufstellen, dass er deinen Zustand der Trunkenheit ausgenutzt hat um Dich zu der Handlung zu nötigen. Dabei solltest Du aber ganz klar da drauf hinweisen, dass es sich nur um eine Vermutung handelt, Du Dich aber aufgrund der damaligen Alkoholisierung nicht mehr genau erinnern kannst.

Schöne Grüße
TheGrow

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Kommentar von Stella270
12.05.2016, 03:03

Dankeschön erstmal für die Tolle Antwort.
Als die Polizei meine Aussage aufnahm und alles, sind sie gegangen und um Mitternacht wieder gekommen da sie vergessen hatten einen Alkoholtest zu machen. Ich hatte 0,0 Promille was auch klar ist da der Test nach 24 Stunden gemacht wurde..
Wenn ich zur Polizei gehe und ihnen die Wahrheit sage wie es wirklich war und an was ich mich alles noch erinnere, werde ich Ärger bekommen? Ich meine, sie haben mir noch erläutert falls ich falsch aussage, würde es auch mich strafbar machen und das habe ich.. Ich möchte mich nicht rausreden, aber ich wusste in dem Moment nicht was ich sagen sollte, jeder dachte ich wurde vergewaltigt.. Ich habe wirklich Angst die Wahrheit zu sagen.. und wie die Polizei darauf reagiert.. Aber andererseits wäre die Strafe (falls ich eine bekomme?) schlimmer wenn ich es so lasse..

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Eine Strafanzeige kannst du nicht einfach wieder zurückziehen. Du hast jetzt mit deiner "Falschaussage", sofern denn tatsächlich nichts passiert ist etwas ins rollen gebracht, was du selber nicht mehr einfach so stoppen kannst! 

ABER, der Oralverkehr wäre, egal ob du es gewollt oder nicht gewollt hast schon eine sexuelle Nötigung, da der Typ ausgenutzt hat, dass du stark alkoholisiert warst. 

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Kommentar von Stella270
11.05.2016, 23:11

Was soll ich denn jetzt tun.. auch wenn er das ausgenutzt hat, könnte es sein das er nun zu unrecht bestraft wird sofern die Wahrheit nicht rauskommt.. Meine Aussage war nicht richtig, ich habe von Oralsex nichts gesagt..
Ich weiß nicht was ich tun soll..

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Die Polizei wird sicher fragen warum du plötzlich nicht mehr vergewaltigt worden sein willst.

Ich denke du hast es wohl freiwillig gemacht und solltest nicht jemand einen solchen Verdacht ausetzen wenn du dir nicht sicher bist. Nur weil man sich hinterher mies fühlt heißt das nicht das man Vergewaltigt wurde.

Klingt zwar jetzt hart aber du kannst ein ganzes Leben mit so einer falschen Anzeige zerstören.

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Kannst du leider nicht einfach so zurücknehmen, da an Straftaten dieser Art sogenanntes öffentliches Interesse besteht. Da wird aufjedenfall ermittelt.

Ist doch alles okay... ? Du hattest Oralsex an den du dich nicht erinnern kannst. Das heisst, dass der Kerl genau wusste, wie breit du bist. Er hat es schamlos ausgenutzt. Ist meiner Meinung nach genauso dreckig wie eine Vergewaltigung. Also hab kein schlechtes Gewissen.

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Kommentar von Stella270
11.05.2016, 23:15

Sollte es sein das ich nicht gesagt habe das ich das nicht möchte, wird dieser Mann für erwas bestraft was er nicht getan hat.. Und dazu kommt noch, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe & Oralsex nicht einmal erwähnte.. Ich fühle mich mies & dreckig & natürlich habe ich irgendwo ein schlechtes Gewissen und ein schlechtes Gefühl bei dieser Sache....

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