Kann er mich vorzeitig wegen Krankheit kündigen?

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11 Antworten

Es ist zwischen ordentlichen und außerordentlichen Kündigungen zu unterscheiden. Für befristete Arbeitsverträge - wir müssen hier mangels anderer Anhaltspunkte unterstellen, dass die Befristung auch zulässig ist - gelten die Spezialregelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG), nachrangig das BGB, unter Umständen auch das Kündigungsschutzgesetz.

Eine ordentliche Kündigung - also eine Kündigung, wie sie unter normalen Umständen ausgesprochen werden kann - ist normalerweise bei befristeten Arbeitsverhältnissen nicht möglich; § 15 Absatz 1 TzBfG; allerdings kann im Arbeitsvertrag oder auch in einem anwendbaren Tarifvertrag etwas anderes vereinbart sein (§ 15 Absatz 3 TzBfG):

http://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__15.html

Eine außerordentliche Kündigung ist für besondere Umstände vorgesehen, die das Arbeitsverhältnis so stören, dass an ihm nicht festgehalten werden kann. Das BGB drückt es in § 626 so aus:

[...] wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__626.html).

Es gibt bei befristeten oder sonst nicht ordentlich kündbaren Arbeitsverhältnissen auch eine außerordentliche Kündigung mit Frist für die Fälle, in denen eine fristlose Kündigung unverhältnusmäßig wäre, eine befristete aber nicht.

Auf jeden Fall muss aber folglich für eine außerordentliche Kündigung - ob befristet oder nicht - ein Kündigungsgrund vorhanden sein. Wie man sich denken kann, gibt es hierzu eine Fülle an Rechtsprechung, die drei Fallgruppen gebildet hat, zwei davon sind die personenbezogene und die verhaltensbezogene Kündigung (die betriebsbedingte Kündigung spielt hier keine Rolle). Grob gesagt handelt es sich bei personenbezogenen Kündigungen um Umstände, die zwar mit dem Arbeitnehmer zu tun haben, die er aber nicht ändern kann. Verhaltensbedingte Kündigungsgründe beruhen auf dem von ihm steuerbaren eigenen Verhalten.

Krankheit ist normalerweise personen- und nicht verhaltensbezogen. Sie kann einen Kündigungsgrund darstellen bei häufigen Kurzerkrankungen oder länger dauernden Erkrankungen ohne günstige Prognose. Die "untere Schallmauer" ist dabei normalerweise 6 Wochen pro Jahr. Bei zwei Monaten gerät man also durchaus in den "kritischen Bereich", wobei dabei auch noch Gesichtspunkte wie die wirtschaftliche Belastung des Arbeitgebers durch die Krankheit im Einzelfall eine Rolle spielen.

Im Zusammenhang mit Krankheiten gibt es aber häufig Anlass zu verhaltensbedingten Kündigungen. Eine "Krankschreibung" enthält nämlich eine ärztliche Aussage über die voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit. Sie ist kein "Urlaubsschein" für den angegebenen Zeitraum. Bringt ein Arbeitnehmer - etwa kurz vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses - mit dem Verhalten nach einer "Krankschreibung" zum Ausdruck, dass er den Rest der Zeit auf jeden Fall "krankfeiern" wird, ist dies eine vorzeitige endgültige Lösung vom Arbeitsverhältnis und damit eine endgültige Arbeitsverweigerung. Die Nichtarbeit beruht damit auch nicht auf der Krankheit, so dass die Entgeltfortzahlung entfallen kann! Und Arbeitsverweigerung stellt einen verhaltensbezogenen Grund zur fristlosen außerordentlichen Kündigung dar. Schädlich für das Arbeitsverhältnis sind also z.B. vor / während einer Krankheit am Ende des Arbeitsverhältnisses:

  • Schlüssel schon mal abgeben, Büro oder Spind ausräumen.
  • Ausstand feiern.
  • Äußern, weshalb man für den Arbeitgeber eigentlich sowieso nicht mehr arbeiten wird und dies für die restliche Zeit unzumutbar ist.
  • Sagen, dass man sowieso nicht mehr wiederkommt.

Dies gilt vielleicht nicht vor einer geplanten OP mit festgelegter Rekonvaleszenzzeit, ansonsten durchaus. Dass Social Media-Fotos, die einen z.B. beim Snowboarden zeigen, nicht gerade hilfreich sind, dürfte auch einleuchten.

Auch sonst kann das Verhalten im Zusammenhang mit Krankheiten - teils aber erst nach Abmahnung - Anlass zur Kündigung geben:

  • Ohne schuldhaftes Zögern bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit muss man diese und die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber mitteilen. Ist man sprechfähig und besitzt ein Telefon, bedeutet "unverzüglich" hier: Sofort! Allein die "Krankmeldung" und das spätere Übersenden der "Krankschreibung", auf der dann das voraussichtliche Ende der Krankheit steht, genügt nach der gesetzlichen Regelung und auch den meisten Arbeitsverträgen nicht (§ 5 Absatz 1 Satz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz - https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__5.html). Die Mitteilung der Arbeitsunfähigkeit und der Dauer einerseits und die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung andererseits sind zwei getrennte Pflichten, die getrennt zu erfüllen sind. Das eine ersetzt das andere nicht. Kommt man vom Arzt und hat die Bescheinigung in der Hand, sollte man sofort telefonisch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit mitteilen und nicht erst warten, bis die Papierform beim Arbeitgeber landet.
  • Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist penibel innerhalb der vom Arbeitsvertrag vorgegebenen Fristen zu übermitteln. Steht nichts im Arbeitsvertrag, und hat der Arbeitgeber nicht einseitig etwas anderes geregelt (das darf er), gilt nach § 5 Absatz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz: Spätestens am Tag nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit (Wochenenden sind bei der Dauer der Arbeitsunfähigkeit eingerechnet) muss die Bescheinigung dem Arbeitgeber vorliegen (es sei denn, man liegt im Koma oder ähnliches). Schafft man das nicht, muss man schon sehr plausibel darlegen können, wieso es nicht ging, die Bescheinigung also unverschuldet (also trotz Aufbietens gebotener Sorgfalt) nicht rechtzeitig dem Arbeitgeber vorlag.

Auch wenn viele die Erfahrung gemacht haben mögen, dass manche Arbeitgeber dies nicht so eng sehen, sollte man diese Regeln penibel beherzigen, wenn man ohnehin auf der "Abschussliste" steht.

Zuletzt: Spätestens drei Monate, bevor ein befristeter Arbeitsvertrag abläuft, muss man der Arbeitsagentur Bescheid sagen.

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Hallo.

Nach der Recht­spre­chung müssen die fol­gen­den drei Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, da­mit ei­ne krank­heits­be­ding­te Kündi­gung wirk­sam ist (fehlt auch nur ei­ne die­ser Vor­aus­set­zun­gen, ist die Kündi­gung un­wirk­sam):

  1. Es müssen zum Zeit­punkt der Kündi­gung Tat­sa­chen vor­lie­gen, die die Pro­gno­se wei­te­rer Er­kran­kun­gen des Ar­beit­neh­mers in dem bis­he­ri­gen Um­fang recht­fer­ti­gen. Die­se Vor­aus­set­zung heißt "ne­ga­ti­ve Ge­sund­heits­pro­gno­se".
  2. Es muß fest­ste­hen, daß die zu er­war­ten­den Fehl­zei­ten des Ar­beit­neh­mers zu ei­ner er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gung der be­trieb­li­chen oder wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers führen. Ei­ne sol­che In­ter­es­sen­be­ein­träch­ti­gung liegt vor al­lem dann vor, wenn es auf­grund der Fehl­zei­ten des Ar­beit­neh­mers zu Störun­gen des Be­triebs­ab­laufs oder zu er­heb­li­chen Be­las­tun­gen des Ar­beit­ge­bers mit Lohn­fort­zah­lungs­kos­ten kommt.
  3. Sch­ließlich muß ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Sie muß zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers aus­ge­hen, d.h. sie muß er­ge­ben, daß ihm bei ei­ner um­fas­sen­den Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen un­ter Berück­sich­ti­gung der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses, der Krank­heits­ur­sa­chen, der Fehl­zei­ten ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer und des Le­bens­al­ter des Ar­beit­neh­mers die oben fest­ge­stell­te Be­ein­träch­ti­gung sei­ner In­ter­es­sen (sie­he Punkt 2.) nicht mehr wei­ter zu­ge­mu­tet wer­den kann.

Wie ge­sagt müssen die­se drei Vor­aus­set­zun­gen al­le­samt vor­lie­gen. Fehlt auch nur ei­ne, ist die Kündi­gung un­wirk­sam.

Quelle Zitat: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbedingt.html#tocitem3

Dort würdest du auch weitere Informationen zum Kündigungsschutz finden und auch, welche Sonderfälle es gibt.

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Ähm.. lese ich da wirklich "krank feiern"? Das ließe aber stark an Dir zweifeln.

Wegen eines solchen Vertrauensbruchs könntest Du sehr wohl gefeuertw erden. Ansonsten läuft der Vertrag entweder einfach aus. Oder wenn eine K-Frist genannt wurde, dann wird passend mit Frist gekündigt.

Wenn Du wirklich krank bist und Dich mit AU und Meldung korrekt verhältst, kannst Du wegen krank nicht so leicht gekündigt werden (entgegen landläufiger Meinung kann man durchaus in und auchw eil krank gekündigt werden).

Verhältst Du Dich da korrekt, sollte alles passen. Aber so wie Du schreibst, schwebt Dir was ganz anderes vor.

Und dann wäre vorzeitige Kündigung eben durchaus gerechtfertigt.

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Du schreibst kann ich die restlichen zwei Monate Krank feiern ?

Das wäre Betrug !

Entweder bist du krank und hast ein Attest vom Arzt, dann kann dir nicht gekündigt werden....aber gleich zwei Monate, das wird dir kaum ein seriöser Arzt ausstellen.

Darum liebäugle lieber nicht mit so einer unfairen Idee.

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...Also:

1. bin ich wirklich krank und das „krank feiern" sollte nicht bedeuten das ich keine Lust habe. Das war die falsche Wortwahl.

2. Wäre es dennoch nicht unfair da man mich hier auch nicht grade gut behandelt hat.

3. Habe ich nie gesagt, dass ich die kompletten zwei Monate zuhause bleiben will. Ich meinte damit eher ob man mich denn kündigen kann wenn ich zum Beispiel diese und nächste Woche zu Hause bleibe.. (Bin in diesem Jahr etwa 3 Wochen krankheitsbedingt ausgefallen)

Ich möchte einfach nur wissen ob es aufgrund eines ganz normalen Krankheitsfalls die Möglichkeit besteht mich vorzeitig zu entlassen

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Krank feiern gibt es schon gar nicht, das sagt dir dein Arzt ob du krank bist oder nicht. Der Rest ist deine Entscheidung.

Nur wegen Krankheit kannst du nicht gekündigt werden, aber der Chef wird schon einen Grund finden

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Wenn du wirklich krank bist, geh zum Arzt und lass dich krank schreiben.

Wenn die Kündigungsfrist einen Monat beträgt, kann man natürlich jederzeit mit Frist eines Monats kündigen.

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Achja wenn ich mich nicht irre steht in dem Vertrag noch eine Kündigungsfrist von einem Monat falls es irgendwie hilfreich ist

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Kommentar von LouPing
14.11.2016, 11:30

Hey TheCoonN2010

Gehe doch am besten mit Arbeitsvertrag und deiner "Wunsch-Diagnose zum Arzt, so bist du auf der sicheren Seite. 

Ist der Arzt nicht willig macht es Sinn Dr. Google um passende Symptome zu bitten, das üben vor dem Spiegel und den Kumpels ist zu empfehlen. 

Deine Aufgabe ist es dann, bei jeder Verlängerung entsprechende Notizen zu machen, nur falls Fragen kommen. Vermeide dringlichst den Wunsch wieder"gesund" zu werden, weil nach 6 Wochen kommen evtl. Fragen von deiner Krankenversicherung. 

Dein Arzt könnte mit der Versicherung Probleme bekommen, notfalls rate ich also zum Trendsport "Ärzte-Hopping". 

(Ironie!!!) 

Nun mal im ernst-hast du keinen Bock mehr auf den Job dann kündige selber! 

Leute wie du (die also nicht wirklich krank sind), sind eine Zumutung für uns AG und eine unnötige Belastung für alle Mitarbeiter. 

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Krankheit ist kein Kündigungsgrund. Wenn er dich kündigt kannst du dagegen vorgehen und dein Gehalt einfordern. Solange du es nicht übertreibst mit krank machen kann dir defintiv nichts passieren.

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Kommentar von TheCooN2010
15.11.2016, 07:22

Aber ab wann ist es denn „Übertrieben" ?

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Und weil du gerade krank bist willst du jetzt zwei Monate zu Hause bleiben?

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Du kannst gekündigt werden. Kündigungsgrund wird dann nur eben nicht "Krankheit" heißen.

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Kommentar von AalFred2
14.11.2016, 12:13

Wie sollte er denn heissen?

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