Kann eine Vision keuchen? Wie ist folgender Bibeltext zu verstehen?

Das Ergebnis basiert auf 20 Abstimmungen

Die gesamte Heilige Schrift ist heute für Christen wichtig 70%
Die Bibel ein literarisches Werk aber heute nicht brauchbar 20%
Für Christen ist heute nur das Neue Testament maßgeblich 5%
Das Alte Testament ist völlig veraltet 5%
Das Alte Testament gilt nur für die Juden 0%

15 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Die gesamte Heilige Schrift ist heute für Christen wichtig

Siehe Jw. Org. Wachtturm November 2018

Die gesamte Heilige Schrift ist heute für Christen wichtig

Die als sehr genau und wortgetreu geltenden Übersetzungen Elberfelder und Schlachter 2000 übersetzen diesen Vers etwas anders:

"Denn die Vision gilt erst für die festgesetzte Zeit, und sie strebt auf das Ende hin und lügt nicht. Wenn sie sich verzögert, warte darauf; denn kommen wird sie, sie wird nicht ausbleiben" (Elberfelder).

"Denn die Offenbarung wartet noch auf die bestimmte Zeit, und doch eilt sie auf das Ende zu und wird nicht trügen. Wenn sie sich verzögert, so warte auf sie, denn sie wird gewiss eintreffen und nicht ausbleiben" (Schlachter 2000). 

Im Walvoord-Bibelkommentar steht zu diesem Vers:

"Jede prophetische Offenbarung erfordert ein gewisses Maß an Geduld. Man muss auf ihre Erfüllung harren. Gott versicherte Habakuk: "Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit." Das deutet auf ein Ziel in der Zukunft (wörtlich: "sie drängt zum Ende" wie ein Läufer in der Zielgeraden). Dieser Hinweis scheint, nicht nur auf die kommende Zerstörung des gottlosen Babylon, sondern auf die umfassendere Erfüllung des messianischen Gerichts beim Fall von Babylon am Ende der Drangsal im Jüngsten Gericht (Offenbarung 17-18) vorauszudeuten.

Eins ist sicher: Gottes Offenbarung wird nicht trügen . Wenn sie sich auch hinzieht, wird sie doch gewiss kommen und nicht ausbleiben , gemäß seiner vollkommenen Vorsehung. Für die Menschen in Juda, denen die schreckliche Erfahrung der babylonischen Invasion und Gefangenschaft bevorstand, muss diese Zusicherung ein großer Trost gewesen sein. Auch an dem furchtbaren Volk, das sie gefangennehmen würde, würde zu dem von Gott bestimmten Zeitpunkt das göttliche Urteil vollstreckt werden!

Der Verfasser des Hebräerbriefes bezieht sich in seiner Aufforderung an die verfolgten Gläubigen, auszuharren und standhaft zu bleiben, auf diese Verse (Hebräer 10,27). Er stellt dabei vor allem ihre messianische Bedeutung in den Vordergrund. Der Tag wird kommen, an dem der König der Könige mit vollkommener Gerechtigkeit auf Erden herrschen wird."

Die gesamte Heilige Schrift ist heute für Christen wichtig

Zur Übersetzung

Die deutsche Übersetzung ist misslungen. Das Wort keuchend kann beim Leser den Eindruck hinterlassen, dass die Vision schleichend dem Ende entgegen gehen würde.

Unten las ich, dass es von der NW Übersetzung kommt. Wenn du dir die englische Version des Textes anschaust, wirst du lesen:

For the vision is yet for its appointed time, And it is rushing toward its end

Das englische Wort rushing würde man hier besser mit eilen übersetzen, so wie es z. B. auch die Schlachter 2000 macht:

Denn die Offenbarung wartet noch auf die bestimmte Zeit, und doch eilt sie auf das Ende zu

Der deutsche Übersetzer hat da meiner Meinung nach die vorliegende englische Version nicht gut genug übersetzt.

Wie ist der Bibeltext zu verstehen?

Gottes Visionen verspäten sich nicht. Gott hat seine Zeitpläne immer alle eingehalten. Schau dir mal die Fußnote in der englischen Version der NW Übersetzung an. Für 'Even if it should delay' sagt die Fußnote 'Or "if it seems to delay.".' Es mag dem Wartenden so erscheinen (seems), dass sich die Vision hinzieht. Tatsächlich wird sie aber nicht verspäten bzw. sie wird eintreffen.

Gott hatte schon damals sein Volk gewarnt, dass sich seine Visionen nicht verspäten werden:

Menschensohn, was ist das für ein Sprichwort, das ihr im Land Israel habt, indem ihr sagt: "Die Tage ziehen sich in die Länge, und jede Vision geht verloren"? Darum sage zu ihnen: So spricht der Herr, Jahwe: Ich will diesem Sprichwort ein Ende machen, und man soll es nicht mehr als Sprichwort gebrauchen in Israel. Sondern rede zu ihnen: Nahe herbeigekommen sind die Tage und das Wort einer jeden Vision. Denn es wird nicht länger irgendeine nichtige Vision oder irgendeine schmeichlerische Wahrsagung geben inmitten des Hauses Israel. Denn ich, Jahwe, ich rede; das Wort, das ich rede, wird auch geschehen, es wird sich nicht länger hinziehen. Denn in euren Tagen, widerspenstiges Haus, rede ich ein Wort und tue es auch, spricht der Herr, Jahwe. Und das Wort Jahwes geschah zu mir so: Menschensohn, siehe, das Haus Israel sagt: Die Vision, die der schaut, geht auf viel spätere Tage hinaus; und auf ferne Zeiten hin weissagt er. Darum sage zu ihnen: So spricht der Herr, Jahwe: Es wird sich nicht länger irgendeines meiner Worte hinziehen; das Wort, das ich rede, wird auch geschehen, spricht der Herr, Jahwe. (Hesekiel 12:22-28)

Eine klare Warnung! Wenn Gott eine Vision für eine bestimmte Zeit ankündigt, dann wird diese zu ihrer bestimmten Zeit erfüllt werden.

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Das Wort  keuchend kann beim Leser den Eindruck hinterlassen, dass die Vision schleichend dem Ende entgegen gehen würde

Im Kontext dieses Textes, auch in der Übersetzung, löst sich diese Annahme auf. Es wird auf das subjektive Empfinden des erlebenden Menschen Bezug genommen, was nicht der gôttlichen Wirklichkeit entspricht.

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@Extertaler01

Es mag ja sein, dass der Leser sich hier selbst die richtige Auslegung erarbeiten kann. Ich frage mich zusätzlich immer, wie viele Steine dem Leser dabei in den Weg gelegt werden. In dieser Hinsicht finde ich die deutsche Übersetzung einfach misslungen, da die englische Version ein ganz anderes Wort (rushing) benutzt. Hier hätte man es dem Leser einfacher machen können und wie die Schlachter 2000 mit 'eilt' übersetzen können.

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@Praeterismus

Ein verständlicher Standpunkt. Verschiedene Übersetzungen, verschiedene Synonyme. Wichtig ist immer der Kontext, der kulturelle Hintergrund. Beides muß in unsere sprachliche Wirklichkeit übersetzt werden, ohne das die Absicht des Autors verfälscht wird. Bei aller berechtigten Kritik an der NW, der Sinn von Habakuks Prophezeiung wurde meines Erachtens bewahrt.

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@Extertaler01

Meine Kritik richtet sich an dieser Stelle nicht gegen die NW Übersetzung an sich. Ich weise nur darauf hin, dass die deutsche Version an dieser Stelle keine gute Übersetzung der englischen Version ist.

Warum überhaupt eine Übersetzung auf Biegen und Brechen verteidigen? Es sind nur Übersetzungen aus den Ursprachen und der Leser sollte immer eine kritische Haltung gegenüber solchen Übersetzungen einnehmen. Eine Übersetzung ist immer mehr oder weniger eine Abweichung vom Original. Es gibt keine perfekten Übersetzungen. Übersetzungen haben immer ihre Stärken und Schwächen. Vor Gericht entscheidet auch immer die Sprache des Originaldokuments und nicht die Sprache irgendeiner Übersetzung. Im englischen Sprachraum heißt dieses Prinzip best evidence rule.

Es gibt doch so ein Sprichwort: „Traduttore, traditore!“

(Der Übersetzer (traduttore) ist immer ein Verräter (traditore) des zu übersetzenden Textes, dem Autor und auch dem Leser gegenüber.)

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@Extertaler01

Gerne geschehen. Wie es aussieht kommen wir beide hier zu keiner Übereinstimmung. Ist auch nicht weiter schlimm. So ist es halt bei solchen Themen. Jedem sei seine Meinung belassen.

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