kann eine tochter nach 20 jahren ihre mutter anzeigen, von der sie regelmäßig verprügelt wurde?

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9 Antworten

Hallo taigafee,

selbst wenn das rein rechtlich nicht mehr möglich ist wg. z.B. Verjährung oder mangels Beweisen ist es durchaus sinnvoll, weil sich die Tochter mit ihrem Trauma aktiv und positiv beschäftigt anstatt passiv darunter zu leiden. Als Kind durfte sie die Aggression nicht herauslassen. Diese Anzeige wäre eine in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen gelenkte Aggression und kann ihr durchaus helfen dieses Kapitel ihres Lebens zum Teil ab zu arbeiten. Eine solche jahrelange Tortur hat kaum weniger dramatische Folgen als ein jahrelanger sexueller Missbrauch. Und die Opfer solchen Missbrauchs kreisen in allem was sie tun um diese Ereignisse, ob sie wollen oder nicht, solange bis sie ihren Frieden damit machen können. Immer wieder kommt die erlebte Geringschätzung, oft auch noch verstärkt durch die gesellschaftlich immer als selbstverständlich voraus gesetzte Mutterliebe in Situationen hoch in denen Konflikte durch zu stehen sind. Wenn man erfährt, dass sie nach einmaliger Gegenwehr, was ein Befreiungsschlag hätte sein können, weggeschickt wurde, wobei die Herren über die Doktrin der Mutterliebe sich nicht fragen wieso ein Kind nach seiner Mutter schlägt und selbstgerecht dieses Kind als Störfaktor ihrer seltsamen Welt ins Heim wegsperren, ohne die Hintergründe zu erforschen, gehören auch diese Herrschaften, seien es Sozialarbeiter, Beamte oder andere Betreuer gewesen angezeigt. Wenn schon, dann richtig. Die schlagefreudige Mutter hat Schuld auf sich geladen, hat aber so gehandelt wie es ihr möglich war. Wenn sie nicht in der Lage war ihrem Kind eine gute Mutter zu sein, ging es ihr wahrscheinlich selbst in ihrer Kindheit nicht gut. Diese großen Mängel werden von Generation zu Generation "weiter vererbt", wenn sich die Betroffenen nicht aufraffen und aus der Depression, die oft Schutzdamm gegen eine riesige im Körper eingesperrte Wut ist, heraus arbeiten. Ein schritt, der anstrengend und langwierig für die aktuell betroffenen ist, aber jeder noch so kleine Erfolg im Abtragen dieses Berges aus Mühen und Erniedrigung lässt Menschen etwas fairer und ehrlicher werden und damit sich selbst und ihre Kinder und andere Schutzbefohlenen auch glücklicher. Also wenn diese Tochter vor hat, ihrer Mutter ihr Unrecht noch einmal vor zu führen, hat sie, im Interesse ihrer eigenen Kinder (die vielleicht noch auf die Welt kommen) und natürlich auch ihrer eigenen Person, fast die Pflicht dies auch zu tun. Denn wenn sie selbst einmal Kinder hat und diese hinter der Depression verschanzte Wut kommt heraus, wird sie vielleicht, ähnlich wie ihre Mutter sich in Grund und Boden schämen für das was sie dann tut, allerdings ohne noch die Zeit und Muße zu haben daran viel zu ändern. Wir alle sind verantwortlich für das was wir tun und sollten alle danach streben das das was wir tun zum Frieden zwischen den Menschen beiträgt. und das können wir nur, wenn wir selbst unseren Frieden gemacht haben.

vielen dank, kahalla. ich sehe das auch so. was aber passiert denn, wenn sie eine anzeige aufgeben möchte? wird man sie nicht mit dem hinweis auf verjährung fortschicken?

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@taigafee

Das ist möglich, allerdings geht es hier darum, dass sie etwas tut und nicht darum das Behörden funktionieren, das kann man schließlich nur selten voraus setzen. Vielleicht solltest du dir als Ratgeberin eine Alternative ausdenken was die Tochter dann unternehmen kann. Auf jeden Fall wird sie sich damit beschäftigen müssen und eine Verjährung wird für sie natürlich eine Enttäuschung sein, aber auch ein Lernprozess. Schließlich übernimmt jeder, der solch eine Behandlung widerspruchslos toleriert obwohl er sich wehren könnte eine Mitschuld an diesen Taten und diese Mitschuld ist es die in der Seele weh tut und die Betroffenen klein macht. Sonst könnten hämische Bemerkungen, die in die Richtung "selbst schuld" gehen, nicht so tief treffen. Von dieser "Mitschuld" die man rein psychologisch auch ansammelt, wenn man als Opfer sich wirklich nicht wehren kann, muss man sich zuerst befreien, bevor das erlittene Leid bearbeitet werden kann. Diese Schuld ist es die das Opfer mit dem Täter zusammen schweißt und manchmal soweit geht, dass das Opfer den Täter beschützt, so widersinnig das einem auch vorkommt.

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@kahalla

Man kann sich auch an Opferberater wenden, die bestimmt noch ein paar Anlaufstellen haben, ich denke dabei einerseits an Frauenhäuser, aber auch an Vereine wie den weißen Ring. Und wenn dort jemand die zugrunde liegende Straftat marginalisieren will, sollte man schon darauf bestehen, dass solch eine über Jahre wiederholte Gewalttätigkeit eine Art Folter ist. Nur um die Relationen mal da hin zu hängen wo sie hingehören. Psychotherapien wollen immer den Patienten "heilen" und sind das Mittel der Wahl wenn das Gegenüber von dem die Gewalt ausging unerreichbar ist, weil z.B. schon gestorben. Letztlich wird die Tochter sich ihrem Gegner irgendwie stellen müssen um ihre Selbstachtung zurück zu erlangen. Eine Strafanzeige ist nicht das einzige Mittel. Eher vielleicht eine Überprüfung des Falles und der Akten des Einweisungsverfahrens wegen Verletzungen der Aufsichtspflicht seitens des Jugendamts. Hier müssten bei einer Überprüfung alle Aspekte erneut gewürdigt werden und die Behörde könnte genauso eins auf den Deckel kriegen wie die Mutter. Hierzu bräuchte die Tochter psychologische Gutachten über den Schaden, der ihr zugefügt wurde und einen Anwalt, der sich mit solchen Fällen auskennt. Das würde ihrem dringenden Bedürfnis nach Aufklärung vielleicht eher entsprechen, als eine Strafanzeige mit wenig Erfolg. Trotzdem würde ich pro Forma die Strafanzeige aufnehmen lassen und sei es nur um den "Fall" einmal zusammenfassen zu lassen. Die Kopie dieser Anzeige kann dann zu den Unterlagen für das Dienstaufsichtsverfahren (oder wie das heißt) wandern und damit mehr Druck ausüben, da dies dann das einzige Verfahren ist, das sich wirklich mit diesem Fall beschäftigt. Ab hier wird alles sehr fachspezifisch, da kann ich nicht mehr viel dazu sagen...

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dank dir nochmal für deine sehr, sehr gute antwort, die meine bekannte extrem gerührt hat. bisher hat sie noch nie solch eine anerkennung ihres traumas erfahren. meine freundin ist in der ausbildung zur seelsorgerin, und wir überlegen mit der betroffenen zusammen die nächsten schritte.

ich habe jetzt erfahren, dass sie mit 12 sogar im jugendamt zweibrücken vom beamten nach hause geschickt wurde, mit den worten, sie solle einfach brav sein, dann würde die mutter auch nicht schlagen. :-(

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@taigafee

Tolles Amt, dort ist es immer dann gut wenn man möglichst nix zu tun hat...

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Klar kann sie es theoretisch machen. Das ist Misshandlung von Schutzbefohlenen gem. § 225 StGB, sowie Körperverletzung. Körperverletzung wäre, auch wenn hier wohl 225 in Kraft treten würde, § 223 StGB.

Dies ist jedoch längst verjährt und bringt somit nichts!! Die Mutter ist aus dem Schneider!! Das hätte sich diejenige wohl früher überlegen müssen......

wenn man in der vergangenheit rumwühlt wird man sehr viel dinge finden die einem sehr wehgetan haben, dazu möchte ich sagen dass genau die erfahrungen die man hinter sich hat beim rumwühlen nocheinmal durchlebt, alle emotionen kommen in vollem umfang nochmal über einen, somit schädigt man sich ein weiteres mal selber damit. die mutter war damals sicher hilflos, menschen die nicht weiter wissen und keine erfahrung haben schlagen ihre kinder, also die mutter war überfordert damit. wozu jetzt anzeige erstatten, um all die erlebnisse nochmal revue passieren lassen und nochmal in die wunde stechen? nein das kann keine lösung sein, viel besser ist es der mutter nach all den jahren zu vergeben, das kann man im stillen für sich tun, man muß es der mutter nicht sagen, durch die vergebung kann man den schmerz verarbeiten und lösen

Das ist längst verjährt.

Hi Taiga,

habe deine Frage heute erst entdeckt.....war wieder mal "voll im Stress".....:-(

Aber vorweg - nein, die Tat ist längst verjährt und das Abweisen der KIage dürfte ihr bei ihren Depressionen nicht grade gut tun.

Eigentlich würde ihr ein guter Psychologe, zu dem sie Vertrauen hat, besser helfen. Sie muss das Ganze aufarbeiten. Ihre Rachegelüste oder Vergeltungsbedürfnisse zeigen doch deutlich, dass sie das alles nie aufgearbeitet hat. Und das wäre wichtig. Einer solchen Mutter gehört die Verachtung und derer Ignoranz. Sie muss lernen, ihr Leben selbstbewusst zu gestalten - ohne ihre Mutter oder Gedanken an sie.

Ich hoffe, du kannst sie überzeugen, dass eine Anzeige wenig Sinn macht. Ich habe in deinem Kommentar gelesen, dass so viele Menschen weggeschaut haben. Und das ist hart und bitter. Leider ist nach so langer Zeit die Mutter nicht mehr angreifbar - sodass sie auch aus der Runde wieder als "Sieger" hervorgehen würde. Das sollte sie sich nicht antun.

LG Biggi

ja, das stimmt schon. ich dachte, eine anzeige würde ihr trotzdem klar machen, dass sie etwas getan hat, das tiefe narben hinterlassen hat. ein anstoß zum nachdenken sozusagen...

aber wer weiß, ob es bei ihr einen sinn hat.

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Das wird gegen die Depressionen nicht helfen!

Es wäre zwar eine Art "Vergeltung" - welche aber aus einer verkehrten Ecke kommt. Besser wäre es einen psychologischen Rat zu holen.

Wie wäre es mit einem Brief - welcher zur entsprechenden Zeit - deponiert wird?

in psychiologischer behandlung war sie jahrelang, nachdem sie ein halbes jahr in einer klinik wegen selbstmordversuchs gelebt hatte.

ich hab sie gefragt, ob sie nicht alles mal aufschreiben wolle. das mit dem brief schlage ich ihr vor. du meinst, zu entsprechender zeit soll er der mutter gegeben werden? ich verstehe das nicht ganz.

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@taigafee

ich halte es übrigens nicht für vergeltung. sie hat das vertrauen in die menschen verloren, die alle weggeschaut haben, ein katholischer pfarrer, die tante, die nachbarin,... ich denke eher, sie möchte von höherer stelle bestätigt haben, dass die mutter falsch gehandelt hat. ihr vater sagt übrigens selbst, dass sie totgeschlagen worden wäre, wäre er nicht dazwischen gegangen. es war wirklich traumatisierend, und eigentlich darf sowas doch auch nicht straffrei bleiben.

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@taigafee

ok, das hat eine andere tendenz als der eröffnungspost. hab eigentlich YarlungTsangpo zugestimmt, aber in dem fall könnte es helfen, ihr vertrauen in die gesellschaft wiederherzustellen mit einer verhandlung. dann sollte sie sich aber vorher gut beraten lassen, wie ihre chancen stehen, weil gewöhnlich pauschal vom täter gesagt wird, nein, sie war so klein und hat das missverstanden, sich sachen eingebildet, blühende phantasie, übertreibungen usw. zudem verjährungsfrist, keine ahnung wie lang die ist. in brieflichen austausch zu treten (mit unterstützung) kann trotzdem eine alternative oder erster schritt sein, allerdings wäre eine leugnung der mutter evtl retraumatisierend. für den fall eines briefes würde ich zu einen kurzen nüchternen text mit der erwähnung belastender erinnerungen und der bitte um stellungnahme raten. lieben gruß

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@taigafee

Eine "Verhandlung" nach geltendem Recht wird - weil es ein ziviles Verfahren würde wohl ziemlich teuer und eine zweite Negativerfahrung für die Tochter.

Besser ist es wenn sich Betroffene organisieren - zum Beispiel Kinderschutzbund oder andere Selbsthilfegruppen und Initiativen welche sich um diese Probleme misshandelter oder missbrauchter Menschen annehmen.

Dort kann sich ein Betroffener auch engagieren und aus seiner Situation - in Zusammenwirkung mit anderen Einmal Betroffenen - eine ehrenamtliche Vorbeugung, Beratung und Anlaufstelle für dringend Hilfe Suchende machen...

Die Briefe an die Mutter empfehle ich nicht aktuell an die Mutter zu geben, sondern wenn es so weit ist in deren Grab zu legen.

Es ist in jedem Fall alles zu unternehmen um weitere "seelische Verletzungen des Opfers" zu vermeiden.

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so ein unsinn..was soll jetzt eine anzeige bringen? das macht alles nur schlimmer, wenn du so lange gewartet hast verstehe ich überhaupt nicht was heute irgendetwas besser machen soll? begebe dich in psychologische behandlung und lass dir beim aufarbeiten des schicksals von anderen helfen. eine anzeige bringt überhaupt nichts..es ändert die schläge von damals nicht und heilt auch keine depression.

Klar , für die Tochter ändert das vielleicht ein ganze Menge und es geht nicht unbedingt darum der Mutter eins rein zu würgen, sondern eher darum das die Tochter sich von diesem Alptraum befreit. Und sie aufzufordern sich helfen zu lassen und ihr gleichzeitig jegliche Hilfe zu verweigern, bzw. abzusprechen ist eine ziemlich lausige Methode zu zeigen dass man mit "sowas" lieber nichts zu tun haben will.

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@kahalla

kahakla ich sehe schon den thread willst du gerne unter deinen armen tragen lässt ja keine möglichkeit aus zu kommentieren..

also..das thema ist durch..die meisten menschen die ich kenne, die mir berichten, oder deren schicksal ich kenne, sind dann am besten darüber weggekommen,wenn sie ihren groll gegen die eltern extern bearbeiten und beilegen.. diese klage ist totaler unsinn, da geht dann aussage gegen aussage ohne zeugen, eine neverending story, beweise sind vernichtet, oder überhaupt nach so langer zeit anzuzweifeln. wenn dann die sache negativ ausgeht, anders als erhofft, das man das verfahren einstellt, oder sie am ende verliert, verlängert sich das leid um eine riesen enttäuschung. nochmal, ist ja nett der zuspruch, hier aber realistisch ist das nicht und es hilft kein bisschen, es wird immer zuviel hineininterpretiert in eine klage. das rechnet sich in keinem fall. eine therapie hingegen sehr wohl!

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misshandlung von schutzbefohlenen verjährt nach § 78 III nr.3 stgb in 10 jahren

machen kannst du das schon,aber kann sie es auch beweisen oder glubhaft machen.vieleich artzt unterlagen oder so.ansonsten sieht es schlecht aus das es was bringt. denk ich,bin ja kein jurist.

gruss

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