Kann eine Prostituierte sich weigern mit einem Kunden zu schlafen?

16 Antworten

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Grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland jede Prostituierte bestimmen kann wem sie welchen Service anbietet. Entweder sie lehnt den Kunden ganz ab oder bietet bestimmte Leistungen eben nicht an. Wenn ein Freier die Reste des letzten Fischbrötchens noch zwischen den Zähnen hängen hat, dann fallen beispielsweise Zungenküsse meistens aus... .

Das Klischee, dass Frauen irgendwo eingesperrt werden und ihnen ein brutaler Zuhälter die Kunden zuweist, welche dann bedient werden müssen, ist auf Länder beschränkt, wo Prostitution verboten ist und daher im von Kriminellen kontrollierten Untergrund stattfindet. Leider nehmen es die Roman- und Drehbuchschreiber dieser Welt damit oft nicht so genau und malen grundsätzlich ein Bild von Zwang und Schmuddel um den Leser zu unterhalten. Nur das Außergewöhnliche fällt auf und bedient die Sensationslust der Leser: Hätten bei "50 Shades of Grey" die Protagonisten eine "normale", romantische Liebesbeziehung unterhalten, hätte den Schmarren kein Mensch gelesen... . Wenn Du (oder Deine Autoren-Freundin) wirklich einen Einblick in die verschiedenen Geschäftsmodelle der Prostitution und die Arbeitsbedingungen der Dienstleisterinnen haben möchtest, dann lies mal "Wir sehen uns im Puff!" (Amazon) - darin ist das ausführlich beschrieben.

Im deutschen Bordell-Alltag geht es weit weniger verkrampft zu, als man sich das in der Regel vorstellen kann und der in den anderen Antworten immer wieder zitierte Zuhälter spielt bei den allermeisten Prostituierten auch keine Rolle, denn diese arbeiten freiwillig und selbstbestimmt. Ich habe von Sexworkerinnen schon amüsante Anekdoten über einschlägige Begegnungen mit Exmann, Chef, Nachbar und Pfarrer gehört... . Meist waren beide Seiten über dieses Zusammentreffen ziemlich erstaunt und nicht immer wurde eine Paysex-Session daraus... .

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Sehr gute Post, gefällt mir. Zugern hätte ich ein paar dieser Anekdoten persönlich gehört. Wie auch immer. Bei 50 Shades of Grey geht es ja nicht um Prositution, sondern um BDSM, oder das was die Autoren dafür hielten. Denn auch hier wurde sehr klischeehaft gearbeitet. Die Beziehungsform haben sie ja nicht weil es sie anmacht, sondern weil sie hofft irgendwann eine richtige Beziehung mit Gefühlen zu bekommen und er irgendein Kindheitsproblem verarbeitet indem er jemanden dominiert. Das hat nicht viel mit BDSM zutun und beleidigt es auch eher. Und Prostitution ist halt ein Beruf. Manche mögens, manche brauchen das Geld. Letzteres ist dann auch nicht grausamer als ein Bauarbeiter der total zerstört nachhause kommt. Hab auch schon Anekdoten im Internet gelesen. Na ist eigentlich egal für die Frage. Aber es fehlt mal eine story über eine Prostituierte die zeigt das sie das freiwillig macht und das ihr Beruf nicht das Zentrum ihres Seins ist. Sie könnte die Welt retten, oder einen Mord auflösen. Das würde einfach schön zeigen das so eine Frau auch außerhalb ihres Berufs als vollwertiger Mensch existiert. Ähm ja, ist sowas von random, aber ich rede gerne. 

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Genau - 50 Shades hat nix mit Prostitution zu tun - und eben auch kaum etwas mit BDSM, so wie es von unzähligen Menschen gelebt wird...
Büchern von (Ex-)Prostituierten, die eben mal nicht das Opfer-Klischee bedienen, gibt es übrigens durchaus...

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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Kommt darauf an, ob sie "schutz" hat.

In einem Bordell ist sie recht sicher. Sie ist dann schließlich eine Angestellte und hat auch gewisse Rechte.

Auf der Straße ist sie nahezu auf sich gestellt. Vielleicht hat sie einen Zuhälter. Ist der ihr wohlgesonnen, kann sie Kunden ablehnen. Wenn nicht.. dann eher nicht.

Oder wenn sie in Laufhäusern arbeitet, die korrupt sind. Den Frauen Pässe wegnehmen, etc. Durch das Kind, haben sie auch ein Druckmittel gegen sie.

Also die story funktioniert so nicht und drängt alle Prostituierte in eine Opferrolle. Sklaverei ist hierzulande verboten, also wirst du kein Legales Bordell finden das ihr das Ultimatum stellt, schlaf mit ihm, oder fliege. Wenn sie das Geld braucht weil sie länger niemanden hatte, oder er irgendeine Form von Druck auf sie anwendet, dann vielleicht. Vielleicht auch als Angst vor ihm. Aber sicher nicht weil es ihre Pflicht ist. 

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