Kann eine Beziehung (bei Menschen mit Autimus) auch als Ersatz für eine Psycho- oder Verhaltenstherapie dienen?

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9 Antworten

Och würde sagen eher nein. Eine Beziehung kann sich positiv auswirken. Aber auch negativ. 

Problem ist DS eine Beziehung eine ganz andere Grundlage hat als eine Therapie. 

Zu einem Therapeuten gehe ich und bekomme spezifische gebildete Hilfe. Als Gegenleistung wird dieser bezahlt.

In einer Beziehung ist die Hilfe eher ungebildet ausser man hat eine mit einen Therapeuten.

Ausserdem verlangt der Partner andere Dinge von einem.

Es kann funktionieren aber da bräuchte man wohl eher den richtigen Partner dafür der auch genügend geduld und Verständnis für Verhaltensweisen des Autismus Spektrums zeigt.

Ein Partner ist kein Therapeut und sollte auch nicht die Rolle dessen einnehmen.

Dennoch kann dieser unterstützend wirken.

Eine Partner kann sicherlich helfen, die Probleme des Alltags zu bewältigen, egal ob er oder sie einem nun Sachen abnimmt, die man selbst nicht kann, oder einen ermutigt, sich an Situationen heranzuwagen, die man sich allein nicht zugetraut hätte.
Es bereichert das Leben unglaublich - aber autismusspezifische Symptome lindern? Ich kann nur für mich sprechen, aber bei mir war bisher eigentlich immer das Gegenteil der Fall - ganz besonders Reize filtern kann ich grundsätzlich schlechter, wenn Menschen dabei sind, die mir Nahe stehen, als wenn ich allein bin. Meine Eltern, gute Freunde und Partner machen mir das Leben insgesamt sicherlich viel leichter, aber akute Symptome überhaupt nicht besser.

Hallo Kitty...,
deine Frage ist nun alles andere als banal.

Philosophisch: Ja natürlich, das ganze Leben IST eine Therapie!
Fachtherapeutisch würde ich die konzentrierte Vorhgehensweise einer gezielten Therapie vorziehen. Deine Frage zielt aber auf eine mögliche Linderung von Symptomen/Beschwerden durch eine stabile Beziehung hin und das wird man ganz zweifellos bejahen können. "Ersatz" jedoch nie!

Das halte ich für ziemlichen Unsinn. Ein Partner therapiert nicht und ist auch nicht seine Aufgabe. Das ist eine ganz andere Beziehungsebene als ein Arbeitsverhältnis zu einem Therapeuten der auch weiß was er tut. Eher ist es so, dass Beziehungen oft erst gar nicht eingegangen werden weil das Interesse fehlt oder Beziehungen nicht funktionieren. Bei denen eine Beziehung langfristig hält ist mit Sicherheit nicht die Regel.

Ein eindeutiges JA!

Da ich selbst Autist bin und seit über 40 Jahren verheiratet bin, weiß ich sehr wohl, dass ein Partner unterstützend sein kann. Es ist richtig, dass ein Partner kein Therapeut ist und dies auch nicht leisten kann. Dafür bekommt er jedoch einen wesentlich intimeren Einblick und kann eine andere Art von Hilfestellung leisten.

Das machen auch Partnerschaften unter NTs - es ist ja u.a. der Sinn einer Partnerschaft, dass sich gegenseitige Stärken und Schwächen ausgleichen.

So habe ich z. B. große Schwierigkeiten mit dem Telefonieren, das übernimmt meistens meine Frau. Oder sie macht mich auf so manche Fettnäpfchen aufmerksam, in die ich sonst wieder hineingetappt wäre.

Auch Autisten, die ich aus der Selbsthilfegruppe kenne, leben teilweise in festen Partnerschaften und auch sie berichten von der Unterstützung durch diese Partner.

Zusammenfassung: Partner sind meist eine deutliche Hilfe, aber eben keine Therapeuten! Und es gibt durchaus Betroffene, die sowohl einen Partner haben und auch noch therapeutische Unterstützung benötigen.

Da ich selbst Autist bin und seit über 40 Jahren verheiratet bin, weiß ich sehr wohl, dass ein Partner unterstützend sein kann.

Das mag für dich gelten aber nicht für alle. Bei mir haben Partnerschaften mit NT´s nie funktioniert und waren durchgängig kompliziert. Meine Ehe mit einem ebenfalls Autisten ist für mich die erste "Beziehung" die klappte. Mein Mann ist auch der Einzige der an mich heran kommt und bei dem ich Körpernähe zulasse. Das ist für mich eine andere Art der Beziehung aber keine Hilfestellung im Alltag. Im Gegensatz zu dir sind die Autisten die ich im Kompetenzzentrum kennenlernte eher vereinsamt. Von einem Betreuer der Autistenhilfe weiß ich, dass er 3 junge Männer betreut die die Wohnung so gut wie gar nicht mehr verlassen. An Beziehungen ist da nicht mal ansatzweise zu denken und die anderen sind zwar einsam haben aber gleichzeit an einer Beziehung kein Interesse oder eine Trennung nach der nächsten.

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@Ostsee1982

Genau das wollte ich zum Ausdruck bringen, dass nicht alle Autisten gleich sind.

So wenig wie man von den vereinsamten Autisten auf alle schließen kann, genau so wenig kann man von meinem Erleben auf andere schließen.

Die Frage oben heißt ja: Kann eine Beziehung (bei Menschen mit Autismus) auch als Ersatz für eine Psycho- oder Verhaltenstherapie dienen?

Meine Erfahrung zeigt, JA, das kann eine Beziehung - bei mir und auch bei einigen mir bekannten Autisten, muss aber nicht bei anderen Autisten.

Es gilt der immer noch der Spruch: 
Kennt man einen Autisten, dann kennt man genau einen!

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Ich nehme an, Du meinst eine Paar-Beziehung. Diese erfüllt ganz grundlegende Bedürfnisse des Menschen seit Anbeginn seiner Existenz, also seit Millionen Jahren: Sexualität, Liebe, Wärme, Geborgenheit usw.

Therapien gibt es etwa 100 Jahre. ALso etwa ein Tausendstel (!) dieser Zeit.

Wenn überhaupt irgend etwas das andere ersetzt, dann wäre es nicht abwegig, noch mal zu überlegen, welches das Ersetzte und welches der Ersatz ist.

Kommt darauf an wie ausgeprägt der Autismus ist

Nein.

Nein.

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