Kann ein Unternehmen eine Pressesperre verhängen?

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5 Antworten

Niemand - auch Behörden nicht - kann eine Nachrichtensperre verhängen. Es obliegt den Redaktionen, darüber zu entscheiden. Z.B. bei Entführungen oder Suiziden (wegen der Gefahr der Nachahmung) entscheiden sich Redaktionen oft dafür, VORERST nicht zu berichten.

Bei tödlichen Arbeitsunfällen wird in der Regel berichtet, die Polizei gibt dazu auch in der Regel Pressemitteilungen heraus, da dazu stets polizeilich ermittelt wird. Ein Unternehmer wird nicht so dumm sein, Medien von Berichten darüber abzuhalten. Falls der Unternehmer nicht kooperieren will, kann er nur von seinem Hausrecht Gebrauch machen, sodass Medienvertreter nicht aufs Gelände kommen, und sich zum Sachverhalt nicht äußern.

Von all dem abgesehen ist es doch so, dass auch wenn Medien so was verschweigen würden, viele (Kollegen des Toten, die Freunde und Familie) davon erfahren, dies verbreiten, es gibt Todesanzeigen und am Ende Gerüchte. Dann doch besser in angemessener Form berichten.

Pateo 24.05.2015, 15:58

Warum, denkst du, ist dieser Bericht nicht erschienen? Könnte man damit auch Mord und Vertuschung in Verbindung bringen ?

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Muggl 25.05.2015, 17:11
@Pateo

Das sicherlich nicht - wie gesagt, bei Arbeitsunfällen ermittelt die Polizei, um die Ursache - Unfall, Mitverschulden, Selbstverschulden, fahrlässige Tötung usw - herauszufinden. Möglicherweise gab es einen Suizid, darüber soll ja möglichst zurückhaltend berichtet werden: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/selbstmord-medienberichte-erhoehen-anscheinend-suizid-raten-a-967190.html Frag doch bei der Lokalzeitung nach, warum nicht berichtet wurde. Vll. war es auch ein kleiner Artikel, den du übersehen hast.

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Offiziell kann und/oder darf niemand die Pressefreiheit angreifen. Allerdings kann und wird in die Berichterstattung von potenten (Anzeigen-) Kunden eingegriffen. Ein gangbares MIttel, die Presseartikel zu beeinflussen, sind Werbeaufträge bzw. die Drohung mit deren Entzug. 

Hinzu kommt noch das Direktionsrecht des Verlegers, das nicht immer mit der neutralen Berichterstattung übereinstimmt. Der Verleger - Mitglied der XY-Partei - wird sicherlich nicht oder nur ungern zulassen, dass eine negative Berichterstattung über seine Partei an die Öffentlichkeit kommt.

Dass in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Politiker in den Aufsichtsgremien sitzen, zeigt m.E. dass es mit der "Pressefreiheit" nicht allzu weit her ist. BVerfG hat jedenfalls Zweifel an deren verfassungsmäßigem Sitz in derartigen Gremien, so dessen Urteil. Warten wir mal auf den 30.6.2015, wenn entsprechende Gesetzesänderungen kommen (sollen).

Solltest du Gelegenheit haben, rede einmal mit einem Journalisten über Pressefreiheit, er wird dir, wir mir des Öfteren geschehen, versichern, dass die Pressefreiheit ein heres Gut ist, aber de facto nicht existiert. 

Allerdings kann die Nichtberichterstattung in deinem Fall auch ganz profane Gründe haben, den Fall gibt es nicht, Ermittlungen sind noch nciht abgeschlossen....usw.

Wo siehst Du eine Pressesperre?

Wenn das für die Medien nicht interessant genug ist, werden sei nicht darüber berichten.

Asbest ist ein "Wundermaterial" aus dem vorigen Jahrhundert. In gebundener Form, muss man sich auch nicht davor fürchten. Ich bin fest davon überzeugt, dass nach dem Bruch, der meldepflichtig ist, ein geschultes Entsorgungsteam, die gefährlichen Materialien entsorgt hat.

Wenn nicht, musst Du Anzeige bei der Umweltbehörde erstatten.

Nein. Kein Unternehmen hat eine derartige Möglichkeit. Ansonsten schafft es nunmal auch nicht jeder Arbeitsunfall mit tötlichem Ausgang in die Lokalpresse.

earnest 20.05.2015, 10:07

Ach, das läuft doch meist ganz anders: Der Chef des Unternehmens führt ein freundliches Gespräch mit dem Chefredakteur und läßt dabei durchblicken, was in Zukunft mit der großen Anzeigenserie passieren wird, wenn kritische Zeitungsberichte überhandnehmen sollten ...

Und das ist selbstverständlich keine Pressesperre. Das nennt man vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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atzef 20.05.2015, 10:26
@earnest

Anzeigenserien sind keinesfallscaritative Gefälligkeiten von Unternehmen an die Printmedien, sondern notwendiges Element einer erfolgsorientierten Marketingstrategie. Insofern geht die "Drohung" eines solchen Unternehmens latent ins Leere und es würde sich mittel- bis langfristig ins eigene Knie schießen. Das gilt erst recht, wenn eine solche Praxis ruchbar würde. Umgekehrt gibt es ein Meer von Unternehmen, die alle auf Gedeih und Verderb Marketing und Werbung betreiben müssen. Sooo abhängig sind die Printmedien also gerade nicht von einem einzelnen Unternehmen. Und wie funktiniert eigentlich Pressearbeit im ganz praktischen Detail?Davon hast du offenkundig auch keine Vorstellung. Die Lokalredakteure erfahren von einem solchen Unfall allenfalls aus dem täglichen Polizeibericht, bzw. den Pressemitteilungen der Polizei. Taucht der Arbeitsunfall dort nicht auf oder kümmert sich aus Gründen einer anderen Schwerpunktsetzung an dem Tag keiner um den Polizeibericht, rutscht soetwas schon mal durch. Da braucht man "großen Erzählungen" über eine Instrumentalisierung der Medien durch Untternehmen zusammenspintisieren. :-)

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Normalerweise Nein - aber solange die polizeilichen Untersuchungen / Ermittlungen andauern, kann die Staatsanwaltschaft eine "Pressesperre" verhängen...


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