Kann ein Trauma durch Klassische Konditionierung hervorgerufen werden?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ja, und das ist dann auch Konditionierung.

Wenn man z.B. eine Frau nimmt, die irgendwo auf einem Parkplatz überfallen wurde, dann kann es sein, dass Parkplätze für die Frau wegen dieser Erfahrung mit Gefahr verknüpft sind, und sie deswegen Angst kriegt, wenn sie über einen Parkplatz geht.

Und klassische Konditionierung kann tatsächlich auch nach einem einzigen Trial funktionieren. Man hat das z.B. bei konditionierter Geschmacksaversion bei Ratten zeigen können. Man nehme eine Ratte, gebe ihr was zu essen, und induziere Übelkeit durch Röntgenbestrahlung. Die Ratte rührt das Essen nach 1x schon nicht mehr an (wenn das interessiert, suche ich raus, wer diesen Versuch in welchem Jahr gemacht hat).

Funktioniert aber nicht bei jeder Verknüpfung. Beim Hund mit der Glocke würde das nach einem einzigen Trial noch nicht funktionieren.

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Ja, das mit dem Rattenexperiment würde mich wirklich interessieren, es wäre schön, mehr darüber erfahren zu können! Danke schonmal! :)

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@Callaina

Und ein kleines Zitat aus dem Lehrbuch: "The principles of Learning and Behavior", MIchael Domjan; 6. Auflage:

"Taste-aversion learning is a result of the pairing of a CS (in this case, a taste) and a US (drug injection or radiation exposure) in much the same manner as in other examples of classical conditioning (....). However, it also has some special features. First, strong taste aversions can be learned with just one pairing of the flavor and illness. Although one-trial learning also occurs in fear conditioning, such rapid learning is rarely observed in eyeblink conditioning, salivary conditioning, or sign tracking." (Kapitel 3, S. 81f)

Also one-trial-learning passiert auch bei Angstkonditionierung (und das passt ja mehr zu deiner Originalfrage).

Jetzt wäre es noch interessant, irgendwelche Versuche zur Angstkonditionierung zu finden (habe ich auf die Schnelle leider nicht parat).

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@blechküebel: Das ist ein Unsinn! Das ist keine Konditionierung, das ist lediglich ein Aufbau einer Angst, die aber nicht mit einem Lernergebnis einhergeht.

Konditionierung = Lernergebnis!

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@Adlerblick

Hä? Das ist gelernte Angst. Man sollte nicht zu schnell einfach so "das ist Unsinn!" schreien.

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Wenn der Vorgang nur 1 x stattfindet, so ist kein Lernergebnis damit verbunden, funktioniert daher auch nicht.

Die Konditionierung entspricht dem Aufbau eines Lernvorgangs. Ist dieser Lernvorgang nur verbunden mit einem Geräusch funktioniert das Ganze auch nicht bei einem mehrmaligen Vorgang. Das hat Pawlow bereits aufgezeigt mit seinem Pawlowschen Hund! Sobald er der Glocke wegließ, setzte beim Hund auch kein Speichelfluß mehr ein als das Futter hingestellt wurde.

Für die Konditionierung sind mehrere Informationen vonnöten: das zu Lernende, aber auch die Konsequenz daraus, wenn das Erlernte nicht komplett ausgeführt wird.

Mit einem einmaligen Vorgang ist daher keine klassiche Konditionierung möglich, die als Ziel hat Erlerntes zu speichern und auch dann umsetzen zu können, wenn der Konditionierungsvorgang nicht mehr stattfindet.

Ein einmaliges extremes, einschneidendes Ereignis entspricht nicht der klassischen Konditionierung, Es fördert lediglich eine Angst, die aber über Konditionierung wieder bearbeitet werden kann.

Das ist mir total unklar. Wenn ich richtig verstehe, meinst Du, dass man nur dann von KK sprechen kann, wenn auf die alleinige Präsentation des US keine Reaktion mehr erfolgt??

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Da hast Du mal eine sehr tolle Antwort bekommen und kannst sie nun auch entsprechend bewerten. -:)

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