Kann ein Selbstmörder seinen Suizid in diesem Rahmen rechtfertigen?

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8 Antworten

Ich nehme deinen Text mal so wie er ist zur Kenntnis.

Es mag daran liegen, dass ich selbst psychisch erkrankt bin, allerdings bin ich klar im Kopf.

Ich persönlich denke, dass niemand sich für seinen Suizid in irgendeiner Weise rechtfertigen sollte. Was nützt es denn sich Gründe zu suchen? Im Grunde hilft einem so etwas nur um mit sich selbst im Reinen zu sein.

Ich halte Selbstmord aber auch nicht für verwerflich. Wenn es einem Angehörigen, oder mir, so schlecht geht, der Leidensdruck so hoch ist, dass derjenige sterben möchte, dann ist das so und ich akzeptiere es. Solange du dich noch frei bewegen kannst, hast du die Möglichkeit diese zu nutzen. Es bleibt dir überlassen, es noch weiter mit dem Leben zu probieren oder nicht.

Allerdings weiß ich auch, dass einem dieses Gefühl oft nur so vorkommt - Ich kenne dich nicht, das mag sein. Aber ich weiß wie es sein kann. Manchmal kommt dann doch wieder ein kleiner Schub Motivation, ein Grund...Bei mir war es mein Freund. Und dann versucht man es einfach noch ein bisschen weiter. Es mag schwer sein, doch ist es viel tröstender, wenn man weiß man muss nicht leben, eigentlich kann man auch gehen, wenn man nicht mehr möchte.

Das klingt jetzt als würde ich dich dazu ermutigen wollen oder wäre selbstmordgefährdet, aber tatsächlich ist das gar nicht so. Ich habe es noch nie versucht oder stand ernsthaft kurz davor. Es ist mehr eine innere Haltung, eine Einstellung um in dieser Welt zruechtzukommen.

Hilfe solltest du dennoch annehmen und dich wieder versuchen darauf einzulassen...Es gibt viele schlechte oder unpassende Therapeuten und Medikamente. Wechsel...Wenn du merkst es passt nicht.

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Hallo,

man kann vermutlich nur erahnen wie du dich aktuell fühlst und welche Last du durch die Krankheit und diese ganzen negativen Gedanken zu ertragen hast.

Das Thema aktive Sterbehilfe ist schon bei körperlich erkrankten Menschen sogar für die, die wissen, das Sie (möglicherweise sogar zeitnah bzw. unter Schmerzen) sterben werden umstritten. Generell ist eine solche Lösung für psychisch erkrankte meines Erachtens gar nicht umsetzbar. So weiß man nie ob es die Krankheit ist die aus dem Patienten spricht oder die durch einen einwandfrei funktionierenden Verstand gebildete Meinung. Kein Psychiater oder Psychologe dieser Welt würde mit der Last leben wollen in Gesprächen zu beurteilen ob der Patient krank oder klar ist und daraufhin ein Urteil zu fällen ob aktive Sterbehilfe "angebracht" ist oder nicht.

Deine Probleme (Selbsthass u.a.) und dein leiden so wie du es hier beschreibst haben vermutlich irgendwo eine tiefgründigere Ursache, keiner von uns hier ist ausgebildet bzw. hat über eine solche Plattform eine Chance dir zu helfen. Das du der Gesprächstherapie nichts abgewinnen konntest kann sowohl an mangelnder Kompetenz des/der Therapeuten/in liegen als auch an nicht vorhandenem willen, etwas zu verändern/verbessern. Therapie ist ein Prozess in dem Psychiater und Psychologen begleiten und unterstützen können - den Weg wirst du aber trotzdem (zumindest zum Teil) selbst gehen müssen.

Da du hier sagst du bist einer der 0,01%-Personen die am "Point of no Return" angekommen sind muss ich einfach auch fragen: Welche Hilfe hast du bisher in Anspruch genommen? Wie viele Medikamente ausprobiert? Wie viele und wie lange waren deine Klinikaufenthalte? - Du bist erst 18 Jahre alt und berufsbedingt habe ich Leute kennengelernt, die Krankenakten in der Psychiatrie haben mit denen könntest du möglicherweise eine Autobahn pflastern. Was ich sagen will: Ich glaube nicht, das mit gerade mal 18 Jahren wirklich alle Therapien sowohl Psychologisch als auch Pharmakologisch ausgereizt wurden und du an oben genannten Punkt aus medizinischer Sicht angekommen bist. Dein Gefühl, das du dort angekommen bist und das du keinerlei Ausweg siehst (was ein Symptome von Depressionen ist) spreche ich dir damit auf keinen Fall ab!

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Such dir Hilfe! Jede größere Stadt hat ein Bezirkskrankenhaus / eine Psychiatrie die dich mit diesen Schilderungen sofort ohne wenn und aber aufnehmen muss und wird. Der weg in eine solche Klinik ist nicht einfach, das ist mir bewusst aber ich sehe keinen Sinn darin dich auf ambulante Hilfe zu verwiesen da ich anhand deines Textes einen größeren Hilfebedarf sehe. Wenn du es Zuhause, mit dir, deinen Gedanken nicht aushälst, melde dich beim Notruf unter 112. Die Mitarbeiter in den Leitstellen sowie im Rettungsdienst sind zwar weder Psychologen noch Psychiater aber Sie sind 24h - 7 Tage die Woche im Einsatz um Menschenleben zu retten und dabei ist es egal ob du eine Autounfall hattest oder die Depression dich zermartert.

Ich wünsche dir alles gute!

Gruß,
SebTM

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KaniDerBoss 10.05.2016, 03:37

Fachlich und empathisch sehr kompetenter Kommentar, vielen Dank für die Mühe und ja, ich habe noch nicht alle Medikamente ausprobiert, bisher Erfahrungen mit Escitalopram gesammelt, leider eher unwirksam in meinen Augen gewesen.

Weder denke ich, ich bin wirklich vollständig bei " klarem " Verstand, aber ich denke ich komme auch nicht  mehr wirklich zu " klarem " Verstand, was wohl ganz klar eine der Kernursachen für mein verzweifeln ist. Gepaart mit der verzerrten Selbstwahrnehmung kommt es mir letztlich so vor als sei es zum entrinnen aus diesem Loch zu spät, auch für mich klingt diese Denke irrational, aber es fühlt sich wie ein Fakt an...   

Nochmals vielen Dank für die aufgebrachte Zeit, ich weiß das zu schätzen.

LG Kani ! 

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Hi
Ich, w23, finde deine threads sehr interessant, da es mir gerade selbst ähnlich/so geht.
Ich habe keine Perspektive auf dieser Welt irgendetwas zu erreichen oder aus meinem Leben zu machen. Es ätzt mich an dass alle in meinem Umfeld ihre dinge geregelt kriegen nur ich nicht. Dazu kommt nun noch, wie bei dir, mein selbst Hass. Ich treffe in einer tour falsche Entscheidungen, als würden sie mich magisch anziehen. Alles was ich nun noch tun könnte will ich nicht mehr tun, da ich so oft gekämpft habe und letztendlich nichts zu etwas geführt hat. Heute stehe ich trotz vieler gutgemeinter versuche wieder am selben sch*** Punkt wie schon vor genau vier Jahren, und 6 Jahren etc.
Vor ein paar Wochen habe ich mich nun auch noch von meinem Freund getrennt. Seitdem wohne ich (wieder) bei meiner Mutter und kann mich zu nichts aufraffen. Wir Wohnen in einer sehr kleinen Wohnung in der ich im Wohnzimmer schlafen muss . Ich habe keinerlei Möglichkeit mich zu entfalten. Seit Wochen denke ich nun darüber nach wie gern ich doch alles von jetzt auf gleich beenden würde. Eine geeignete Methode habe ich bereits gefunden jedoch fehlt mir der Mut dies alleine durch zu ziehen. Jeden abend im Bett hoffe ich daher auf ein 'wunder' /eine erlösung - dass ich einfach nicht mehr aufwache oder sich meine Existenz gänzlich in Luft auflöst. Puff! ....Oder dass sich jemand findet der diese Gedanken mit mir teilt.

Vielleicht willst du ja etwas mit mir schreiben/reden
Bitte meld dich doch einfach!
LG bese

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KaniDerBoss 11.05.2016, 10:39

Hey, ich fand deinen Text unglaublich berührend und es schien mir bemerkenswert, wie nahe dieser zum Teil meinem eigenem Erleben kommt.

Ich bitte gerade zu darum, dass du dich meldest. ^^ :)

Schreib mir einfach an per PN, sende eine Anfrage... Du kannst mich auch über facebook adden... 

Ganz liebe Grüße und bitte lass uns mal quatschen, bevor die dummen Gedanken wieder überhand nehmen, einfach dem Stunk Luft machen. ;)

 

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bese234 11.05.2016, 11:26

Freut mich dass es klappt,

:) Bin leider noch neu hier und verstehe nicht so ganz wie man eine freundschaftsanfrage versendet oder eine pn schreiben kann. Wie kann ich dich über fb finden?

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Hallo!

Von welcher Seite ich die Frage auch versuche zu beantworten, ich schaffe es nicht.

Warum?

Die Wortwahl in der Frage

Was ist ein Selbstmörder? Für mich ist das jemand, der seinem Leben ein Ende bereitet hat. Er ist also schon tot, deshalb kann er sich nicht mehr rechtfertigen.

Ok, ich ersetze das Wort Selbstmörder durch "Suizidaler" oder "ein Mensch der darüber nachdenkt sich umzubringen", vielleicht hast Du es so gemeint. Dieser Mensch lebt also noch.

Nun kommt das Wort "rechtfertigen".

Kann ein Suizidaler seinen zukünftigen Akt der Selbsttötung (in diesem Rahmen) rechtfertigen?

Keine Ahnung. Der eine kann es vielleicht, der andere nicht. Das ist die Frage nach der Fähigkeit. Ist der Suizidale in der Lage seinen zukünftigen Akt zu rechtfertigen? Die Frage kann nur er selbst beantworten.

Vielleicht meinst Du anstelle von "kann", ist es moralisch vertretbar, seinen Suizid zu rechtfertigen? Darf er ihn rechtfertigen? (in diesem Rahmen...)

Bei "darf" frage ich mich: warum "darf"? Wer verbietet es? Wer erlaubt es?

Würde die Frage lauten "ist es moralisch vertretbar", dann würde ich versuchen über Moral nachzudenken. Was ist Moral? Für wen? Was hat Moral mit einem Suizid zu tun? Oder was hat ein Suizid mit Moral zu tun? Ist die Frage der Selbsttötung eine moralische Frage? Die Frage kann ich auf die Schnelle nicht beantworten, aber ich finde sie interessant.

Oder ist es die Frage nach dem "Wie"? Wie kann man seinen Suizid rechtfertigen? Ich weiss es nicht.

Nun zum Wort rechtfertigen: Warum eine Rechtfertigung? Wem gegenüber? Sich selbst? Anderen? Der Gesellschaft? Freunden? Der Familie?

Für mich wäre da "Warum überhaupt rechtfertigen?" die Kernfrage.

Hat der Suizidale das Bedürfnis sich zu rechtfertigen, bedeutet es, dass er noch gewisse Beziehungen zu anderen Menschen hat, denn wenn er die nicht hätte, dann gäbe es die Frage nach der Rechtfertigung nicht.

In der Frage steckt auch der Wunsch zu wissen, wie andere über seinen eventuellen Suizid denken. Folglich wären "andere"; "die anderen", "die Welt" ihm nicht ganz egal, sie haben noch eine Bedeutung für ihn und von daher hätte auch das Leben noch eine Bedeutung, auch wenn es z.Zt. leidvoll ist.

Zuletzt noch einmal die Frage "Warum überhaupt rechtfertigen?" Ich meine dass dieser letzte Akt, den ein Mensch durchführen kann, keiner Rechtfertigung bedarf. Jeder ist für sein Leben verantwortlich. Jemand, der sich zu diesem ultimen Schritt entschlossen hat, hat sich von Verpflichtungen, von Bindungen zur Welt und zum Leben getrennt. In einer Rechtfertigung sehe ich dann keinen Sinn.

Ich wollte noch etwas zu "in diesem Rahmen" schreiben, muss aber jetzt weg.

Grüsse

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KaniDerBoss 10.05.2016, 08:13

Sehr interessante Blickwinkel die du geliefert hast.

Gruß Kani !

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Hallo,

grundsätzlich REIN OBJEKTIV betrachtet, kann man alles irgendwie rechtfertigen. Vor allem in der Psychiatrie. 

Letzten Endes ist die Psyche ein komplexes "Geschehen" das bisher noch immer nicht verstanden werden kann. 

Die einzige Person die etwas daran verändern kann ist man selbst, Psychiater und Psychologen können nur begleiten. 

Natürlich liegt hier eine nicht gesunde Psyche zu Grunde, welches eventuell mehr bedarf als "warme Worte". 

Vielleicht sollte man auch einfach die eigene "Trägheit" und Depression mit Zwang überwinden und etwas tuen, auch wenn man antriebslos ist und es mit unter sehr schwer wird.

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Wieso sollte ein anderer die Verantwortung für deinen Tod übernehmen? Wenn du dein Leben beenden willst, ist es deine Entscheidung, du kannst darüber bestimmen ob du weiter lebst oder nicht.

Ich bin gerade nicht ganz sicher aber ich meine, dass es in der Schweiz eine Möglichkeit gibt/gab seinem Leben kontrolliert ein Ende setzen kann/konnte. Mit allem Drum und Dran, alles war geregelt. Allerdings waren es alte, kranke Menschen, die ganz bewusst ihrem Leben ein Ende gesetzt haben.

Ob es bei dir auch klappen würde, wage ich zu bezweifeln. Also, es geht dir schlecht, du glaubst nicht daran, dass man dir helfen kann. Ok und nun? Was erwartest du jetzt von den GF Usern?

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Ich denke das ist zwar keine gute Antwort auf deine Frage aber, du solltest einen Blog schreiben oder eine Website errichten wo du reinschreibst wie man sich fühlt.
Es ist eine Hilfe für viele Sozialpädagogen die sowas nie erlebt haben und immer mehr Jugendliche betreuen die Depressionen haben.
Ich z.b habe sie auch und mein Betreuer auch nur aus diesem Grund kann er sich in meine Lage hineinversetzen und ich denke mit deinem können im Beschreiben von Gefühlen und der Information über Depressionen (Eigenerfahrung) kannst du damit sehr gut der Gesellschaft helfen Jugendliche zu verstehen.

Vieleicht hilft dir das ja weiter und lässt dich wieder sinn am Leben haben ich würde dir Vorschlagen sowas zu versuchen :)

Uch wünsche dir sehr viel Glück dabei

Mfg. Dustin

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Ich wurde mit Autismus geboren, Psychologe und Pädagogen wollten mich ins Internat schicken. Dort würde ich nie eine Perspektive haben... das bedeutet - keine Arbeit, Familie, nicht draußen laufen... Dank meines Mutters, ihre Geduld, wurde ich besser geworden. Im Alter Pubertät gerät ich Probleme und hatte Depression. Aber ich habe mich selbst geheilt, mich selbst Selbstbewusstsein erhöht und mich selbst schlauer gemacht. Psychologe sind schwach. 
Wenn du meine Zitate vertiefst, wirst vllt selbst heilen. 

Quelle von Depression können harmlose Informationen sein z.b wenn man zu viel Verführungskunst beschäftigt, aber ohne Erfolg.

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