Kann ein Mensch vernunftgemäß wirklich nicht wollen, dass seine Talente verkümmern?

3 Antworten

Das Wichtigste ist das Talent der Vernuft nicht verkümmern zu lassen.

Was Kant nicht berücksichtigt hat, ist dass Talente nicht immer positiv sind. Es ist durchaus vernünftig, ein Talent als Folterknecht verkümmern zu lassen. Auch künstlerische Talente muss man nicht so weit entwickeln, dass die Menschlichkeit bei der Jagd nach Erfolg verloren geht.

Und davon gibt es in DE reichlich Nachholbedarf.

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Ehrlich gesagt, für mich ist das 100 %ig nachvollziehbar. Es gibt geniale Talente, die im Verborgenen schlummern, ungenutzt, unbefruchtet, eine verschwenderische Fülle an Poesie, an Wissen und Musik, an - das klingt jetzt vielleicht etwas befremdlich - göttlich schönen Botschaften, die lediglich ein adäquates Medium benötigen, um vielen Menschen etwas zu schenken, das sie bis ins Herz, ja, bis in die Seele hinein berührt. Es wäre, um bei Immanuel Kant und dem kategorischen Imperativ zu bleiben, durchaus vernünftig und - gerade im heutigen Weltgeschehen - auch eine Pflicht, die Menschen zu beschenken mit Sichtweisen, die sie nicht erneut zu Äußerlichkeiten verführen (zum Beispiel den neuesten Modetrend), sondern sie behutsam mit Verständnis und Zartgefühl zurückführen zu ihren eigenen Wurzeln und ihren echten Bedürfnissen. Werden diese tröstenden, aufbauenden, tiefsinnigen Sichtweisen anerkannt, übernommen, bestenfalls ins Leben integriert? Das ist nachrangig. Niemand kann dafür garantieren. Jeder Mensch hat seinen individuellen Entwicklungsstand und wird oder kann für sich angstfrei und zwanglos das übernehmen, was seinem Wesen entspricht. Es liegt mir fern, Religionsdiskussionen zu initiieren. Es geht um die Essenz. Nehme ich alleine die Jugendlichen, die vernachlässigt zu Drogen & Alkohol greifen, dann kann ich Immanuel Kant nur zustimmen. Und es sind nicht nur die Jugendlichen, die sich doch im Grunde genommen nach Orientierung, nach Halt und Hilfe zur Selbsthilfe sehnen, wobei lebensverneinende Frömmelei bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Wer solche Talente in sich trägt und sie verkümmern lässt, handelt unvernünftig und - ich bitte um Entschuldigung für meine unverblümte Offenheit - im Kantschen Sinne unmoralisch.

"Der kategorische Imperativ ist deontologisch, das heißt, er bezieht sich auf den Begriff der Pflicht. Es wird eben nicht bewertet, was die Handlung bewirkt, sondern wie die Absicht beschaffen ist. Wenn der Wille gut ist, dann ist auch die Handlung moralisch gerechtfertigt. Der Wille zum Guten allein ist das, was moralisch gut ist." Das habe ich soeben abgetippt, das ist nachzulesen bei Immanuel Kant.

Die Entwicklung der eigenen Talente ist nicht notwendig.

Du hast die Vernunft im letzten Satz vergessen!

Die Vernunft gebietet es, nicht die Notwendigkeit.

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