Kann ein Luntenschloss-Hakengewehr eine Lederrüstung durchbohren?

8 Antworten

Ich weiss das die viel verbreitete Kalaschnikow bei 1500 m noch eine volle Durchschlagskraft besitzt, somit werden auch bei den alten Vorderladern mindestens 300 - 500 m moeglich gewesen sein?

Das diese Gewehre nicht praezise schossen, liegt nicht alleine am Lauf und der Kugel, die Pulverladungen hatten Abweichungen.

Die Lederweste wird durchschossen, der Bleikoerper ist danach schwer deformiert und reisst ein grosses Loch in einem Koerper.

Wir haben solche Sachen bei der Armee selber ausprobiert und Dinge dabei festgestellt, die den Anleitungsprospekten Luegen strafen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Auf der Distanz hat man wohl kaum vom richtigen zielen/treffen reden können. Viele hatten damals wenn überhaupt nur offene Visierungen. Heutzutage schießt man mit Repliken einer sharps rifle die speziell modifiziert wurde auf solche distanzen

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Die Geschosse derartiger Waffen waren im Vergleich zu modernen Waffen sehr groß und schwer (rund 15 - 20 mm Durchmesser), das Spiel zwischen Geschoß und Lauf (z. T. beabsichtigt, wegen leichterem Nachladen (Vorderlader)) relativ groß, die Leistungsfähigkeit der Treibladung (Schwarzpulver, oft mäßige Qualität) im Vergleich zu modernen Pulvern (Nitrozellulose) wesentlich geringer. Die alten Musketen haben Mündungsgeschwindigkeiten der Geschosse von rund 250 m/s, moderne Gewehre rund 800 m/s und mehr.

Daher war die Durchschlagsfähigkeit von Musketengeschossen verglichen mit der von modernen Waffen wesentlich geringer. Was nicht heißen soll, daß diese Waffen Spielzeug waren, schließlich waren sie sehr erfolgreich und bedingten letztendlich das Ende der Ära der schweren Körperpanzerungen, wie sie die Ritter trugen, und auf kürzere Distanzen (geschätzt 150 m) waren sie nahezu genauso wirksam wie moderne Munition. Die geringere Geschwindigkeit wurde durch das hohe Geschoßgewicht bis zu einer bestimmten Entfernung ausgeglichen.

Bei Deinem Szenario würde ich erwarten, daß das Geschoß (Blei) die Lederweste problemlos durchschlägt (dabei jedoch ein wenig abgebremst und plattgedrückt wird), ca. 10 cm in den Körper eindringt (abhängig davon, ob noch ein Knochen im Weg ist, der ggf. noch zerschlagen werden würde), und dann stecken bleibt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

PS: Endlich mal ne interessante Frage, die nicht mit Geschlechtsteilen, ekligem Aussachlag ("Was kann das sein?"), Hausaufgaben, Liebeskummer, "Findet ihr mich toll?" oder "zu faul zum Googlen" zu tun hat. :-)

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Bei 150m Distanz kann man froh sein wenn die Kugel überhaupt soweit flog

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@schlappeflicker

Aber sicher flog die so weit, und ich möchte auch bei 250 m nicht von einem Musketengeschoß getroffen werden, auch wenns eine aus dem 15. Jahrhundert ist.
Die übliche Feuereröffnungsdistanz aus Zeiten der "Linieninfanterie" (Schützenlinien, die Musketentechnik war noch weitgehend gleich wie bei der Vorgängerwaffen) war zwischen 100 und 50 m (je nach Mut und Nervenstärke der Kommandierenden...)

Das Problem jener Waffen war weniger die Wirkung, als die mangelnde Treffgenauigkeit (Glattlauf, großes Spiel zwischen Kugel und Lauf).
Ein einzelnes Ziel mit einem einzelnen Schuß zu treffen dürfte mit einer Muskete mit glattem Lauf daher ab Entfernungen von rund 20 m reiner Zufall gewesen sein.
Das änderte sich erst mit Erfindung der gezogenen Läufe...

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@pendejo

Danke, aber reenactor der in der Szene Mal aktiv war, weiß ich um die Distanzen bei der linie

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@schlappeflicker

Freut mich sehr, wenn Du historisch bewandert bist, und ich laß mich gerne belehren, wenn Du was besser weißt.
Aber als Soldat, der eine sehr lange Ausbildung im Bereich Munitionstechnik und z. T. Waffen geniessen durfte, wage ich zu behaupten, daß ich auch zu deren Wirkung die eine oder andere Aussage treffen kann, ohne ganz daneben zu liegen, auch wenns historische Waffen betrifft. ;-)

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Was verstehst du unter "einer Handvoll Meter"? Ein Mensch in einer leichten Lederrüstung wird auf kurze Entfernung mit großer Sicherheit komplett durchschlagen. Selbst die meisten Plattenpanzer wurden zumindest einseitig durchdrungen. Hakenbüchsen schossen zwar nicht sehr genau, aber harmlos waren sie deshalb noch lange nicht. Und im Gegensatz zur landläufigen Meinung bestand die Kugel keineswegs immer aus Blei, sondern es wurden sehr häufig auch Eisenkugeln verschossen. Eine Lederrüstung bietet da so gut wie gar keinen Schutz mehr.

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