Kann die Seele eines Menschen nach dem Ableben wirklich weiter existieren? Denn vor unserer Geburt waren wir ja auch einfach "nicht da"?

15 Antworten

Die Vorstellung, dass der Mensch sich in Körper, Geist (Bewusstsein) und Seele aufteilen lässt und jedes dieser Teile eine eigene Einheit (Entität) für sich darstellt, die getrennt von den anderen existieren kann, geht auf das mechanistische Weltbild von René Descartes zurück. Der behauptete im 17. Jahrhundert, jedes Tier und auch der Mensch seien wie ein Uhrwerk aus einzelnen Rädchen aufgebaut, die man einzeln herstellen und betrachten könne und wenn man die Einzelteile und deren Funktion verstünde, dann verstünde man auch den Gesamtmechanismus. Das war eine reduktionistische Betrachtungsweise die darauf beruht, dass man jeden komplizierten Mechanismus wie auch den Menschen auf die Funktion seiner Einzelteile reduzieren könne. Diese Betrachtungsweise wurde auch von den Religionen übernommen, die daher Körper, Seele und Geist für sich getrennt betrachten und ihnen jeweils eine eigene Existenzmöglichkeit unabhängig von den anderen Teilen zuschrieben.

Diese reduktionistische Betrachtungsweise ist in der allgemeinen Bevölkerung und insbesondere unter Gläubigen nach wie vor weit verbreitet. In den Wissenschaften ist sie aber längst widerlegt. Da hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass komplexe Systeme grundsätzlich irreduzibel sind. Sie lassen sich nicht auf die Funktion von Einzelteilen (Systemelementen) reduzieren. Damit hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, die schon Aristoteles in seiner Metaphysik formulierte: „Das, was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, dass es ein einheitliches Ganzes bildet – nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe –, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile….“ oder verkürzt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.

In diesem Lichte betrachtet ist der Mensch nur als Gesamtsystem sinnvoll zu betrachten. Körper, Geist und Seele sind keine tatsächlich vorhandenen Einzelteile sondern es sind menschliche Kategorisierungen, die lediglich Teilaspekte der Gesamtheit Mensch betrachten. Tatsächlich sind sie aber nicht unabhängig voneinander existent und es können daher auch keine klaren Grenzen zwischen diesen Kategorien gezogen werden. Alle drei sind voneinander abhängig und stehen in ständigen Wechselbeziehung zueinander und bedingen sich gegenseitig. Keines dieser drei virtuellen Elemente kann ohne die beiden anderen existieren.

Natürlich gibt es die Vorstellung von Descartes zu Leib und Seele, aber die Seelenlehre geht im Christentum sehr weit zurück, so ist sie Bestandteile der Lehre Thomas von Aquin und schon viel früher setzte sich Augustinus damit auseinander.

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@nobytree2

Was aber nichts am reduktionistischen Konzept ändert, welches wissenschaftlich nicht mehr haltbar ist bei komplexen Systemen fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes, wie der Mensch eines darstellt.

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@Hamburger02

Jain. Was sagst du denn dazu, dass eine Zelle den gesamten Bauplan des Menschen enthält? Man kann aus einer Zelle den Menschen rekonstruieren. Insofern hatte Descartes nicht ganz unrecht. Auch ohne Seele.

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Hallo EPL30,

in vielen Religionen wird gelehrt, die Seele sei ein unsterblicher Teil im Menschen, der nach dem Tod in einem jenseitigen Dasein weiterlebt. Die Bibel sagt jedoch etwas ganz anderes über den Begriff "Seele".

Dort ist das Wort "Seele", wie es die Bibel gebraucht, ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes "néphesch" bzw. des griechischen Wortes "psyché". Wörtlich stehen diese Begriffe für "atmendes Geschöpf" bzw. "Lebewesen". Mit Seele ist somit das gesamte lebende Geschöpf gemeint und nicht ein ( unsterblicher) Teil von ihm.

Durch folgenden Bibeltext wird dies bestätigt: "Da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele" (1. Mose 2:7 Elberfelder Bibel). Beachte bitte, dass es hier heißt, dass der Mensch eine Seele wurde und nicht, dass er eine Seele bekam.

Oder denke z. B. auch an folgende Aussage: "Was irgendeine Seele betrifft, die an ebendiesem Tag Arbeit von irgendwelcher Art tun wird, diese Seele muss ich aus den Reihen ihres Volkes vernichten" (3. Mose 23:30). Aus diesem Text geht klar hervor, dass mit Seele die ganze Person gemeint ist. Die Bibel lehrt also keine Zweiteilung von Körper und Seele.

Die Seele ist auch nicht unsterblich, wie viele denken. Deswegen steht in Hesekiel 18:4: "Siehe! Alle Seelen — mir gehören sie. Wie die Seele des Vaters, ebenso die Seele des Sohnes — mir gehören sie. Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben."

Mehrmals ist in der Bibel auch zu lesen, dass eine Seele unter bestimmten Umständen "vom Volk [Israel] abgeschnitten" werden soll (siehe 3. Mose 7:20, 21; 3. Mose 19:8). Hiermit ist gemeint, dass eine schwere Sünde mit dem Tod bestraft werden sollte.

Das Wort "Seele" wird in der Bibel nicht immer nur auf die Person als Ganzes angewandt, sondern steht manchmal als Synonym für das Leben. So heißt es beispielsweise im Buch Hiob, Kapitel 33, Vers 22: "Und seine Seele nähert sich der Grube Und sein Leben denen, die den Tod zufügen." (andere Beispiele sind in 2. Mose 4:19 und Richter 9:17 zu finden).

Warum aber wird in so vielen Glaubensgemeinschaften gelehrt, die Seele sei unsterblich? Wenn diese Lehre nicht aus der Bibel stammt, woher kommt sie dann? In einem Bibellexikon steht unter dem Stichwort "Seele" folgendes:

"Als S[eele] ist der Mensch sterblich ... Das hängt mit der ganzheitlichen Sicht der Bibel vom Menschen zusammen. Die griech. von Plato bestimmte Trennung von unvergänglichem Leib und unsterblicher S[eele] ... ist dem bibl. Denken fremd." (Calwer Bibellexikon). Die Vorstellung einer unsterblichen Seele entstammt demnach der griechischen Philosophie und nicht der Bibel. Jeder kann für sich selbst entscheiden, was er für glaubwürdiger hält.

LG Philipp

Die Seele existiert nicht von selbst. Das ist ungefähr so wie beim Handyempfang. Wenn der Sat nur ein paar Sekunden mal nicht sendet, nutzt dir das beste Handy nichts mehr. Der Empfang muss kontinuierlich vorhanden sein, damit was funktioniert. Die Seele ist genauso in jedem Moment darauf angewiesen, dass sie am Leben erhalten wird. Sie ist nicht nur in dem einen Moment der Zeugung geschaffen worden, sondern sie wird permanent am Leben erhalten, permanent gezeugt.

Und was Gott einmal geschaffen hat, das kann nicht wieder zu nichts werden. Der Tod des physischen Leibes hat darauf keinen Einfluss. Der Tod ist ein Durchgangsstadium. Danach geht es einfach anders weiter. Aber es geht weiter, weil die einmal ins Dasein gerufene Seele nicht wieder ins Nichts zurücksinken kann.

Kann die Seele eines Menschen nach dem Ableben wirklich weiter existieren?

Daran glaube ich. Ich bin Christ, ich glaube an ein ewiges Leben nach dem Tod. Ich glaube an ein Wiedersehen im Paradies. Ich glaube nicht, dass man nach dem Tod in einem anderen Körper ein anderes Leben auf der Erde hat (z. B. als Tier oder in einer anderen Familie).

Wenn Du einiges wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott und ein ewiges Leben nach dem Tod gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Ja, kann sie.

Wenn wir für die Implikation annehmen, dass es eine Seele gibt, dann können wir auch die Eigenschaft der Unsterblichkeit annehmen, wie es auch sehr viele Religionen und Philosophien tun.

Die Entstehung der Seele aus dem Nichts basiert auf einer Schöpfung Gottes, der uns ontologisch übergeordnet ist, der also Sein schaffen und erhalten kann. Wenn Gott etwas wie die Seele schafft, dann müsste Er es auch wieder aus dem Dasein herausnehmen, dass aufhört zu sein, denn ansonsten existiert es weiter, solange Gott will.

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