Kann Deutschland nicht einfach seine Binnenwirtschaft stärken und sich der Krise entziehen?

5 Antworten

Du beschreibst das, was im Moment (d. h. in den letzten 2-3 Jahren) tatsächlich in Deutschland geschieht. Allerdings nicht aufgrund von Lenkungspolitik, sondern als indirektes Ergebnis mehrerer Effekte:

- Die Exporte, um Importe von Vorleistungsgütern bereinigt, steigen nicht mehr ganz so rasant wie bis vor ca. 4 Jahre noch.

- Die Niedrigzinspolitik macht für Verbraucher das Sparen unattraktiv, d. h. das Geld geht verstärkt in den Konsum.

- Weiterhin hatten wir speziell letztes Jahr in Deutschland recht gute Tarifabschlüsse für Arbeitnehmer. Das stärkt auch die Kaufkraft.

Alles zusammen führt dazu, dass der Anteil der Binnenkonjunktur am Gesamt-BIP über die letzten Jahre angestiegen ist.

Allerdings sind diesem Wachstum Grenzen gesetzt, die primär vom Staat selbst kommen: zum einen hat unser Staat nach wie vor viel zu hohe Konsumausgaben, zum anderen investiert er lieber in punktuierte Wohltaten für Klientele, als breitflächige Entlastungen z. B. bei Steuern und sonstigen Abgaben umzusetzen.

Würde unter unseren Bedingungen der Export mal richtig einbrechen, läge die Binnenkonjunktur auch innerhalb kürzester Zeit am Boden. Abhilfe würde nur eine deutliche Verschlankung des Staatsapparates und Deregulierung auf allen Ebenen bringen. Da das in Deutschland aber gemeinhin als "neoliberal" verschrien ist, wird es dazu nicht kommen.

eine Verschlankung des Staatsapparats führt erst mal zu weniger Aufträgen für Unternehmen und weniger Kaufkraft durch weniger Beamte. Das wäre erst mal also schlecht für die Nachfrage. Du hast aber recht, gerade diese Klientelpolitik macht mir sorgen.

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@TheKoko

Es ist klar, dass ein "Kahlschlag" z. B. bei der Zahl der direkten Beschäftigten des Staates erstmal zu Kaufkraftverlusten führen würde. Wenn man den Staat selbst und die staatlich stark regulierten Bereiche in Deutschland zusammen nimmt, dann arbeitet ungefähr jeder Zehnte in einem Job, der letztlich von Steuergeld finanziert wird. Allerdings zeigt diese Zahl auch auf, dass das Abwärtspotenzial bei Verschlankung des Staatsapparates begrenzt ist. Es sind eben halt "nur" 10 %.

Sinnvoll wäre es aber wohl, eine Ausgaben-Umlenkung vorzunehmen. Weg von den konsumptiven Ausgaben hin zu Investitionen. Also Bedienstete in den Verwaltungen abbauen, dafür die marode Infrastruktur sanieren und dafür ein paar Milliarden in die Hand nehmen. Die Jobs würden bei so einer Verlagerung halt woanders sein, aber es gäbe wenigstens einen langfristigen Mehrwert für die Allgemeinheit.

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Binnenwirtschaft ist ein rein statistischer Erfassungsbegriff. Unter den Bedingungen der Globalisierung gibt es eine Binnenwirtschaft rein wirkungsmäßig nicht mehr. Dazu ist unsere Wirtschaft zu sehr auf allen Ebenen international verflochten. Da lassen sich die Wirkungen nicht mehr auf ein Land herauslösen. Wenn wir momentan viel konsumieren, dann weil wir durch die starke Exportindustrie auch gute Löhne und Gehälter haben und die ist wieder stark, weil die EZB den EURO künstlich niedrig hält und das wieder macht sparen unattraktiv, weshalb die Leute mit dem guten Lohn das Geld lieber ausgeben als sparen. Eine Wirtschaft, die brummt, zieht auch ausländisches Kapital an und wir selbst, wenn wir viel konsumieren, machen die ausländischen Exporteure froh. Das könnte man unendlich fortführen. Ganze Industriezweige - Bekleidung, Schuhe, Elektronik - poduzieren größtenteils im Ausland und managen ihre Produkte nur noch von hier.

Was ist denn ein niedriger künstlicher Euro? Ein 10 m Turm zum darübersteigen? Oder was?

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@joeluc

@ joeluc

Witzig! Echt witzig. Ansonsten zeugt Deine eigene Antwort nicht von einem Wirtschaftsgenie. Gerade beim Export in Nicht-EURO-Länder verbilligt der von der EZB künstlich entwertete EURO die Exporte und verteuert die Importe. Und Marktwirtschaft, die Allheilige! Die ist doch in wichtigen Bereichen längst unterhöhlt und die EZB gibt ihr jetzt den Rest.

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