Kann der Chef mich kündigen wenn ich Überstunden verweigere?

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6 Antworten

Tja...das ist wieder so ein "Gutsherrenart"-Ding.

Natürlich ist Dein Vorarbeiter im Unrecht, schliesslich warst Du eben arbeitsunfähig und nicht (!!!) im Urlaub. Wenn er das nicht kapieren will, musst Du mit seinem Chef (und ihm) sprechen, das ist schlicht "Bossing".

Aber wie das Leben so spielt, seid ihr bestimmt so ne kleine Klitsche ohne Betriebsrat. Wenn Du das nicht geregelt kriegst, bleibt Dir nur noch, einen neuen Job zu suchen, wenn Du das nicht ertragen willst.

Im deutschen Recht sind krangeschriebene Zeiten der Arbeitszeit gleichzusetzen. Dabei ist nicht die SOLL-Arbeitszeit, sondern die IST-Arbeitszeit anzusetzen. Solltest Du also normalerweise z. B. pro Woche im Durchschnitt 5 Überstunden machen, so ist im Krankheitsfall auf Basis von 40 Wochenstunden zu zahlen. Genauso werden andere Lohnleistungen wie Sondergratifikationen usw. einzurechnen.

Nachholen musst Du wegen Krankheit gar nichts. Bedenke aber, dass es in kleineren Unternehmen nicht wirklich einen Kündigungsschutz gibt.

1. Samstage sind normale Arbeitstage. Außer im Arbeitsvertrag ist eine 5 Tage Woche von Montag bis Freitag festgesetzt.

2. Kein Arbeitgeber rechnet deine private Fahrtzeit zur Dienstzeit. Was das angeht, zieht er dich also auch nicht über den Tisch! Kommst du mit der abgezogenen privaten Fahrzeit auch immer noch über 35 Stunden?

3. Deine Krankenstandszeit ist KEIN Urlaub. Und so darf er diese Zeit auch nicht behandeln. Diese

Maikelfutmie 26.09.2017, 13:38

Da habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt, entschuldige. Also 

1. 35 Stunden / Woche - Mo - So so verstehe ich das 

2. Meine Arbeitszeit beginnt wenn ich in der Firma in den PKW steige und mit den Kollegen die einzelnen Kunden abfahre damit wir die Dienstleistung erbringen können. Das ist 05.00 Uhr morgens und wenn ich 17 Uhr ca. auf dem Hof bin den PKW abstelle dann endet diese zeit. Meine Fahrt hin und zurück von Haus ist dort nicht mitberechnet. Der Vorarbeiter allerdings erklärte mir nur die Zeiten die wir tatsächlich bei den  Kunden sind wird als Arbeitszeit gerechnet, nicht die Fahrtzeiten 

3. Ich hatte einen Arbeitsunfall, er nennt es aber ich war im Urlaub

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MaryLynn87 26.09.2017, 13:42
@Maikelfutmie

1. Sonntage zählen in Deutschland wie Feiertage. Wenn du diese Tage arbeiten musst, dann gibt es dafür einen 100% Feiertagszuschlag (das ist die Österreichische Regelung. Müsstest du nachprüfen, ob sie für D auch gilt)

2. Wenn das Fahren offiziell zu deine Aufgaben gilt, dann ist das für dich auch zur Arbeitszeit zu zählen.

3. Bleib bei Krankenstand.

Es gibt Anwälte bei denen du dich zum Teil auch kostenlos in solchen Fällen beraten lassen kannst. Wenn du keinen in deiner Nähe finden kannst, kannst du auch beim Jobcenter nachfragen. Die haben viele Kontakte und können dir vielleicht weiter helfen.

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DinoSauriA1984 26.09.2017, 13:45

Du meinst, ein Fahrer der fährt, tut das nicht in seiner Dienstzeit? Wenn er, wie er schreibt, Kollegen zum Einsatzort fährt, ist das eindeutig Dienstzeit. Sowohl für ihn, wie auch für die Kollegen, die er fährt.

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MaryLynn87 26.09.2017, 13:48
@DinoSauriA1984

Ich habe den Fragesteller in dem Punkt missverstanden. Aber das hat sich ja schon aufgeklärt.

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Maikelfutmie 26.09.2017, 14:02
@MaryLynn87

Ja ich bin der Fahrer der die Kollegen von einem Arbeitsort zum anderen fährt. Was interessant klingt ist jetzt die Sache das DU geschrieben hast es zählt als Dienstzeit für mich und für die Kollegen. er zahlt diese Zeit niemanden. Nur die Stunden die wir am Einsatzort arbeiten. 

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Familiengerd 26.09.2017, 17:46
@Maikelfutmie

Wenn die Kollegen erst zum Betriebsort kommen müssen und dann zum Einsatzort gefahren werden, dann zählt die Arbeitszeit ab dem Betriebsort!

Die Fahrt vom Betriebsort zum Einsatzort ist also Arbeitszeit!!

Ihr werdet "von vorne bis hinten" vom Arbeitgeber "beschissen"!!

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Mamoal 27.09.2017, 14:08

--3. Ich hatte einen Arbeitsunfall, er nennt es aber ich war im Urlaub--
Du hast doch sicherlich ein ärztliches Attest über den Unfall?

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Die Krankschreibung hat damit nichts zu tun. Wichtig ist, was im Arbeitsvertrag steht zum Thema Mehrarbeit, Arbeitszeit und welche Wochentage gearbeitet wird.

Vielleicht könntest du den Arbeitsvertrag ( ohne persönliche Kenndaten, Namen) Hier mal posten. Ansonsten ist eine qualifizierte Aussage nicht möglich.

Das mit der 35 Stundenwoche das ist einfach nur ein Trick vom Arbeitgeber.

Das heißt du arbeitest 35 Stunden und regelmässig kommen noch 5 "Überstunden" drauf. Also im Prienziep wie eine 40 Stundenwoche.

nur bei Krankheit oder Urlaub, tada, da muss der aRbeitgeber nur die 35 Stundenwoche zahlen.

Dann kommt noch das Arbeitszeitgesetz dazu. Es besagt das die regelmässige durchschnittliche tägliche Arbeitszeit 8 Stunden am Tag betragen soll. Das heißt über einen längeren Zeitraum sollen Überstunden dann als Freizeit ausgelichen werden.

Als Überstunden sind maximal 10 Stunden am Tag erlaubt.

In absoluten Notfällen auch mal 12 Stunden am Tag

zwischen zwei Schichten müssen mindestens 11 Stunden liegen.

Maikelfutmie 26.09.2017, 13:18

So ungefähr kommt das hin, ich habe am Monatsende meist mehr Stunden wie eigentlich festgesetzt. Kann ich außer kündigen etwas anderes machen? 

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Familiengerd 26.09.2017, 13:35

nur bei Krankheit oder Urlaub, tada, da muss der aRbeitgeber nur die 35 Stundenwoche zahlen.

Eben nicht - auch wenn das in der Praxis viel zu häufig rechtswidrig so gehandhabt wird.

Wenn ein Arbeitnehmer regelmäßig und dauerhaft länger als vertraglich vereinbart arbeitet, ist erstens ein stillschweigende Vertragsänderung zustande gekommen, und zweitens müssen dann die Überstunden bei der Berechnung von Urlaubsentgelt, Lohnzahlung an Feiertagen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall berücksichtigt werden.

Außerdem ist bei Urlaubsentgelt, Lohnzahlung an Feiertagen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall das an zu berücksichtigender  Arbeitszeit maßgeblich, was ohne Urlaub, Feiertag und Krankheit gearbeitet worden wäre (Lohnausfallprinzip).

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Maikelfutmie 26.09.2017, 14:04
@Familiengerd

regelmässig dauerhaft länger als Vertraglich bedeutet? Durch die betriebliche Umstrukturierung (so nennt der neue Chef die Trennung von dem alten Geschäftsführer) gilt mein Vertrag ab 1.5.2017 

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Ifm001 26.09.2017, 17:24
@Maikelfutmie

... wenn Du sowas mit die machen lässt! Wenn jemand einen Betrieb übernimmt, übernimmt er auch die Mitarbeiter samt bestehendem Vertrag.

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Familiengerd 26.09.2017, 17:42
@Maikelfutmie

Wenn du keinen neuen Vertrag unterschrieben hast, gilt Dein bisheriger Vertrag weiterhin!

Der neue Eigentümer tritt in die Rechte und Pflichten der alten Verträge ein!

regelmässig dauerhaft länger als Vertraglich bedeutet?

Wenn du z.B. regelmäßig seit 1 Jahr statt vereinbarter 35 Wochenstunden 40 leistest.

Unabhängig davon ist noch bedeutender, was ich bereits geschrieben haben:

Du bist so zu bezahlen, wie Du bezahlt worden wärst, wen Arbeit nicht durch Urlaub, Feiertag oder Krankheit ausgefallen wäre!

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Habt Ihr einen Betriebsrat?

Maikelfutmie 26.09.2017, 13:13

Nein wir sind nur eine kleine Firma, sonst wäre mein erster Weg zum Betriebsrat. 

Der Geschäftsführer macht nichts, der Vorarbeiter hat Prokura und macht was er will. Wenn wir keinen Fahrer hätten würde ich das verstehen, aber wir haben genug Fahrer. 

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DinoSauriA1984 26.09.2017, 13:18
@Maikelfutmie

So wie Du die Situation beschreibst, sieht das beinahe nach Mobbing aus (vor allem, wenn es überwiegend nur Dir so geht). Mobbing ist eine Straftat, leider aber nur sehr schwer zu beweisen.

Ich kann Dir nur raten, Dich anwaltlich beraten zu lassen. Alles, was Du selbst machst, kann sich schnell als Bummerang für Dich erweisen, wenn es rechtlich nicht einwandfrei ist.

Mehr kann ich Dir hier auch nicht raten.

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Maikelfutmie 26.09.2017, 13:23

Seit ich aus der Krankheit zurück bin habe ich auch das Gefühl das der Vorarbeiter mich mobben möchte. Man kann nicht normal mit ihm reden, er antwortet nicht auf Nachfragen. 

Ok, da ich in meinem Vertrag nichts mit Überstunden habe wird es bestimmt schwer das mir der Chef Überstunden bezahlt oder Ausgleichstage gibt. Wenn ich kündige bekomme ich eine 3 Monatige Sperre vom Arbeitsamt, wenn er mich wegen Arbeitsverweigerung kündigt bekomme ich doch auch eine Sperre oder? 

Ich habe die mtl. Stundenzettel und könnte somit belegen wielange ich arbeite, nutzt mir das etwas?

Eine Notwendigkeit besteht nicht da wir über genug Fahrer verfügen die am Wochenende fahren könnten. 

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DinoSauriA1984 26.09.2017, 13:31
@Maikelfutmie

Ja, der nutzt etwas. Auch müssen Überstunden bezahlt werden, Vertrag hin oder her. Der Betrieb hat die Überstunden angeordnet. Gegen den Vorwurf der Arbeitsverweigerung gehst Du - im Kündigungsfall -  gerichtlich vor. Da geht der Arbeitgeber mit Mann und Maus unter. Du gehst Deiner Arbeit ja korrekt nach und hast sogar Überstunden vorzuweisen.

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, einer Gewerkschaft beizutreten? Die berät ihre Mitglieder auch in Arbeitsrechtsfragen.

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Maikelfutmie 26.09.2017, 13:44
@DinoSauriA1984

Nein habe ich noch nicht darüber nachgedacht, aber werde das schnellstens tun. Mit dem alten Chef lief alles super, es gab keine Kopfschmerzen und wir hatten immer Zeit über Probleme zu reden. Wir müssen von unseren Auftraggebern immer die Stunden unterschreiben lassen, diese geben wir alle 14 Tage ab damit die Rechnung gestellt werden kann. Seit September habe ich die Stunden noch, und als Fotodatei auch für längeren Zeitraum.

Also wenn ich jetzt verweigere am Samstag zu arbeiten wird er mich kündigen, das hat er mir schon gesagt. Dann würde ich also vor Gericht gehen und könnte so meine Stunden beweisen und das er mich zu Unrecht gekündigt hat? 

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Familiengerd 26.09.2017, 17:59
@Maikelfutmie

Also wenn ich jetzt verweigere am Samstag zu arbeiten

Damit hast Du aber tatsächlich "schlechte Karten", wenn die Wochenarbeitstage nicht festgelegt worden sind! Dann kann der Arbeitgeber sie bestimmen - Gewerbeordnung GewO § 106 "Weisungsrecht des Arbeitgebers" Satz 1:

Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach
billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind.

Hier ist aber auch vom "billigen Ermessen" die Rede.

Konkret heißt das, dass der Arbeitgeber bei seinen Entscheidungen zwingend die persönlichen Belange des Arbeitnehmers berücksichtigen und mit den betrieblichen Belangen abwägen muss.

Wenn die persönlichen Belange objektiv die betrieblichen Belange überwiegen, darf der Arbeitgeber seinen Anordnung nicht durchsetzen (z.B.: der Arbeitnehmer muss unausweichlich einen angehörigen pflegen, und der Arbeitgeber könnte mit zumutbaren organisatorischen oder personellen Problemen eine andere Einsatzlösung finden, ohne auf diesen Arbeitnehmer zurückgreifen zu müssen).

Im Streitfall muss darüber, welcher Belang objektiv überwiegt und ob der Arbeitgeber eine Anordnung durchsetzen darf, ein Gericht entscheiden.

So lange aber eine solche Entscheidung - wenn es denn zum Streitfall kommt - nicht getroffen wurde, muss sich der Arbeitnehmer der Anordnung des Arbeitgebers fügen.

Ansonsten:

Sollte der Arbeitgeber Dir kündigen, hätte er vor Gericht allerdings - zunächst einmal - "schlechte Karten", denn er müsste Dich vor einer Kündigung wegen einer solchen Weigerung mindestens schon einmal abgemahnt haben!

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