Kann sich das Gehirn unendlich viel merken?

5 Antworten

Sagen wir mal so: Die Grenze dürften die wenigsten Menschen, wenn überhaupt jemand, zu spüren bekommen.

Es gibt sehr viele Menschen, die privat und beruflich regelmäßig dazulernen müssen, es gibt Gedächtnissportler. Diese Menschen lernen nun mindestens wöchentlich, wenn nicht täglich Neues. Bei "Wetten, dass" usw. haben wir gelernt, dass einige Menschen sich zum Spaß ganze Telefonbücher einprägen. Es ist meines Wisses noch nie jemand an die Grenze gekommen, bei der er geistig und körperlich gesund war, sich konzentrieren konnte, Lerntechniken beherrschte, motiviert war - und sich nichts mehr merken konnte oder Wichtiges früher Gelerntes vergaß, weil "die Festplatte voll war". Wohl vergisst man das, was man nicht mehr braucht. Also wer das Telefonbuch auswendig gelert hat und das längere Zeit nicht vorgeführt hat, dürfte die meisten Nummern wieder vergessen. Aber das kennt jeder aus der Schule von Fächer, die ihn nicht interessiert haben und die er nicht mehr braucht (Kunstgeschichte, Physik, je nachdem).

Kann das Gehirn sich unendlich viel am Stück merken? Ich denke, nein. Die Grenzen liegen aber hier eher bei der Wahrnehmung (Lese-/ Hörgeschwindidkeit - schnell abgespulte Aufnahmen versteht man irgendwann nicht mehr), körperlicher Fitness, Auslastung (Müdigkeit etc.).

Du könntest effiziente Lerntechniken erlernen wie Mnemotechniken und jeden Tag trainieren und dann vielleicht am Tag sagen wir mal 1000 bis 5000 Zahlen lernen - das dürfte bei Übung möglich sein. Du kannst auch, durch Wiederholung, die Zahlen der letzten Tage behalten und immer neue dazu lernen (es lernen ja auch Menschen zig Ziffern der Zahl Pi, die unendlich ist).

Du musst Zeit einrechnen: Pro Zahl ein Bild (bei Majormethode), Bilder aneinander hängen, konzentriert bleiben, zwischendurch etwas trinken und auf Toilette gehen - wie viele Zahlen schaffst du da am Tag. Und normalerweise hast du nicht jeden Tag 8 Stunden oder so Zeit. Und du musst jeden Tag mehr Zeit für Wiederholung einplanen, um alles zu behalten. Du kannst schon sehr viel dabei lernen - es gibt Menschen, die immer neue Bücher, auch Fachbücher, lesen und das meiste davon bewusst behalten und am Ende ihres Lebens den Inhalt von ein paar hundert bis tausend Fachbüchern und Romanen kennen (je nach Schwierigkeitsgrad des Inhalts und Umfang) - aber jeder Computer kann vermutlich mehr speichern. Du musst auch noch alles andere wahrnehmen, soziale Kontakte pflegen, dich täglich auf zig andere Dinge wie Autofahren oder normale Arbeit konzentrieren - und damit noch zig andere Dinge speichern, die du nicht (alle) bewusst erinern möchtest.

Ich vermute als Laie mal, dass die Grenze NICHT die Speicherkapazität des Gehirns ist, sondern die Zeit und körperliche Anstrengung sowie andere Stoffwechselerfordernisse (Trinken, Schlafen usw.) beim Lernen. Man könnte mehr, wenn das "Fleisch nicht schwach" wäre, wenn der Körper nicht erst seine Grundbedürfnisse inklusive Muskelentspannung und auch soziale Interaktion (irgendwann will man mal mit Leuten interagieren statt nur zu lernen) einfordern würde.

Trotzdem dürfte die Kapapzität des Gehirns die Aufnahme von Lerninhalten übertreffen, also selbst der strebsamste Mensch weniger gelernt haben, als er theoretisch könnte.

Aus meiner Sicht:

Das Gehirn selbst merkt sich eigentlich nichts. Es ist kein Speicher, sondern eher so etwas wie ein Controller, der deine Erfahrungen in einer Cloud speichert und zwar wesentlich mehr, als du bewußt wahrnimmst. Dummerweise hast du immer nur auf einen kleinen Teil davon Zugriff - auf den, der gerade für dich relevant ist. Der Controller hat sozusagen nur eine begrenzte Bandbreite und die muss sinnvoll genutzt werden. Du kannst dir also zwar unendlich viel merken, aber nicht alles davon abrufen.

Nein, irgendwann ist auch Deine "Festplatte" voll und muss defragmentiert werden, damit wieder Platz für Neues ist. Vielleicht würde ne externe Festplatte helfen?^^..

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