Kalter Entzug von Thomapyrin Intensiv?

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4 Antworten

Hallo liiina3891,

Kopfschmerzpatienten, die unter einem Medikamenteninduzierten Kopfschmerz leiden, wie deine Schwester, können einen Entzug der Schmerzmittel nicht alleine oder ambulant schaffen. Die Symptome nach dem Absetzen sind so gravierend, dass sie nicht arbeitsfähig sein wird und so quälend, dass sie doch wieder Schmerzmittel einnehmen wird. Eine Reduzierung der Schmerzmittel ist daher auch nicht möglich und verhindert auch die Beseitigung des Medikamentenkopfschmerzes.

Ich rate deiner Schwester, einen Medikamentenentzug stationär in einer Schmerzklinik zu machen. Ihr Arbeitgeber erfährt den Grund (Entzug) für ihren Aufenthalt in der Klinik nicht. Dort werden alle Menschen mit chronischen Schmerzen behandelt – auch die, die keinen Entzug brauchen. Schmerzen zu haben ist keine Schande. Gerade, wenn sie in einem Krankenhaus arbeitet, wird ihr Arbeitgeber es begrüßen, dass sie ihre Schmerzen behandeln lässt.

Definition von Medikamenteninduziertem oder –übergebrauchskopfschmerz:

Eine sehr große Gefahr bei chronischer Anwendung von Medikamenten zur Behandlung der Migräneattacke [oder auch der Spannungskopfschmerzen] ist, dass nach zu häufigem Gebrauch der Medikamente das Kopfschmerzleiden verschlimmert werden kann. Dies gilt sowohl für Schmerzmittel (Analgetika) [Thomapyrin] als auch für spezielle Migränemittel. Der bei weitem häufigste Grund für eine Migräne, die an 15 oder mehr Tagen pro Monat auftritt bzw. für ein Mischbild von Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit 15 oder mehr Kopfschmerztagen pro Monat ist ein Übergebrauch spezifischer Migränetherapeutika oder Analgetika (Schmerzmittel). Generell wird ein Medikamentenübergebrauch in Einnahmetagen pro Monat definiert. Entscheidend ist, dass die Einnahme regelmäßig, d. h. an mehreren Tagen pro Woche erfolgt. Ist das Limit z. B. 10 Tage im Monat, würde dies durchschnittlich 2 – 3 Einnahmetage in der Woche bedeuten.

Deine Schwester ist weit über dieses Limit hinaus, was ihre Schmerzmitteleinnahme betrifft, so dass sie schon einen (zusätzlichen) Medikamentenkopfschmerz entwickelt hat – ohne Tabletten wird sie jetzt täglich Kopfschmerzen bekommen...

Die wenigsten Menschen wissen, dass ihr Kopfschmerz durch die regelmäßige Einnahme von Kopfschmerzmedikamenten in seiner Häufigkeit, Hartnäckigkeit und Dauer so zugenommen hat. Im Gegenteil versuchen die Betroffenen sogar, irgendwann einmal das Medikament zu finden, das alle ihre Beschwerden löst… …Grund für die kontinuierliche Medikamenteneinnahme ist der Absetzkopfschmerz, der bei Nachlassen der Medikamentenwirkung mit gesetzmäßiger Härte eintritt. Bei 90 % der an der Schmerzklinik Kiel untersuchten Patienten ist dieser Kopfschmerz von mittlerer bis starker Intensität, er wird von Übelkeit, Erbrechen, Angst und Unruhe, Kreislaufstörungen, Schwindel und teilweise sogar Fieber begleitet. Die Einnahme von einer bis zwei Tabletten behebt diese Qual – leider nur vorübergehend – und führt gleichzeitig dazu, dass es von Mal zu Mal immer schlimmer wird.

Versuche deiner Schwester begreiflich zu machen (wenn sie es nicht schon selbst weiß), dass sie nicht so häufig Kopfschmerzen hätte, wenn sie in der Vergangenheit nicht zu viele Schmerzmittel konsumiert hätte.

Durch einen Entzug der Schmerzmittel in einer Schmerzklinik wird erst der Medikamentenkopfschmerz behandelt, so dass er nach einiger Zeit nicht mehr vorhanden ist. Danach kann der (eigentliche) Ausgangskopfschmerz (richtig) behandelt werden, so dass sie keine oder nur noch seltenere Kopfschmerzattacken haben wird.

Stationäre Behandlung des Medikamentenkopfschmerzes / Schmerzmittelentzug:

Am Tag nach der Klinikaufnahme werden sämtliche Kopfschmerzmedikamente abgesetzt. Nach wenigen Stunden treten Absetzkopfschmerzen auf, die in der Regel als mittel bis sehr
stark erlebt werden. Dazu können Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Herzrasen, Unruhe, Schlafstörungen, Erregbarkeit, Angstzustände, gelegentlich Trugwahrnehmungen und auch Fieber kommen. Im Mittel erreichen diese Beschwerden ihr Maximum nach drei bis vier Tagen. In der Regel dauert diese erste Phase der stationären Behandlung mit Absetzkopfschmerzen sieben bis zehn Tage, spätestens nach vierzehn Tagen ist diese schwere erste Phase auf dem Weg zur Besserung vorbei. Die Zeit des Entzugs ist für viele Patienten sehr schwer. Durch ärztliche Maßnahmen muss versucht werden, die Beschwerden zu lindern und die Auswirkungen soweit wie möglich zu reduzieren. Überlässt man die Patienten sich selbst, wird diese Phase in der Regel nicht durchgehalten, und der Griff zu den Medikamenten ist vorprogrammiert. Für fast alle Patienten kommt innerhalb von 14 Tagen der Morgen, an dem sie fassungslos aufwachen und keine Kopfschmerzen mehr haben. Dieses für die Betroffenen unglaubliche Gefühl stellt sich erstmals wieder nach vielen Dauerkopfschmerz-Jahren ein, und viele realisieren mit glücklichem Staunen, dass dies ohne Medikamenteneinnahme möglich ist.

Quelle der Zitate: http://www.schmerzklinik.de/wp-content/uploads/2009/02/295-314.pdf

Normale Krankenhäuser sind übrigens nicht auf einen Schmerzmittelentzug bei medikamenteninduziertem Kopfschmerz spezialisiert. Deine Schwester sollte sich in einer Kopfschmerzklinik behandeln lassen (z. B. Schmerzklinik Kiel, Essen, Königstein – um die besten zu nennen).

Ich wünsche deiner Schwester dabei ein gutes Durchhaltevermögen und eine gute Besserung.

LG Emelina

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Kommentar von ThePoetsWife
19.05.2016, 08:11

DH! Eine sehr ausführliche, gute und interessante Antwort! LG

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Thomapyrin machen körperlich nicht abhängig, da bekommt man keine Entzugssysmptome.

Das ist schon lange erwiesen, dass durch Schmerzmittelmissbrauch erst Schmerzen entstehen.

Sie soll sie weglassen. Wenn sie das nicht schafft, musst sie zu einem Psychiater, das ist eine psychische Abhängigkeit, keine physische.

Alles Gute für Deine Schwester. lg Lilo

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Kommentar von Morikei
18.05.2016, 11:35

Ein Psychiater verschreibt tabletten (was in diesem fall mehr als dumm wäre). Was LiselotteHerz meint ist bestimmt ein Psychotherapeut, denn der kann auch therapieren. 

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Sowas sollte immer unter Aufsicht eines Arztes stattfinden. Nur er kann einschätzen, ob und welche Entzugserscheinungen auftreten können, was für Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen usw. Macht da besser nichts auf eigene Faust, sondern holt einen Profi mit ins Boot. Auch, wenn es 'nur' Kopfschmerztabletten sind, kann es Risiken geben, die ihr oder wir nicht abschätzen können.

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auweia

hallo liiina 

um Dir die Frage ernsthaft und verantwortbar zu beantworten müßte ich

Suchtprofi sein, aber ich antworte Dir als ein etwas erfahrener Mensch

trotzdem. Also ich denke deine Schwester ist mittlerweile süchtig, von

daher würde ich dir raten mit Ihr einen Profi zu rate zu ziehen. Blättere

doch mal in den gelben Seiten wo die nächste Suchtberatungsstelle ist.

Wie alt ist denn Deine Schwester und warum nimmt sie sie?

Ich wünsche Dir viel Erfolg und hoffe dass Deine Schwester davon 

loskommt.

Gruß

kerbricher

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Kommentar von liiina3891
18.05.2016, 11:37

24 ist sie. Weswegen weiß leider keiner. Sie sagt sie könne sie einfach so absetzen wenn dieser Kopfschmerz dann nicht wäre. Sie leidet auch sehr darunter, sieht aus wie ein Penner und die Blutwerte sind völlig im Keller. Sie möchte ungerne zu einem Therapeuten gehen da sie im Krankenhaus arbeitet und ihren Job verlieren könnte wenn das rauskommt.

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