Jugendweihe? Warum gibt es sowas eigentlich nur im Osten Deutschlands?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Die Jugendweihe ist nichts anderes, als Abkassieren von Verwandten und Bekannten. Denn diese Jugendlichen wurden nicht christlich erzogen, haben auch keinen Konfirmanden-Unterricht besucht und wissen von Glaubensdingen so gut wie nichts. Sorry, aber das haben mir Freunde aus dem ehemaligen Ostteil Berlins erzählt. Konfirmation bedeutet, dass die Jugendlichen getauft wurden, das Weihnachten und Ostern nicht nur ein Tag des Geschenkeverteilens war , und dass sie mindestens 1 Jahr Unterricht in Glaubensdingen hatten. Ich musste sogar 2 Jahre einmal in der Woche zum Konfirmanden-Unterricht gehen und am großen Tag eine kleine Rede in der Kirche halten. Das ist bei den Ossis nicht angesagt. Leider immer noch nicht. Ich lebe 23 Jahre in Berlin, und auch wenn es keine Mauer zum Anfassen mehr gibt - sie war nie dicker als jetzt. LEIDER!

Die Jugendweihe ist in der Zeit der Aufklärung entstanden und hat sich bis heute zu einem alternativen nichtreligiösen Initiationsritus entwickelt. Vorallem Freidenker und weltliche Humanisten unterstützen diesen Weg des Übergangs von der Kindheit in die Jugend.

Nach der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sie sich im zweigeteilten Deutschland sehr gegensätzlich. Während im Westen nur vereinzelt Jugendweihen stattfanden, wurde sie im Osten vom Staat instrumentalisiert.

Es war ein effektiver Weg der Jugend das sozialistische und kommunische Weltbild schon früh einzuprägen. Dafür wurden die ursprünglichen Werte und Traditionen der Freidenker und Aufklärer verfälscht oder durch rein kommunistische ersetzt. Es musste sogar ein Gelöbnis zum Sozialismus abgelegt werden. Der staatliche Zwang sorgte dafür, dass über 90% der Jugendlichen an der Jugendweihe teilnahmen.

Doch nach der Wende löste sich die Jugendweihe von dieser Altlast. Das Gelöbnis wurde abgeschafft, viele der alten Mitarbeiter entlassen, die ursprünglichen humanistischen Werte wiederhergestellt und sich weltoffen mit modernen Themen befasst.
Auch die kritische Auseinandersetzung mit der DDR Vergangenheit ist ein großes Thema.

Außerdem findet eine Zusammenarbeit der einzelnen Jugendweiheveranstalter aus Ost und West statt z.B. mit dem Verband Jugendweihe Deutschland e.V..

Den Vorwürfen von colalu59 muss ich widersprechen. Ich habe selber an der Jugendweihe in Hamburg teilgenommen und habe vor der Feierveranstaltung ein dreiviertel Jahr Vorbereitungsstunden besucht. Wir haben viel über deutsche Politik und Geschichte, den Umgang mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit, über Mobbing, Gewalt, Drogen, Sexualität und vieles mehr gesprochen. Im Prinzip ist es wie Werte und Normen oder Ethik Unterricht. Passend dazu haben wir viele Ausflüge zum Beispiel zu KZ-Denkstätten oder ins Planetarium gemacht.

Und auch an unserer großen Feier haben einige Jugendliche die Eröffnungsrede gehalten, Lieder gesungen (Z.B. Die Gedanken sind frei), mehrere Gedichte vorgetragen und eine Danksagung ausgesprochen. Und die Laeizhalle in Hamburg war zu diesem Zeitpunkt mit vielen Verwandten und Freunden der Jugendweihlinge gefüllt.

Und nur zu deiner Info colalu59:

Nur weil man nicht an irgendeinen Gott oder eine Gottheit glaubt, heißt es nicht, dass man keine Ahnung von "Glaubensdingen" hat.
Ich finde es sehr schade, dass es so intollerante Menschen gibt. Jeder kann doch glauben was er will oder eben nicht glauben was er will.

Dieses Zitat finde ich ganz passend:
Die Jugendweihe ist ein alternativer Initiationsritus „für die vielen, die nicht glauben können und zu stolz sind zu heucheln.“ -Wartenberg,Fritz

Falls ihr euch noch besser informieren wollt:

LG igelmuggi

ja, jugendweihe gibt es inzwischen auch im westen. aber nur in großstädten (ich wohne in karlsruhe und die nächste möglichkeit wäre stuttgart) und sie ist seeehr teuer.

Was möchtest Du wissen?