Jüdische Lieder / Liedtexte

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In der Synagoge liegen Gebetbücher (Sidurim) und Pentateuche, tw. auch Feiertags-Gebetbücher (machsorim). Das ist alles hebräisch, tw. mit Übersetzung parallel (Deutsch oder Englisch oder Russisch). Keine Noten.

Melodien werden im Prinzip vom Vorbeter (Chazan) frei gewählt, tw. nach Tradition & Geschmack der Gemeinde...

Instrumente spielt man in der Synagoge normalerweise nicht, da das laut jüdischem Gesetz am Shabbat & an Feiertagen verboten ist. Es gibt höchstens einen Chor (Männer und/oder Knaben).

Dieses Pianobook auf Amazon ist einfach eine bunte Sammlung von Liedern, tw. jiddisch, tw. hebräisch, tw. englisch, tw. aus der Liturgie, tw. für Feiertage, tw. einfach weltlich...

Nützlich wäre das Buch für Personen, die Klavier spielen... dass jeder das hat, kann man nicht sagen, kommt ganz darauf an...

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@Accountowner08

Danke für die Antwort.

In einer Synagoge gibt es keine Orgel ? Bzw die wird typischerweise nicht gespielt ? Nur mal interessehalber meine Frage: Wenn jemand jüdisch heiratet, würde dann aber die Orgel gespielt werden ?

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@roterteufel85

Orgeln gibt es wirklich in den wenigsten Synagogen, nur in einigen liberalen Gotteshäusern wird man sie finden und ob sie dort regelmäßig gespielt werden, wage ich zu bezweifeln. das kommt ganz auf die Gemeinde an. Bei Hochzeiten kann die Orgel gespielt werden, wenn das gewünscht ist. Ich habe das allerdings noch nicht erlebt.

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@Miskenosse

Das klingt für mein Empfinden nach einer sehr tristen Hochzeit. Es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich die Sitten und Gebräuche bei den verschiedenen Religionen sind.

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@roterteufel85

Die Orgel war DER grosse Streitpunkt im 19. Jahrhundert. Wegen der Orgeln vor allem entstand die Reformbewegung (die wollten Orgeln), aber auch die orthodoxe Austrittsbewegung um Samson Rafael Hirsch wurde gegründet, weil in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Gemeinden Orgeln einführten. Die wurden aber in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder abgeschafft. Heute haben jüdische Gemeinden, die sich als "orthodox" (also nicht Reform, nicht konservativ) definieren keine Orgel, und auf jeden Fall spielen sie sie nicht am Shabbat.

Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten: entweder brilliert nur der Vorbeter (hazan) mit seiner Virtuosität, oder die Gemeinde singt an manchen Stellen mit. Das ist so ein bisschen eine Frage der Philosophie: manche Vorbeter mögen es nicht, wenn die Gemeinde zu viel mitsingt. Andere animieren die Gemeinde zum mitmachen. Das wirkt dann weniger trocken, viel lebhafter. Es ist schön, wenn man eine Gemeinde hat, die schön (spontan) zusammensingt, tw. auch mit improvisierter Mehrstimmigkeit.

Es wird überhaupt viel unisono gesungen, und es haben sich eigene Melodien (ohne Worte) für bestimmte Anlässe entwickelt. zum Beispiel bie den Chassidim gibt es da einen reichen Schatz, jede Gruppe hat ihre Melodien. Auch nach geographischer Region/Tradition variieren die Melodien. z.B. haben die ursprünglich deutschen Juden (Jeckes) für jeden Feiertag ihre eigene Charakteristische Melodie, die sowohl bei manchen Gebeten in der Synagoge als auch beim Tischgebet zu Hause gesungen wird.

Hochzeiten/Trauungen finden im Judentum nicht unbedingt in der Synagoge statt, sondern unter freiem Himmel. Dort sind Musiker grundsätzlich erlaubt, aber meistens spielen sie erst am Abend, beim Festessen zum Tanz auf. Für die Trauung gibt es traditionelle Melodien ohne Worte (Nigunim), ist von den versammelten Anwesenden gesungen werden. Trauungen sind auch eher kurz (30 min. maximum).

Aber manche Gemeinden haben tatsächlich speziell für Hochzeiten eine Orgel, bzw. sie haben eine Orgel, die sie früher auch am Shabbat verwendeten, aber jetzt nur noch an Hochzeiten eingesetzt wird.

Die Einheitsgemeinden haben oft (Männer)chöre, die insbesondere an den hohen Feiertagen zu Jahresanfang und vielleicht so 1x pro Monat am Shabbat singen. Auch da ist ein Konflikt: wenn der Chor singt, ist die Mitwirkung der Gemeinde weniger gefragt = Gemeinde ist eher passiv. Aber je orthodoxer die Gemeinde, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es dort einen Chor gibt. Nach jüdischer Tradition ist man nicht so geordnet, sondern eher ein bisschen anarchistisch, und jeder singt bei den traditionellen Melodien mit, wie er gerade Lust hat. Manchmal eben auch als zweite STimme, improvisiert.

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@Accountowner08

Trist sind solche Hochzeiten gar nicht, wenn 200 Leute unisono singen, kann ziemlich die Post abgehen. Mal schauen, ob ich da was auf youtube finde.

Hier ein Beispiel mit Orchester (das ist der Tanz beim Festessen, nicht die Trauung), ich suche dann, ob ich noch ein Beispiel ohne Instrumente finde.

https://www.youtube.com/watch?v=OWMfLORLemA

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@Accountowner08

In liberalen Synagogen wird zu den Liedern auch Schabbes Orgel gespielt, da die liberalen Juden eine andere Halacha (Gesetze) haben als die ursprüglichen, also die der Orthodoxie. In der Orthodoxie sind Instrumente mukse, also verboten sie auch nur zu bewegen geschweigeden darauf zu spielen.

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Da sind schon Lieder dabei, die in der Synaogge gesungen werden, aber auch lieder, die man eher an den Feiertagen zu Hause singt. Wie schon gesagt, gibt es in der Synagoge kein Gesangbuch sondern nur einen Siddur/Machsor - ein Gebetbuch. Die Lieder klingen deshalb je nach Gemeinde und Vorsänger unterschiedlich.

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