Juden im Mittelalter: willkommen, geduldet, verfolgt...

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8 Antworten

Warum machen Politiker und andere "Größen" Geschenke? Um wiedergewählt zu werden, um an Einfluss zu gewinnen oder in sehr seltenen Fällen, weil sie tolerante, hilfsbereite Menschen sind.

Etwas gegen jemanden zuu haben, heisst auch nicht mehr, als dass man etwas gegen ihn hat. Aber etwas anderes könnte man auch für sie haben.

Die mittelalterliche Kirche hat Juden sehr oft gefördert, ihnen die Ansiedlung erlaubt. Man brauchte Händler und Geldverleiher. Und wenn man selbst den eigenen Anhöngern das Geldgeschäft untersagte oder verleidete, mussten das andere machen.

Bis zum Kreuzzug gab es auch keineswegs nur Hass gegen die Juden wie das heute immer als "die einzige" Realität dargestellt wird.

Eine Minderheit mit einer bestimmten Aufgabe zu belegen, für die sie vona nderen nicht gemocht wird (wer liebt Leute, bei denen er Schulden hat?), hat auch praktische Vorteile für Herrscher: von der Unruhe der Leute geht viel auf die Minderheit statt auf ihn, das vermindert das Risiko von Aufständen.

Wenn man mal ganz viele Schulden hat, lässt man die Massen die Gläubiger lynchen und ist dann die Schulden los. Ist das nicht praktisch?

Hier ist eine ziemlich gute Doku über Juden im 10 und 11. Jahrhundert in der Ecke, worum es Dir geht:

wiki über jüdische gemeinde speyer:

"In den Aufzeichnungen des Bischofs heißt es: "Als ich das Dorf Speyer zur Stadt machte, glaubte ich das Ansehen dieses unseres Ortes zu vertausendfachen, indem ich auch Juden dort zuziehe. Ich habe die Zugezogenen außerhalb der Wohnstätten der übrigen Bürger angesiedelt, und damit sie nicht so leicht von der Unverschämtheit des minderen Volks beunruhigt werden, habe ich sie mit einer Mauer umgeben."[1] Die erste Ansiedlung erfolgte im Vorort Altspeyer und stellte das erste urkundlich belegte Ghetto dar.[2] Als Gegenleistung zahlten die Juden 3 1/2 Pfund in Silber und sagten zu, sich an der Verteidigung der Stadt zu beteiligen."

Das Thema ist ein wenig komplexer. Du kannst die heutige Zeit nicht 1/1 mit der damaligen vergleichen. Die Denkweise der Menschen war extrem Obrigkeitsgläubig geprägt, was die Kirche durch ihre Pfarrer etc. verbreitete wurde befolgt und für bare Münze genommen. Gleichzeitig war das harte Leben von Aberglauben durchdrungen. Dann war die Gesetzgebung teilweise seltsam. Geldhandel war nicht ehrbar. Gleichzeitig brauchte man aber Geld, um Geschäfte zu tätigen, um Kriege zu finanzieren. Den Juden war emit Geld zu handeln, da sie aus jahrtausendelanger Verfolgung die Erfahrung gesammelt hatten, dass Geld auch Macht bedeutet, waren sie aus reinem Überlebenstrieb bestrebt, sich mit pekunären Gütern zu versorgen. Sie trieben Handel über viele Länder hinweg und verfügten dementsprechend über gute Beziehungen. Herrscher und Kaufleute waren oft gezwungen, sich Gelder leihen zu müssen. Sei es um einen Krieg zu finanzieren, sei es, um eine Zeit zu überbrücken, bis die eigene Ware verkauft war. Dieses Geld war legal nur bei Juden zu bekommen. Ihnen war es ja gestattet, mit Geld zu handeln. Dies machte sie aber nicht beliebter bei den anderen Bewohnern. Wer hat gerne Schulden? Da war es doch recht einfach, dann, wenn die Schuldenlast zu drückend wurde ( besonders bei den Herrschenden) lieber denjenigen, dem man etwas schuldete zu verfolgen, zu verjagen, zu töten, als zurück zu zahlen. arbeitete damals engstens zusammen, die jüdische Bevölkerung einer stadt auszurotten war eine Kleinigkeit, da die Juden anders als die übrige Bevölkerung waren und mit Argwohn betrachtet wurden. Leider wiederholten sich solche Geschichten zigmal im Lauf der Geschichte. Die Juden waren ja sind wohl bis heute die geborenen Sündenböcke.

Kleine Randbemerkung, nein Frau Merkel, unsere geschätzte Bundeskanzlerin ist keine Jüdin. Doch ihre Behandlung vor kurzem in Griechenland zeigt deutlich auf, wozu eine Menge, die jemandem etwas schuldet, auch heute noch getrieben werden kann. Wer weiß welche demagogischen Verhetzungen dort zu den Protesten geführt haben.

Diese Geschichten findet man häufig in der Geschichte der Juden in Deutschland. Der Handel, der Geldhandel, war Juden nur möglich, da den Christen verboten. Deine Erklärung zum Thema "Schulden" ist korrekt. Viele Geschichten allerdings sind reine "Märchen" und Klischees werden heute oft und gern bedient. Die Zuweisung eines bestimmten Terretoriums diente auch dazu, Juden bequem unter Kontrolle zu haben und - bei Bedarf - schnellstens, gezielt und komplett, zu entfernen.

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Der Bischof wollte speyer vom Dorf zur Stadt machen, und dafür brauchte er eine städtische Mittelschicht. Das war ein Grund. Der andere grund war, dass er dafür Geld erhielt.

In vielen Städten wurden Juden aufgrund ihrer Finanzkraft angesiedelt und anschließend, wenn sie zu einflußreich wurden wieder vertrieben.

Nicht nur finanzkraft, auch Know-how als städtische mittelschicht...

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Vieleicht hilft dir dieser abschnitt in WIkipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Gemeinde_Speyer#Die_Anf.C3.A4nge_1084

Was da geschah war dasselbe wie an vielen anderen Orten auch. Die Pest brach aus und man gab den Juden die schuld dafür, missbrauchte sie als Sündenbock. Das passierte im Mittelalter bei beinahe jedem ausbruch der Pest.

Grund dafür das man Juden beschuldigte waren vor allem Vorurteile/Judenfeindlichkeit, aber auch ein anderer Grund: Die Jüdischen Gemeinden waren durch ihre Religion viel Hygienischer als die normale christliche Bevölkerung, durch bessere Hygiene starben weniger Juden und die christen wiederum sahen das als Beweis, dass die Juden einen Pakt mit dem Teufel hätten, ausserdem wurden ihnen auch andere falsche dinge angelastet, z.B. dass sie angeblich die Brunnen vergiften würden, etc.

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