Journalist Ausbildung oder Studium wichtig?

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3 Antworten

Hallo hamburggirll,

zunächst einmal ist der Begriff "Journalist" als Berufsbezeichnung nicht rechtlich geschützt. D.h., jeder kann absolut unabhängig von seiner vorhandenen oder nicht vorhandenen Ausbildung journalistisch arbeiten und sich Journalist nennen.

Es gibt verschiedene Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten in diesen Beruf.

Viele finden ohne "richtige" journalistische Ausbildung den Weg in diesen Beruf, indem sie beispielsweise über Praktika/Hospitanzen und erste freiberufliche Aufträge bei Verlagen und (Lokal-)Redaktionen einsteigen. Dabei lernt man sehr viel - und der ein oder andere macht es irgendwann zu seinem Hauptberuf.

Des weiteren gibt es in Deutschland mehrere Journalistenschulen, die überwiegend von den größeren Verlagen oder den journalistischen Berufsverbänden betrieben werden. Z.B. die "Henri-Nannen-Schule" (Gruner & Jahr, Zeit-Verlag, Spiegel-Verlag) oder die "Axel Springer Akademie" (Axel Springer Verlag).

Als dritte Möglichkeit gibt es dan das Studium. An einigen Unis kann man direkt "Journalismus" studieren - die Mehrheit der Studenten studiert aber etwas anderes, z.B. Politikwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Germanistik o.ä. und damit nicht direkt Journalismus, sondern ein Fachgebiet, in dem sie später journalistisch tätig sein wollen.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Alle haben sicherlch ihre Vor- und Nachteile. Direkte Ausbildungswege (Journalistenschule oder Journalistik-Studium) haben den Vorteil, dass man in den Bereichen Recherche, Schreiben und organisatorische Abläufe der Redaktion besonders gut ausgebildet wird - aber den Nachteil, dass man kein besonderes Fachwissen in einem bestimmten Bereich (Politik, Wissenschaft, Sport, ...) aufbaut und sich durch Weiterbildung später spezialisieren muss.
Bei den anderen Studiengängen wie Politikwissenschaften etc. ist es eher umgekehrt - man hat ein breites Fachwissen in diesem Bereich und muss sich ggfs. Dinge wie Schreibstil etc. über andere Ausbildungen/Weiterbildungen usw. anlernen.

Ich kann meinem Kollegen nur zustimmen. Journalist darf sich jeder nennen, der mit Schreiben-und/oder Fotografieren sein Geld verdient. Der Besuch dieser Journalistenschulen setzt voraus, dass Du verdammt gute Beziehungen hast. Ich finde immer noch den Weg über die Praxis den Besten. Praktika bei Fernsehsendern oder Tageszeitungen, in dieser Zeit lernst Du schon eine ganze Menge, und Du lernst Leute kennen und findest so am schnellsten heraus, was dir am meisten liegt.  Ich habe das so gemacht und dann ein Volontariat bei der Braunschweiger Zeitung gemacht. Von da aus habe ich in diversen großen Verlagen so ziemlich alles geschrieben, vom Horoskop bis hin zu richtig großen Reportagen, die ich selbst aufgespührt habe.

Also, die zwei Wege lauten: Studium, wie oben beschrieben oder Volontariat. Ich würde heute als allererstes ein Praktikum bei SAT1 machen. Je mehr Leute Dich kennen lernen umso größer ist die Chance, da rein zu kommen.

Im Gegensatz zu meinem Kollegen habe ich als Frau das Hindernis "Kind" nicht überstanden. Ich war ziemlich weit oben auf der Karriereleiter, als ich mit 38 Jahren Mutter wurde. Für mich kam weder eine Nanny noch eine Krippe infrage, und diesen Beruf kann man nicht halbtags machen. Also habe ich gekündigt, mich selbständig gemacht, bin aber nie fest wieder rein gekommen. Karriere oder Kind - das ist auch hier die Frage, die nur Du Dir selbst beantworten kannst.

Mit einem Studium kommst du da auf jeden Fall weiter.

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