Join Up-gut oder schlecht?

7 Antworten

Ein Join-Up muss man immer historisch sehen.

In der Zeit der Besiedelung Amerikas brauchte man viele, sehr viele Pferde. Insbesondere in den Bürgerkriegen war der Bedarf enorm hoch.

Wie wurden nun diese Pferde ausgebildet?

Diese Pferde wurden gebrochen (das nannte man damals "aussacken"). Dabei wurden sie mit einem unzerstörbaren Halfter an einen Stamm gebunden und mit Sandsäcken, Steinen und Peitschen so lange traktiert, bis sie sich hinlegen. Dann wurden ihnen die Beine zusammengebunden und das Spiel ging solange weiter, biss die Pferde aufgaben (sie waren dann zum sterben bereit). Dann wurden sie in relativ kurzer Zeit reitbar gemacht. Unter diesen Umständen war das natürlich ziemlich einfach, weil die Pferde alles hinnahmen, was der Mensch mit ihnen machte.

Was macht nun der Join-Up?

Der Join-Up ist dem Herdenverhalten der Pferde abgeschaut. Es ist eigentlich das Maßregeln eines Fohlens (oder Jungpferd), das nicht bereit ist sich der Herdenordnung zu unterwerfen. Das Pferd wird aus der Herde ausgeschlossen (weggeschickt). Da das Pferd instinktiv weiß, das es alleine nicht überleben kann, möchte es in die Herde zurück. Hier beginnt die Diskussion zwischen den Pferden (wir übernehmen dabei die Rolle der Leitstute). Das weggeschickte Pferd wird zeigen, daß es doch harmlos ist. Die Leitstute wird aber darauf bestehen, daß das Pferd sich der Herde erst dann wieder anschließt, wenn es bereit ist sich den Herdenregeln zu unterwerfen. Signalisiert das weggeschickte Pferd, daß es bereit ist sich der Herde zu unterwerfen, wird es wieder aufgenommen und erst einmal richtig "betüddelt". Das gilt als Zeichen der Aufnahme in einen neuen Lebensabschnitt des Pferdes.

Wie und warum wird der Join-Up bei den Menschen anders ausgeführt?

Der Mensch ist nicht in der Lage ein Pferd mal eben 40-50 km lang wegzuscheuchen. Darum verwenden wir den Round-Pen. Es gibt verschiedene Meinungen dazu, ob das Pferd merkt, daß es immer im Kreis läuft oder nicht. Die Diskussion zwischen Mensch und Pferd wird wie im Herdenverband ablaufen. Das Pferd signalisiert Einsicht, aber noch keine Unterwerfung. Dann irgendwann gibt sich das Pferd geschlagen und möchte sich dem Menschen zu seinen Bedingungen anschließen. Das ist der Moment des "Join-UP".

Wer sollte ein Join-Up durchführen?

Ausschließlich Menschen, die das mal gelernt haben und Pferde genügend lesen können um auch unerwartete Reaktionen seitens der Pferde einschätzen und beantworten zu können. Leider ist seit der Verbreitung durch Monty Roberts der Join-Up zu einem Kult geworden und wird auch von Menschen mit Halbwissen (sie glauben zu wissen....) durchgeführt. Das kann, und geht leider auch, manchmal gewaltig nach hinten los.

Bedenke: Die Kurzform des Join-Up bedeutet:

Entweder Du schließt dich mir an (zu meinen Bedingungen) - oder Du bist dem Tode geweiht (weil aus der Herde ausgeschlossen).

Das ist keine Spielerei

Anmerkung: Ich habe bereits einige Fälle, bei denen der Join-Up schief ging "reparieren" müssen. In allen Fällen ist die Vertrauensbasis gewaltig ins wanken geraten, da das Pferd die Rolle des Leittieres übernommen hatte. Das macht keinen Spass....

LG Calimero

Huhu,

ich finde man kann nicht pauschal sagen, dass ein Join-Up grundsätzlich schlecht ist. Er ist aber auch keineswegs in jedem Fall gut. 

Bei unseren normalen Hauspferden oder gar als regelmäßige “Bodenarbeit“ ist er gänzlich ungeeignet, damit macht man alles schon bestehende Vertrauen kaputt. Ein Join-Up kann bei einigen Pferden verdammt schnell von “Pferd rennt brav im Kreis“ zu “Pferd geht auf Angriff und es wird brandgefährlich“ umschlagen. Deshalb sollte ein Join-Up, sei er bei vielleicht einem von 40 000 Pferden nötig, nie, aber auch wirklich nie von jemandem ausgeführt werden, der nicht zu hundert Prozent weiß, was er da warum tut und der das Pferd nicht blitzschnell richtig lesen kann. Für den Otto-Normal-Reiter oder Fahrer also ein absolutes No-Go!

Jedes “normale“ Pferd geht von sich aus freundlich auf den Menschen zu und zeigt eine gewisse Bereitschaft zur Mitarbeit. Sei es, dass es zum füttern kommt und sich dann kurz anfassen lässt, daraus sich auch ohne den Druck eines Join-Ups eine Beziehung aufbauen. Bei jedem Pferd, dass erstmal irgendwie mit sich kommunizieren lässt, ist er also absolut nicht nötig!

Angebracht und eine Möglichkeit ist ein Join-Up nur dann, und wirklich nur dann, wenn ein Pferd nach Wochen Umgang und Arbeit mit einem Profi keinen Schritt in Richtung Mensch macht. Dann ist der Join-Up da, um überhaupt eine Basis zur Kommunikation zu schaffen. Bei wild eingefangenen Pferden, über Jahren systematisch psychisch zerstörten Pferden oder über Jahre völlig allein ohne Herde auf sich gestellten Pferden kann es soweit kommen, dass das nötig wird. Aber solche Pferde sind oft lebensgefährlich und ein Fall für einen Profi! 

Man muss sich bewusst sein, dass ein Join-Up nur eine erste Basis zur Kommunikation bildet, kein Vertrauen. Die Einstellung des Pferdes danach von “Ich folge dir, weil ich sonst sterben muss“ wieder zu “Ich folge dir, weil ich dir mein Leben anvertraue“ umzupolen dauert Jahre. Ein Join-Up sollte daher immer der allerletzte Ausweg sein.

Liebe Grüße

Join-Up im Sinne von ein Pferd bis zur völligen Erschöpfung im Roundpen treiben ist definitiv Quälerei, es ist enormer Psychostress, da das Pferd nicht entkommen kann. Irgendwann gibt das Pferd einfach auf und ergibt sich seinem Schicksal. Diese Methode wurde in Amerika verwendet, um aus Wildpferde auf die Schnelle Arbeitspferde zu machen.

Man kann aber auch im Roundpen fantastisch mit Pferden freilaufend arbeiten, indem man bestimmt, wie die Geschwindigkeit und die Richtung ist. Das ist dann eher Kommunikation und Teamarbeit.

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