Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für alle?

11 Antworten

Dieses stark simplifizierende und monokausale Postulat kursiert, ja. Ob es allerdings richtig ist, ist (a) heftig umstritten und (b) nicht nachgewiesen.

Insofern ist es ausschließlich eine Frage der Religion, ob die Antwort auf deine Frage "Ja!", "Nein!" oder "Ein bisschen!" lautet.

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Beispiel

Wenn man die "Arbeits-Argumentation" hernimmt, ist es durchaus richtig: Je größer der Markt, desto größer die Beschäftigtenzahlen, desto mehr Einkommen aus Arbeit, desto größer der Wohlstand. (Soweit die simplifizierte Theorie.)

Wenn man die "Einkommens-Argumentation" hernimmt, ist es falsch: Angenommen, alle Arbeiter erhalten nur einen Dollar Arbeitslohn pro Woche. Die Überschüsse werden hingegen unter Freunden und Verwandten des Arbeitgebers aufgeteilt. Dann steigt zwar der absolute Wohlstand; doch nicht der relative. (Auch hier zur Anschaulichkeit verkürzt.)

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Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente, die für und gegen dieses Postulat sprechen. Entscheidend ist jedoch, dass der Nachweis fehlt

Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass wir, wenn jeder so leben wollte, wie die Europäer heute, drei bis vier Erden bräuchten, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen.

Und, um nur einen letzten Punkt zu nennen, dieses Postulat berücksichtigt auch nicht die Automation und damit den sinkenden Anteil an menschlicher Arbeit, der ebenfalls (etwa monetär) zu kompensieren wäre. 

Das wiederum müsste politisch erfolgen, womit wir im - nun schon überaus heftig umstrittenen - Bereich der politischen Kausalitäten wären: "Wie viel Einfluss braucht die Gesellschaft auf den Markt, um dieses Postulat wahr werden zu lassen?"

Die Praxis des Neoliberalismus hat gezeigt:

1. Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für wenige.

2. Je größer der Markt, desto größer die Ausbeutung für den Rest.

Das hätte sich bestimmt herumgesprochen wenn dem so wäre.
Nicht die Größe des Marktes ist für den Wohlstand, sondern die Verteilung.
Vor 30 Jahren nannte sich das soziale Marktwirtschaft.
Die haben die Neoliberalen abgeschafft.
Mit dem bekannten Ergebnis der zunehmenden Ungleichheit und Verarmung.

Stimmt so nicht:

Die Größe der Wohlfahrt einer Gesellschaft hängt nicht von der Verteilung ab, denn sie entspricht der Summe der erbrachten Leistungen und Güter; dabei ist es egal, ob einer allein diese Leistung erbringt oder viele/alle.

Stattdessen hängt die individuelle Wohlfahrt von der Verteilung ab.

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@MusiToo

Die Aufteilung des Mehrwert! Und fällt die Statistik für unser Land sehr unausgewogen aus.

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@Modem1

Hat sich bei den Neoliberalen noch nicht herumgesprochen, dass man Wirtschaft und Wohlstand gemeinsam denken muß.
Nicht Rekordgewinne für die Wirtschaft und Niedriglöhne für das Volk.

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Nach deiner Logik nach ist es dann allerdings recht traurig bestellt mit der Schweiz und Luxemburg.

Darf ich dir verraten, dass in diesen beiden Ländern mit der größte Wohlstand in Europa vorherrscht? Gegenbeispiel: China hat gewiß den größten Binnenmarkt, ist dort der Wohlstand für alle deshalb am größten? Ich hab da so meine Zweifel.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Innerhalb meines Studiums hatte ich viel mit Politik z utun

Die Schweiz und Luxemburg bedienen auf Grund einer jahrzehntelangen Tradition einen Nischenmarkt (Finanzprodukte/hochwertige technisch/pharmazeutische Produkte). Eine Volkswirtschaft wie China (überwiegend Primär- und Sekundärwirtschaft) wird da vielleicht mal in 100 Jahren ankommen. 

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@CamelWolf

In einigen wenigen Jahren ist China die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt und hat es als solche garnicht nötig irgendwelche Nischenmärkte als auch Nischenprodukte herzustellen als auch zu bewerkstelligen, denn es geht Vieles in die Breite, sprich ein umfangreiches Warensortiment exportiert China zusehens für die Welt.

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Je größer der Markt, desto größer (im Normalfall) die absolute Wohlfahrt.

Die relative Wohlfahrt (je Einwohner) kann aber gleichzeitig sinken; das kommt darauf an, ob die bei einem größeren Markt hinzukommende Wohlfahrt je Einwohner größer, kleiner oder gleich zur derzeitigen Wohlfahrt je Einwohner ist.

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