Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für alle?

10 Antworten

Dieses stark simplifizierende und monokausale Postulat kursiert, ja. Ob es allerdings richtig ist, ist (a) heftig umstritten und (b) nicht nachgewiesen.

Insofern ist es ausschließlich eine Frage der Religion, ob die Antwort auf deine Frage "Ja!", "Nein!" oder "Ein bisschen!" lautet.

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Beispiel

Wenn man die "Arbeits-Argumentation" hernimmt, ist es durchaus richtig: Je größer der Markt, desto größer die Beschäftigtenzahlen, desto mehr Einkommen aus Arbeit, desto größer der Wohlstand. (Soweit die simplifizierte Theorie.)

Wenn man die "Einkommens-Argumentation" hernimmt, ist es falsch: Angenommen, alle Arbeiter erhalten nur einen Dollar Arbeitslohn pro Woche. Die Überschüsse werden hingegen unter Freunden und Verwandten des Arbeitgebers aufgeteilt. Dann steigt zwar der absolute Wohlstand; doch nicht der relative. (Auch hier zur Anschaulichkeit verkürzt.)

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Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente, die für und gegen dieses Postulat sprechen. Entscheidend ist jedoch, dass der Nachweis fehlt

Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass wir, wenn jeder so leben wollte, wie die Europäer heute, drei bis vier Erden bräuchten, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen.

Und, um nur einen letzten Punkt zu nennen, dieses Postulat berücksichtigt auch nicht die Automation und damit den sinkenden Anteil an menschlicher Arbeit, der ebenfalls (etwa monetär) zu kompensieren wäre. 

Das wiederum müsste politisch erfolgen, womit wir im - nun schon überaus heftig umstrittenen - Bereich der politischen Kausalitäten wären: "Wie viel Einfluss braucht die Gesellschaft auf den Markt, um dieses Postulat wahr werden zu lassen?"

Nein, das kann man so nicht sagen.

Stell dir vor du besuchst einen Wochenmarkt mit 100 Marktständen. Wenn du kein Geld zum Kaufen hast, würden dir auch weitere 100 Marktstände nichts nützten, um deinen "Hunger" nach Lebensmitteln oder irgendeiner anderen Ware zu stillen. Das gleiche gilt umgekehrt für die Anbieter auf dem Markt.

Der Gedanke, welcher hinter der Aussage steckt, muss deshalb wohl noch ein anderer sein.

Um 100 Marktstände bestücken zu können, bedarf es mehr Arbeit als wenn nur 5 Marktstände dastehen. In der Theorie wird deswegen keiner auf dem Markt sein, der nicht schon vorher sein Geld mit dem Markt verdient hat. 

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@CamelWolf

Ist deine Betrachtungsweise, an meinem Beispiel festgemacht, nicht etwas zu einseitig und sogar falsch? - Schließlich geht es um den Wohlstand "für alle". 

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@hummel3

Wohlstand für Alle wird es  nie geben. Die untersten 5% in Deutschland würden mit der Ausstattung, die ihnen die Allgemeinheit zur Verfügung stellt, in China zum Mittelstand gehören, in manchen Ländern Afrikas zur Oberschicht. Wohlstand ist demnach auch eine Definitionsfrage. Die Maslow'sche Pyramide zeigt eigentlich ganz anschaulich, warum das menschliche Streben nach "Mehr" verhindert, dass es eine gleichmäßige Verteilung von Wohlstand gibt.

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@CamelWolf

Entschuldige, aber du entfernst dich mit deinem Kommentar immer weiter von der Frage selbst. Deshalb häng' dich nicht länger an meine Antwort, sondern antworte doch dem Fragesteller direkt.

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Je größer der Markt, desto größer (im Normalfall) die absolute Wohlfahrt.

Die relative Wohlfahrt (je Einwohner) kann aber gleichzeitig sinken; das kommt darauf an, ob die bei einem größeren Markt hinzukommende Wohlfahrt je Einwohner größer, kleiner oder gleich zur derzeitigen Wohlfahrt je Einwohner ist.

Die Praxis des Neoliberalismus hat gezeigt:

1. Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für wenige.

2. Je größer der Markt, desto größer die Ausbeutung für den Rest.

Kommt auch auf den Aufbau/die Prinzipien des Marktes an. Ganz grundlegend kann man das aber so sagen, denke ich. An unserer momentanen Situation (weltweit) kannst du ja sehen, dass es nun mal nicht immer so gut klappt.

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