Japanischem Dojo

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3 Antworten

Ich gehe einfach mal davon aus, dass du dich auf Dojo beziehst, die sich auch in Japan befinden und nicht auf solche, die sich im Ausland befinden und von japanischen Lehrern betrieben werden.

Vorab: Es ist meiner Ansicht nach nicht unmöglich, in einem japanischen Dojo zu trainieren. Allerdings sollte man meiner Ansicht nach nicht als völliger Neuling dort ankommen.

Internationale Verbände: Der Versuch, in Japan zu trainieren wird erleichtert, wenn man bislang eine Kampfkunst trainiert hat, die einem internationalen Verband angehört, der auch in Japan vertreten ist.

Wer beispielsweise in Deutschland Shotokan-Karate nach den Bestimmungen der "Japan Karate Association" (JKA) trainiert, oder Aikido nach den Richtlinien des Aikikai übt, wird es deutlich leichter haben.

Beispielsweise ist man im Aikikai Hombu Dojo in Tokyo eher auf Ausländer eingestellt, als dies vermutlich in irgendeinem abgelegenen Dojo in den Bergen der Fall sein dürfte.

Verhalten: Das Problem mit ausländischen Schülern in japanischen Dojo sehe ich weniger in irgendeinem Elitedenken, sondern vielmehr im Bemühen um soziale Harmonie.

Bei einem Nichtjapaner ist zu befürchten, dass es Kommunikationsprobleme gibt und er möglicherweise nicht einmal weiß, wie man einen Keikogi traditionell zusammenfaltet.

Vielleicht ist er auch die Art des Trainings in Japan nicht gewohnt und weiss nicht, welche Anforderungen an ihn gestellt werden.

Das alles könnte dazu führen, dass er sich nur schlecht in die bereits bestehende Gruppe einfügt und unter großem Anpassungsdruck steht.

Womöglich fühlt er sich dann sogar ausgeschlossen, selbst wenn sich die Japaner gar nicht elitär verhalten. Für sie wiederum, wird die Situation durch den Gaijin auch nicht leichter.

Erwartungen: Will man in Japan trainieren, sollte man realistische Erwartungen haben an das, was ihn erwartet.

Wer sich vorstellt, dass jede Trainingsstunde vom Oberhaupt der jeweiligen Schule geleitet wird, kann ziemlich enttäuscht werden, wenn andere Lehrer dies übernehmen.

In einigen Fällen könnten sogar mehr Ausländer als Japaner anwesend sein - weil diese zu diesem Zeitpunkt beispielsweise noch arbeiten. Auch nicht das, was man sich evtl. erhoffte.

Anpassungsfähigkeit: Wie schon gesagt, wird eine gewisse Flexibilität vorausgesetzt - zu lernen, sich zwischen engen Spinden umzuziehen, auf Matten zu üben, die härter sind als in Europa, im Anschluss kollektiv die Matten zu säubern und eine kalte Dusche zu nehmen, fällt nicht jedem leicht.

Du siehst, es ist also nicht unmöglich in Japan zu trainieren, kann jedoch zu einigen unerwarteten Anforderungen und auch Desillusionierung führen. :-)

HowNowBoy 01.09.2013, 17:04

wow ok das ist mehr als ich erwartet habe an ingesamten antworte ^^. zudem hast du es ja auch sehr auf mich bezogen. Danke, die hilfreichste Antwort ist dir sicher. P.S.: Ist das mit Kendo genau so?

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Enzylexikon 01.09.2013, 18:47
@HowNowBoy

Ja, ich denke, dass auch im Fall von Kendo ein ähnlicher leichter Kulturschock möglich ist, auch wenn nicht die Vielfalt an Stilen wie im Karate besteht..

Das Kendo-Training könnte daher auch etwas anders ausfallen, als bislang in Deutschland gewohnt und andere Schwerpunkte haben.

Ein Beispiel könnte die Zahl unterschiedlicher Techniken sein.

Während in Deutschlan in einer Unterrichtsstunde einer Kampfkunst bereits ein gutes Dutzend Techniken trainiert wird, kann es in Japan vorkommen, dass man sich die ganze Stunde in einigen wenigen Techniken übt.

Übungsgerät

Ein weiterer Punkt wäre das Waffentraining in einigen Kampfkünsten.

Hier kann es geschehen, dass man sich mit einem anderen Gewicht konfrontiert sieht und die Waffen schwerer oder leichter sind, als bislang gewohnt

Ein klassischer Vergleich wäre wohl zwischen einem Jo (Stab) aus Rotbuche und einem aus Weißeiche.

Ob es aber tatsächlich auch Abweichungen bei Kendo-Shinai gibt, weiss ich nicht.

Auch die Herangehensweise an das Training ist unterschiedlich.

Ein Judoka berichtete beispielsweise, der große Ernst beim Training und das fehlen von Scherzen und Lockerheit hätten ihn befremdet.

Das hängt aber sicher nicht nur mit Mentalität oder Arbeitsethik in Japan zusammen, sondern ist natürlich auch immer eine Frage des Lehrers und der persönlichen Vorstellungen von Lockerheit oder Disziplin.

Ich würde mal ganz pauschal sagen, bei einem Trainingsaufenthalt in Japan sollte man zumindest mit einem guten Maß an Abhärtung rechnen.

Was Kendo angeht, so werden ja unterschiedliche Arten das Tenugui unter dem Men (Kopfschutz) zu binden, gelehrt. Mir persönlich sind zwei Möglichkeiten bekannt.

Es könnte also vielleicht sein, dass in einem Dojo von allen Übenden eine bestimmte Form des Tenugui-Bindens gepflegt wird. Dieser sollte man sich dann aus Respekt anschließen, auch wenn es nicht die eigene Lieblings-Version ist.

Ich bin aber zugegebenermaßen kein Experte für Kendo und kann daher derartige Aussagen nur auf Basis von Vergleichen und einem gewissen Grad an Übertragung auf Kampfkünste im Allgemeinen machen.

Tipp: Solltest du ernsthaft an Kampfkunst-Training in Japan interessiert sein, würde ich mich auf alle Fälle mit deinem derzeitigen Lehrer besprechen und versuchen, mich auch über das Internet - auf den Webseiten von Verbänden oder mit subjektiven Erfahrungsberichten in Blogs - zu informieren.

Hoffe, diese Ergänzung war hilfreich. :-)

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Enzylexikon 08.10.2013, 18:17

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Naja ausserhalb von Japan wirst du kaum ein Dojo finden, wo nur Japaner drin sind. Japan selbst ist ein sehr homogenes Land und hat einen Ausländeranteil von irgendwas um 2%. Da wundert es nicht, dass man wenig Ausländer in Filmen in Dojos sieht.

ein dojo ist die sportstätte wo z. b. karate geübt wird, jeder kann das dojo betreten...

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