Japanisch als türke lernen?

8 Antworten

Also entgegen aller vorherigen Behauptungen hier: Nein, alle Menschen sind eben nicht gleich -- auch nicht im Bezug auf das Erlernen neuer Sprachen. Moegliche Vorteile ergeben sich beispielsweise aus Sprachverwandtschaft zur eigenen Muttersprache oder bereits erlernten Fremdsprachen, Aehnlichenkeiten im Sprachtyp, im verwendeten Lautinventar, etc. Das erspart einem natuerlich nicht das Lernen, allerdings ist es dadurch durchaus moeglich, dass man bestimmte Aspekte schneller auffassen kann, als Leute, die diese Vorteile nicht haben.

Nun ist es beispielsweise so, dass sowohl Japanisch, als auch Tuerkisch agglutinierende Sprachen sind. Der allgemeine Satzbau wird sich einem tuerkischen Muttersprachler also moeglicherweise einfacher erschliessen, als dem Muttersprachler einer europaeischen (indo-germanischen) Sprache.

Beide Sprachen sind auf Vokale fixierte Sprachen. Zwar gibt es im Japanischen keine Vokalharmonie (mehr), trotzdem wird ein tuerkischer Muttersprachler hier Vorteile fuer sich ziehen koennen. Das Morensystem wird allerdings auch fuer Tuerken neu sein und hier muss man von Anfang an gut lernen, um nicht faelschlicherweise in Silben zu sprechen.

Im Lautbestand wird ein Tuerke keine Probleme mit den oft problematischen Lauten ​[⁠ɯ⁠] und [​ɾ​] haben, denn diese gibt es im Tuerkischen auch. Hier gibt es dann moeglicherweise andere Probleme, z.B. bei [ŋ] oder einigen Affrikaten, die es im Tuerkischen scheinbar nicht gibt.

Das sind also alles Aspekte, wo Fehler vermieden werden koennen, weil man sie aufgrund der Einfluesse der eigenen Muttersprache gar nicht erst macht. 

Japanisch ist jedoch eine isolierte Sprache, das heisst, dass sie keine Sprachverwandten (mehr) hat. Im Bereich des Basisvokabulars kann man sich hier also nichts erschliessen, erst recht nicht als Muttersprachler einer oertlich so sehr entfernten Sprache. Die europaeischen Einfluesse des Sprechers helfen allerdings bei allen modernen Fremdwoertern aus dem Englischen. Hier haben andere Asiaten oft Probleme. Diese haben (sofern sie Einfluesse aus China genossen haben) jedoch nur wenig, bzw. andere Probleme mit sinojapanischem Vokabular oder Teilen der japanischen Schrift.

Aber, wie eingangs bereits erwaehnt: Lernen muss man trotzdem. Wer zum Ziel hat irgendwann Animes ohne Untertitel verstehen zu koennen, in der Gesellschaft agieren und Business machen zu koennen, sollte das Projekt ergeizig und vernuenftig angehen. Universitaetskurse, taeglicher Einsatz, eine Bibliothek aus Lehr- und Nachschlagewerke, Kurse und lange Aufenthalte in Japan werden notwendig sein. Wer nach 5 Jahren intensiven Lernens in Japan einen Handyvertrag oder einen Mietvertrag auf Japanisch abschliessen kann, ist schon gut dabei und gehoert zu den ganz wenigen, die Japanisch einigermassen zu verstehen beginnen. Der wird immer noch keine Animes zur Genuege verstehen koennen (zumal diese auch kein realistisches Japanisch verwenden) und auch so noch viele Sprachprobleme im Alltag haben, aber hat dann zumindest schon erweiterte Kenntnisse, um sein weiteres Leben der Vertiefung widmen zu koennen.

Es lässt sich nicht sagen, als Türke brauchst du X Jahre, um Japanisch zu lernen und als Deutscher Y Jahre.

Das hängt von der jeweiligen Sprachbegabung ab, wie viel Zeit investiert werden kann sowie wo und mit wem gelernt wird.

Eine Sprachbegabung hängt nicht von der Nationalität bzw. der Herkunft ab. Du kannst genauso schnell oder langsam Japanisch lernen wie jeder andere auch.

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