Japan soziale Brennpunkte?

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3 Antworten

Ich war schon in Japan. "Perfekt" ist eine Frage des Blickwinkels. Japanische Kinder werden schon in der Vorschule darauf getrimmt, sich der Gesellschaft und dem Kollektiv unterzuordnen. Unangepasstes Verhalten wird sozusagen schon früh "ausgemerzt", was sicherlich nicht schön für jedes Kind ist. Auch Mobbing an Schulen ist keine Seltenheit. Schon der Kindergarten, auf jeden Fall aber die Schule bestimmen darüber, in welcher Firma man später arbeiten kann, der Druck ist unheimlich groß. Die Gesellschaft ist noch sehr patriarchalisch geprägt, obgleich viele Frauen heutzutage mitarbeiten müssen, sind sie noch nicht wirklich gleichberechtigt.

Wer dem Druck nicht gewachsen ist, der wird kaum aufgefangen und endet nicht selten als Obdachloser, von denen es viele gibt, die sich aber aus Scham verstecken.

Ja, nach außen wirkt Japan sauber und perfekt. Die rigorose Ablehnung von Einwanderungen hält viele Probleme, die wir haben, außen vor, so was wie "No-Go Areas" gibt es dort nicht. Unangepasstes Benehmen findet nicht statt, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Als Tourist kann man sich dort daher sehr wohl und sicher fühlen. Es gibt sichtbar mehr Personal und somit mehr Service als in Deutschland.

Als freiheitsliebender Individualist will man dort aber sicher nicht leben.

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Japan wird in Deutschland tatsächlich stark idealisiert.

Dort gibt es Obdachlose, die in Zelten in öffentlichen Parks leben, Tagelöhner, die für einen Hungerlohn arbeiten und dabei von der Yakuza ausgebeutet werden, diskriminierte Randgruppen wie Burakumin und Zainichi

In Tokyo hat der Stadtteil San'ya" trotz der Gentrifizierung nach meinem Wissen immer noch das Image eines "Arbeiter-Slums" für Unterschicht-Arbeitskräfte (Korrekturen zum aktuellen Stand ausdrücklich willkommen).

Die Rotlichtviertel werden von der organisierten Kriminalität kontrolliert - Menschenhandel, Prostitution, Drogen...das ganze Programm.

Es gibt somit auch in Japan soziale Brennpunkte.

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Kommentar von Rukichan
18.07.2017, 19:25

Wenn es Obdachlose in Japan gibt, dann meistens eher außerhalb der Großen Städte oder in Gebieten der Städte, wo sie nicht auffallen, da Japan sehr viel Wert auf ein gutes Image legt. Die meisten, welche überhaupt sich ein Zelt leisten können, zelten dann eher in der nähe eines Waldes, statt in einem Park, da es in vielen Orten illegal und verboten ist, öffentlich dort zu Zelten. Je nach Lage des Parks, des aufkommen an Besuchern und der Bedeutung des Parks für seine Stadt, kann es sein, das man zwischen einfach nur einem Platzverweis, bis hin zu mehreren tausenden Euro an Strafe zu erwarten hat. Ich bin mir da nicht all zu sicher, ob das so stimmt, aber in einer Dokumentation, die ich vor Jahren mal gesehen habe, hieß es das man vor allem in Yokohama als Obdachloser, für das Zelten im Park bis zu 2 Monaten Gefängnis erwarten kann, da man ja das Geld für die Strafe nicht hat... 

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So wirklich ganze Wohngebiete wie z.B. Berlin Neuköln findet man nicht direkt, aber es gibt schon viele Leute, vor allem in großen Städten, die es nicht sehr leicht haben.

Manche Leute die in großen Orten leben, haben oftmals mehrere Jobs oder Arbeiten mehr als 10 Stunden, damit sie halbwegs etwas verdienen, damit sie über die Runden kommen. Schuld daran sind oftmals auch die hohen Mietpreise. Laut einer Studie soll es in Europa am teuersten sein, wenn man in London wohnt. Dort kostet eine ca. 30m² große Wohnung locker schon mal über 500€, was wir natürlich schon zu teuer finden, doch Japan und insbesondere die Stadt Tokyo sind da noch schlimmer, da sie oftmals schon für 10m² bis zu 500€ oder mehr verlangen und desto zentraler du wohnst, desto teurer wird es, also stell dich schon mal drauf ein, das du als Geringverdiener sicherlich nie im Leben  in Shibuya, Shinjuku, Nakano oder Minato wohnen kannst, da es dort einfach am teuersten in ganz Tokyo ist. 

Viele Japaner die in großen Orten leben, geben daher, da sie nicht so viel verdienen und der Wohnraum sehr teuer ist, oftmals sogar mehr als die hälfte, wenn nicht sogar 2/3 ihres Gehaltes alleine für die Miete aus.  Manche haben es dann noch schwerer, da sie erst mal eine passende Wohnung finden müssen und oftmals nicht kriegen werden, da sich Zeitgleich bis zu 200 andere Leute auf diese Wohnung bewerben, auch wenn sie von der Größe her nicht viel mehr Platz hat, als ein durchschnittliches Deutsches Badezimmer von 6-8m². Und somit bleiben einigen Leuten nichts anderes übrig, als nach einer alternative zu suchen. Deswegen gibt es auch noch so viele über 25 Jährige Japaner, die noch bei ihren Eltern wohnen. Man findet auch viele Japaner, die in Internetcafes wohnen, wo sie 2m² große Kabienen mit Bett haben und gehen dann oftmals zum Baden in die Öffentlichen Badehäuser, die es in Japan gibt.  Auch gibt es Zahlreiche Gebäude die etwas an Studentenwohnheime erinnern, in denen jeder ein kleines Zimmer mit Kochecke hat und man sich dann auf  jeder Etage einen Raum wie bei einem Öffentlichen WC teilt und meist im Erdgeschoss gibt es dann auch ein Gemeinschaftliches Bad (Natürlich nach Geschlechtern getrennt). Meistens wohnen in solchen Gebäuden Musiker, die noch recht unbekannt sind oder noch nicht durchgestartet sind, einfache Verkäufer oder Arbeitslose, da an sich das halbwegs erlauben kann, dort zu wohnen.

Auch vor allem, da Wohnraum sehr eng ist und die vielen Japaner um ihr überleben zu kämpfen haben, ist es kein Wunder das viele Wohnungen so viel kosten, auch wenn sie klein sind, vor allem auch, da ständig neue Häuser gebaut werden, man immer mehr in die höhe baut und es stressig ist, eine Wohnung zu haben, die vermietet gehört und man will auch nicht unbedingt jeden in seiner Wohnung, daher ist dies auch ein Grund, weshalb es so teuer ist in großen Orten zu wohnen. 

Vereinzelt sieht man auch Menschen, die es nicht für sehr Sinnreich halten eine Wohnung zu besitzen. Diese Menschen, welche meistens Büroangestellte sind, arbeiten sehr lange, treffen sich dann abends noch mit Freunden und haben dann die Zeit und die Lust nicht mehr, zu ihrer Wohnung zu müssen, daher übernachten sie oftmals auch in den sogenannten "Capsule"-Hotels, wo mehrere 1-Mann große Holzkisten übereinander gestapelt, meistens auch mit einem Fernsehr ausgestattet stehen, welche für wenig Geld zum Schlafen angeboten werden. Manchmal schlafen Besucher eines Capsule-Hotel aber auch direkt gleich auf dem beheizten Fußboden in Räumen, in denen Oftmals sogar noch ein Fernsehr steht. Zu den meisten Capsule-Hotels gehören dann auch Waschräume und ein Hauswirtschaftsraum, wo die Gäste ihre Wäsche waschen können, weshalb manche Japaner, die eh 75% ihres Tages auf der Arbeit, in Cafes oder irgendwo außerhalb verbringen, sich dann denken, das sie nur um wo schlafen zu können nicht wirklich eine eigene Wohnung brauchen. 

Da Wohnraum so teuer ist, gibt es öfters auch Familien, wo alle zusammen in einem Zimmer schlafen und im schlimmsten Fall sogar nicht einmal ein Wohnzimmer haben. Wer es sich dann so richtig leisten kann, ordentlich in einer großen Stadt zu wohnen, der bezieht dann meistens eine Wohnung, mit einer sehr kleinen Küche oder einer Wohnküche, dazu dann ein großes Badezimmer und getrennt davon ein WC, dazu dann kleine Schlafräume und oftmals nur 1 Kinderzimmer, auch wenn man mehrere Kinder hat. Dann gibt es auch noch die Leute, die ein Haus haben. Meistens aber ohne Garten und wenn dann ist der Garten kaum größer als die Terrasse, von der man aus in den Garten kommt. Häuser sind an sich, vor allem im Stadtinneren meistens entweder sehr klein oder aber haben viele Etagen. 

Wer Reich ist, zeigt als Statussymbol seine Wohnung in den Oberen Etagen eines Hochhauses an, denn desto weiter oben man wohnt, desto teurer ist es in den meisten Häusern, was hier in Deutschland meistens ja eher anders herum ist. 

Weiter ländlich gesehen, gibt es dann größere Wohnungen oder Häuser und oftmals auch noch viele sehr alte Gebäude, doch da es viele junge Leute von der Job-Perspektive aus eher wenig reizt, auf dem Land zu Arbeiten, ist es kein Wunder das Wohnungen in Städten wie z.B. Osaka, Yokohama, Hiroshima,... immer begehrter und somit auch teurer werden und Wohnraum immer weniger wird. Was soll man denn auch schon in einem Dorf mit 500 Einwohnern, das nicht mal eine Schule hat? 

Wenn man in einem Hotel oder eher einem alten Ryokan arbeitet, kann es oft sein, das man entweder im Gebäude selber oder einem Haus für die Angestellten in nähe des Hotels/Ryokan wohnt, da dies oftmals die günstigste Alternative ist und viele Leute die dort arbeiten meistens nicht wirklich viel verdienen.  Auch in anderen Berufen verdient man nicht so viel und da den meisten Japanern nach der Schule nichts anderes übrig bleibt, als zu Studieren oder eben nicht zu Studieren, kommen einige die an der Aufnahme in einer Uni gescheitert sind, meistens nicht drauf, das sie eine Berufsausbildung machen könnten und wenn, ist es sehr schwer eine geeignete Stelle zu finden, da viele Betriebe in Japan nicht ausbilden oder lieber jemanden frisch von der Uni haben möchten und so kommt es, das viele als einfache Hotelangestellte, Aushilfen in Restaurants oder als Kellner, Maids, Hosts, Verkäufer in Läden etc. arbeiten und im seine Arbeitslosenquote niedrig zu halten beschäftigt Japan sie auch so gut wie alle in irgend welchen Jobs, seien sie auch so verrückt wie irgendwie möglich. Da kann es dann schon mal sein, das du im Businessanzug Leute in ein Parkhaus winkst, Vor Straßen Leute umleiten musst, damit sie nicht in eine Baustelle ohne Wendemöglichkeit fahren, du für andere Leute deren Autos betankst, Obst in Supermärkten zur Probe anbietest oder du irgend einen anderen sehr außergewöhnlichen Job erledigst, auch wenn du dabei nicht sehr viel verdienst. 

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