Ist unser Leben vorher bestimmt?

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14 Antworten

Dazu gibt es keine allgemeingültige Antwort, weil alle Antworten zum Thema Freiheit und Verantwortung oder Selbstbestimmtheit letztlich davon abhängen, welche Metaphysik, welche Grundglaubenseinstellung jemand hat. Man kann noch nicht mal sagen, dass dazu selbst von der eingegrenzten Gruppe der Christen eine eindeutige Antwort zu erwarten ist, weil es auch unter diesen ganz verschiedene Gottesbilder gibt, von denen abhängt, wie sehr sie sich von außen bestimmt sehen (Gnade) oder in Selbstverantwortung. Die Frage ist auch, ob das eine Entweder-Oder-Entscheidung ist, also Freiheit oder Determinismus.

Wie so oft in der Wirklichkeit handelt es sich evtl. eher um eine Skala, einen Bereich, wo Freiheit und Determinismus nur die extremen Endpunkte darstellen, die in der Wirklichkeit nie in Reinkultur vorkommen. Wenn aber die Antwort irgendwo zwischen diesen Extremen liegt, könnte es sein, dass es von der persönlichen Einstellung abhängt, wie weit die individuelle Position zum einen oder anderen Extrem neigt. Menschen mit dem unbedingten Willen, ihr Leben selbst zu gestalten, werden eher deutlich zum Pol "Freiheit" neigen. Der passende Spruch dazu wäre: Jeder ist seines Glückes Schmied. Menschen, die lieber im Stom schwimmen oder bereits einige Erfahrungen hinter sich haben, dass ihnen das Schicksal gegen ihren Willen böse mitgespielt hat, werden eher dazu neigen, eine mächtige Bestimmung von außen (göttlich, Schicksal, Determinsimus) zu favorisieren.

Zum Schluss noch meine Einstellung. Mit meinem Meister Epikur bin ich für weder-noch. Wir sind als Menschen Teil der Natur und des ganzen Seins. Damit sind wir in ein variables Netz von Beziehungen eingebunden, erleiden Einflüsse von außen, beeinflussen aber auch selbst. Die Philosophie Epikurs strebt an, dass man sich (in Grenzen) entwickelt hin zu einem immer mehr selbstbestimmten Leben. Wenn man einen dreidimensionalen Raum annimmt (rein theoretisch) mit Wirkkräften der "Natur", gesellschaftlichen Wirkkräften und Kräften des individuellen Selbstgestalten-Wollens, dann geht es für Epikur darum, mit Hilfe der Aufklärung über die Wirkweise von Natur- und Gesellschaftskräften möglichst viel Eigeneinfluss zu gewinnen, nicht sinnlos gegen die Kräfte von Natur und Gesellschaft anzurennen, sondern mit mehr Wissen diese zu nutzen, machbare individuelle Wege zu finden. Man kann das mit einer Wildwasserfahrt (Symbol für Leben) vergleichen. Man kann - meist unbewusst - durch die Hindernisse hindurch wollen, gegen die Strömungen ankämpfen, man kann aber als guter Wildwasserfahrer sich einen Überblick über die Stömungen und Hindernisse verschaffen und mit kleinen Ecken und Kanten letztlich doch elegant ans Ziel kommen, indem man unüberwindbaren Hindernissen ausweicht und die Strömungen für seine Absichten nutzt. Das ist jetzt sehr verknappt dargestellt, doch für den ersten Eindruck ist meine Einstellung genau so.

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Aus Sicht der Physik ist der Determinismus tot. Den Todesstoß erhielt der Determinismus endgültig 1977, als die Theorie Dissipativer Strukturen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und die den Determinsmus als Grenzfall in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes verortet. Bei allen lebenden Systemen gibt es keinen Determinismus, weil sich lebende Systeme fernab des Thermodynamischen Gleichgewichtes befinden.

Offziell wurde der Determinismus durch den damaligen Chef der Internationalen Physikervereinigung 1986 begraben.

Der damalige "Präsident aller Deterministen", Sir James Lighthill, Präsident der International Union of Theoretical and Applied Mechanics, beendete den Streit zwischen Deterministen und Vertretern des prinzipiellen Irreduktionismus mit folgenden Worten:

„Hier muss ich innehalten und im Namen der großen Bruderschaft der Praktiker der Mechanik sprechen. Wir sind uns heute sehr der Tatsache bewusst, dass die Begeisterung, die unsere Vorgänger für den phantastischen Erfolg der Newtonschen Mechanik empfanden, sie auf diesem Gebiet der Vorhersagbarkeit zu Verallgemeinerungen verleitet haben, an die wir vor 1960 möglicherweise allgemein geglaubt haben, die wir aber inzwischen als falsch erkannt haben. Wir möchten uns gemeinsam dafür entschuldigen, dass wir das gebildete Publikum in die Irre geführt haben, indem wir bezüglich des Determinismus von Systemen, die den Newtonschen Gesetzen genügen, Ideen verbreitet haben, die sich nach 1960 als inkorrekt erwiesen haben."

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Aus Sicht der Quantenphysik gibt es da eine ganz klare Antwort: Nein, im Detail wenigstens kann es nicht vorbestimmt sein.

Dennoch ist klar, dass unser Leben in großen Teilen vorbestimmt ist durch die Evolution und -- um kürzere Zeiträume zu betrachten -- durch die Lebensumstände und Entscheidungen unserer Vorfahren.

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Wir haben zwar aufgrund unserer intellektuellen Fähigkeit uns eine Vorstellung der Zukunft zu bilden, und Pläne für deren Gestaltung zu entwickeln die Freiheit unserem Leben eine Richtung zu geben, und gewisse Ziele anzustreben . Aber die endgültige Entscheidung haben wir nie. Nicht mal so etwas komplexes und hochentwickeltes wie die menschlichen Gehirne,oder sogar die von ihm entwickelten Hochleistungsrechner, sind in der Lage alle Eventualitäten von nur einer Sekunde zu erfassen.Geschweige denn zu kontrollieren oder zu steuern.
Wie ,und vor allem von was,sollte da unser ganzes Leben vorbestimmt sein, dessen Zeitraum sich auf ca70-80 Jahre beläuft. Und das mal 8 Milliarden Menschen. Und weiteren unzählbaren Komponenten die auf jedem Quadratmillimeter dieser Erde pausenlos in irgend einer Form Einfluss auf ein einzelnes Geschehen, die Interaktion untereinander , sowie die Entwicklung des ganzen nehmen.

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Kommentar von TVDFan2
20.03.2016, 00:50

Wie ,und vor allem von was,sollte da unser ganzes Leben vorbestimmt sein

Von allem. Von den ganzen Einflüssen, denen jeder dieser Menschen erliegt. Z.B. wenn du stirbst, dann auf Grund von Einflüssen. (Organversagen, Einwirken Anderer oder dir Selbst auf Grund von Einflüssen, wie Depression, die du auf Grund von anderen Einflüssen, wie dem Tod eines Angehörigen hast, der durch die vorherigen Einflüsse geschah)

Wenn du dich gegen den Apfel und für die Schokolade entscheidest, dann aufgrund von Einflüssen, wie deiner DNA, deiner Einstellung (die von Einflüssen geprägt ist) etc.

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Jeder kann seine Zukunft selbst gestalten. Nach einem Scheitern in bestimmten Situationen, was vollkommen normal ist und vorkommen kann, ist es selbstverständlich sehr einfach, das Geschehene an eine höhere Macht abzugeben.  Lediglich die groben Handlungsspielräume sind vorbestimmt. Damit sind im Großen und Ganzen Geburt und rechtliche Rahmenbedingungen gemeint.

Deine Entscheidung, diese Frage zu stellen, resultiert aus Deiner Freiheit, zwischen fast unendlich vielen Möglichkeiten, genau in jenem Zeitraum etwas zu tun, auszuwählen.

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Kommentar von TVDFan2
20.03.2016, 00:53

Deine Entscheidung, diese Frage zu stellen, resultiert aus Deiner Freiheit, zwischen fast unendlich vielen Möglichkeiten, genau in jenem Zeitraum etwas zu tun, auszuwählen.

Wurde beeinflusst durch Faktoren, wie zB das Durchnehmen dieses Themas in der Schule, Lesen einer Anzeige darüber, Gespräch mit jmd, Langeweile etc.

Handeln hat immer einen Grund. Dieser Grund hat das Handeln insoweit beeinflusst, dass es stattgefunden haben wird, hat es also determiniert.

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Das kommt auf die Perspektive an, aus der man die Zeitlinie betrachtet. Würde man sie aus der Zukunft betrachten, dann wäre unser Leben absolut  vorbestimmt in der Gegenwart haben wir jedoch einen gewissen Entscheidungsspielraum der in der Lage ist die Zukunft zu ändern.

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Kommentar von Kanada11
06.11.2015, 03:35

Stimmt, viele verschiedene Möglichkeiten haben wir zur Auswahl, lediglich die Entscheidung ist determiniert. 

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Die Antwort worauf du wohl hinaus willst ist so einfach wie unbefriedigend. Du wirst es wenn es so wäre wohl die erfahren. Beeinflussung im Nachweisbaren Bereich findet aber schon statt durch Umwelt und sozialem Umfeld. Ganz schlimm durch Meinungsmache in den Medien und von der Politik. Wenn etwas industriell z. B. durchgesetzt werden soll wird schonmal ein ganzes Volk an der Nase herum geführt. Wissentlich oder nicht. Ob wir eine vorbestimmung haben in einer Matrix leben oder von Gott gesteuert werden das wird man wohl nie erfahren. Gruß

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Alles ist vorbestimmt durch millionen - milliarden Einflüsse von Außen. So sieht zumindest die Wissenschaftliche Denkweise aus :D Auch das hier zB wäre jetzt ein Einfluss auf manche Leute, beweisen zu wollen, dass es nicht vorbestimmt ist :)

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-MB42

Beschäftige dich mit Benjamin Libet, er hat ein Buch dazu geschrieben ( Mind Time ) dort wird die These aufgestellt, dass alle Gedanken die wir uns bildlich vor Augen Führen und danach formieren, 0,5 bis 3 Sekunden schon vorher im Denkarchiv des Gehirns "Abgelichtet " worden sind.

Nach Libet wäre jede Idee oder jeder Gedanke die wir als Posthum bezeichnen, also schon Vorhanden gewesen.

Das Buch ist sehr komplex und schwierig !

Nun aus kosmologischer Sicht ist alles Bestimmt durch die Gesetze...

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Ich bin mir Sicher das ich selbst darüber bestimme was ich tuhe und was nicht. Jedoch über Gedanken kann ich selbst nicht bestimmen, wenn dann Gedanken nur verdrängen...

Gruß, Soeber

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Gegenfrage. Wer bzw. Was bestimmt unser Leben ? Ich Zweifel daran. Ich glaube jeder Mensch trifft seine eignen Entscheidungen..

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Nichts ist vorherbestimmt.
Dass wir existieren ist auch nur reiner zufall..
Also ruh dich nicht auf dem glauben aus, es würde eh alles so werden, wie es sein soll.

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Alles ist vorherbestimmt, deshalb ist es immer lustig zu lesen, wenn Leute glauben selbst über ihr Leben bestimmen oder es beeinflussen zu können :)

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Kommentar von WillTell
06.11.2015, 03:12

Ach du bist der Wissende der Seher das Orakel. Woher weißt du das?

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Ja! Und es wird täglich praktiziert. Die da Oben wollen nicht dass Die da Unten je aus dem untere Bereich hinaus steigen. ;-)

Um dieser Uhrzeit war deine Frage mehr als vorhersehbar und deswegen geplant. Es gab eigentlich kein andere Kandidat. Man hat Dich dazu quasi erschaffen.

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