Ist unser Geschmack reine Kopfsache?

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6 Antworten

Der Geschmack des Essens hat verschiedene Ursachen. Sehen, riechen und schmecken. Wenn das Sehen oder riechen wegfällt ist der Geschmack anders. Wenn man dir die Augen verbindet ist der Geschmack und Geruch intensiver und manche Sachen können nicht direkt zu geordnet werden. Deswegen erschrecken viele nicht gleich das bei einer blindverkostung. Wenn du dir die Nase zuhältst beim essen können Dinge die eklig riechen schon garnicht mehr so schlimm schmecken. Alle 3 Reize sind wichtig. Wenn du Gemüse oder ein Gericht das du nicht magst zum Beispiel in eine andere Form und Farbe umwandelst und dann isst kann es sein das es dir plötzlich schmeckt. Angenommen du magst keine Möhren. Pürierst die und färbst die Blau oder schwarz dann erkennt dein Gehirn nicht das es Möhre ist und kann das beim essen nicht zu ordnen und du findest es auf einmal garnicht so schlecht.

Einiges ist angeboren - z.B. die Vorliebe für Süßes und eine Abneigung gegen Saures und Bitteres. Das hat ganz logische Gründe: Süßes, also Obst, ist zu 99% nicht nur ungiftig sondern ein gutes Nahrungsmittel. Saures dagegen kann verdorben sein. Und bitteres ist häufig giftig. Das hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelt und bewährt und ist eine gewisse Grundlage, die für alle gilt. Manche sagen, dass "ungewohnte" Geschmacksrichtungen abgelehnt werden, weil sie keiner bekannten Kategorie zugeordnet werden können, und deshalb im Zweifel schädlich sein könnten (aus Sicht des Höhlenmenschen in dir, der sich nicht drauf verlässt, dass das, was als Nahrungsmittel angeboten wird, auch gefahrlos verzehrt werden kann)

Vieles hat aber auch mit Gewöhnung zu tun - wer schon als Kind scharf isst, den haut deutsches Essen auch mit viel Pfeffer nicht um... Und manche Stoffe nimmt ein Kind schon im Mutterleib oder später beim Stillen auf - die werden vom Gehirn als "okay bis positiv" gespeichert, auch wenn das Kind den Geschmack nicht kennt - und dementsprechend unbewusst als "wohlschmeckend" empfunden.

Der selbe Mechanismus greift auch bei Dingen, die eigentlich keiner mag - Lebertran war lange Zeit der Alptraum gesunder Kinder, diejenigen, die ihn wirklich gebraucht haben, konnten aber nicht genug davon kriegen! Dasselbe gilt natürlich auch für andere Nährstoffe.

Umgekehrt gilt aber auch: Dinge können regelrecht "süchtig" machen, v.a. Fett und Zucker, die eigentlich sehr hochwertige Nahrungsmittel sind (und den Höhlenmenschen in dir glücklich machen, weil eine Tafel Schokolade und eine Tüte Chips am Ende des Hungerwinters noch ein, zwei Wochen überleben sichern würden...). Sie lösen Glücks- und Zufriedenheitsgefühle aus, obwohl sie in den heute üblichen Mengen eher zum Tod führen als davor zu bewahren.

Und auch Essen ist "Mode" - überleg dir mal, was für abartige Klamotten schon "in" waren, und dir wird auffallen, dass es kaum ein Nahrungsmittel gibt, das abartiger schmeckt als die 80´er ausgesehen haben... Wer dazu gehören will, schaltet eben gerne das Hirn aus oder "glaubt" an den guten Geschmack der Mehrheit...

Es gibt eine Untersuchung von Professor Tim Spector von der King’s College in London aus dem Jahr 2007, der die Essgewohnheiten von 3262 weiblichen Zwillingen untersucht hat. Dabei analysierten sie die Essgewohnheiten von eineiigen Zwillingen (identisches Erbgut) und die Essgewohnheiten von zweieiigen Zwillingen (nur die Hälfte der Gene sind gleich). Daraus berechneten die Wissenschaftler den Einfluss der Gene auf die Ernährung.

  • “Bislang sind wir davon ausgegangen, dass unsere Erziehung und das soziale Umfeld bedingen, was wir gerne essen�?, so Professor Tim Spector. Diese Theorie sei widerlegt worden. Resultierend daraus haben wohl die Ernährungsweisen mehr mit den Genen als mit der persönlichen Entscheidung zu tun.

Weitere Untersuchungen bezüglich ernährungsbedingter Erkrankungen und Appetit- bzw. Essverhalten in den ersten Monaten wiesen in die gleiche Richtung.

Zwillingsstudien sind bei solchen Fragen sehr aussagekräftig, weil sie die Einflüsse Erbe und Umwelt (nature and nurture), die normalerweise konfundiert sind, trennen können. Die bisherigen Ergebnisse deuten also darauf hin, dass die Einflüsse der Umwelt und der Familie eine geringere Rolle spielen als bisher gedacht. Ich denke, dass jeder Beispiele von völlig verschiedenen Vorlieben beim Essen in der gleichen Familie kennt, die mit diesen Forschungsergebnissen zu erklären wären. Trotzdem kann man nicht sagen, dass die Frage bereits abschließend beantwortet wäre. Normalerweise müssen wissenschaftliche Resultate mehrfach und von unterschiedlichen Forschungsteams bestätigt werden, bevor man sie als gesichert ansehen kann.

Viel ist tatsächlich Kopfsache und damit auch eine Frage von Training und Erfahrung. Peppi hat das schon sehr gründlich erläutert.

Wenn ich zum Beispiel Kümmel esse, dann bekomme ich schon relativ krassen Würghusten, weil ich den Geschmack so widerlich finde.

klingt eher nach einer allergischen Reaktion ....

Ich kriege diesen Würghusten wie gesagt, weil ich Kümmel so eklig finde.
Würghusten ist im Prinzip die Vorstufe von Erbrechen, hat also rein nichts mit einer allergischen Reaktion zu tun...

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Es ist anerzogen, deshalb können sich Geschmäcker auch durch Erfahrung verändern.

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