Ist Stillstand tatsächlich ein Rückschritt?

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11 Antworten

Als allgemeine Aussage ist dies nicht zutreffend. Die Richtigkeit hängt von den Lebensbereichen ab, auf den sie bezogen wird. Vor allem in der Technik und der Wirtschaft (z. B. Produktions- und Vertreibsverfahren) würde ein längeres Innehalten darauf hinauslaufen, von der Konkurrenz übertroffen und vom aktuellen gesellschaftlichen Stand abgehängt zu werden.

Die Ausdrücke "Fortschritt" und "Rückschritt" haben einen Bezug zu Zeitvorstellungen und einem Geschichtsbild. In einem zyklischen Weltbild findet eine ständige Wiederholung statt (Kreislauf aller Dinge), sie hätten wenig Gewicht. Bei einem lineraren Fortschrittsgedanken kommt es im großen Ganzen zu einer stetigen Aufwärtsentwicklung, ein Stillstand wäre dabei eher ungünstig. Eine Kombination ist eine dialektische Betrachtung, bei der eine spiralförmige Bewegung vollzogen wird. Eine Einordnung wäre verwickelt. Wenn kein festes Schema über einen Verlauf und eine bestimmte Richtung zugrundegelegt wird, ist eine Prüfung im Einzelfall nötig.

In manchen Angelegenheiten kann eine Entschleunigung auch Vorteil haben, ein ständiges Abhetzen ist schlecht für das Wohlbefinden.

In menschlichen Beziehungen ist ein längerer Stillstand ohne Entfaltung persönlicher Möglichkeiten ein Rückschlag.

> Da sind ja die richtigen Philosophen beisammen. Herrlich. Ich versuchs mal einfacher. Alles bewegt sich ständig nach vorne. Einer bleibt stehen aus welchen Gründen auch immer. Dieser bleibt nun zurück, weil die anderen nicht stillstanden, sondern sich bewegt haben. Der stillgestandene blieb zurück, weil er sich nicht bewegt hat. Würden alle stehen bleiben, gäbe es keinen zurückgebliebenen ( Rückschritt.) aber auch keinen " schnelleren ". ( Fortschritt.) "

ich glaube das stimmt nur dann, wenn man als grundannahme voraussetzt, dass sich alles immer linear in die richtige richtung entwickelt. innezuhalten, zu reflektieren, zurückzuschauen, seine eigene mitte und position zu bestimmen verlangt immer auch einen stillstand. aus meiner biografie heraus würde uch dementsprechend formulieren, dass es ohne gelegentlichen stillstand keine möglichkeit zu wahrem fortschritt gibt.

Ich denke ja. Denn die Welt dreht sich unaufhaltsam weiter und damit entwickelt sich auch alles weiter. Geburt, Wachstum, Tod. In allen Bereichen ist das so. Wenn ich jetzt nur mal an den technischen Fortschritt denke, dann wird es wohl am besten erkennbar. Wenn ich da nicht einigermaßen aktuell bleibe, komme ich nicht mehr mit und das ist dann schon ein Rückschritt. Aber zugegeben, wirklich eine sehr philosophische Frage. ;-)

Superantwort ! Danke .. Gruss Solf

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Da sind ja die richtigen Philosophen beisammen. Herrlich. Ich versuchs mal einfacher. Alles bewegt sich ständig nach vorne. Einer bleibt stehen aus welchen Gründen auch immer. Dieser bleibt nun zurück, weil die anderen nicht stillstanden, sondern sich bewegt haben. Der stillgestandene blieb zurück, weil er sich nicht bewegt hat. Würden alle stehen bleiben, gäbe es keinen zurückgebliebenen ( Rückschritt.) aber auch keinen " schnelleren ". ( Fortschritt.)

Danke ! Wo führt das alles nur hin ???

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Kommt darauf an: wenn man vor einem tiefen Abgrund steht....

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Die Frage kann man erst später einmal beantworten, wenn man Stillstand praktiziert hat! In der regel bewegt sich alles, verändert sich alles, aus jeder Actio entsteht reactio, man müßte Stillstand erzwingen. Das Problem ist die Richtungsgebung der Entwicklung, damit Fortschritt nicht Rückschrritt bedeutet und das wäre das nächste Problem, nicht einmal Einstein konnte diese Richtung beeinflußen. Theoretisch aber kann Stillstand Fortschritt bedeuten, wenn Fortschritt Rückschritt bedeutet!

Wow !!!! bin beeindruckt !! so was von philosophisch.. Danke !

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@solf1

Abwechslung zwischen Salatöl und Fahrradpedalen!

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Rein volkswirtschaftlich gesehen ist Stillstand ein Rückschritt. Das ist auch logisch zu erklären. Ein Markt hat 100% und jeder Marktteilnehmer x %. Wenn nun ein Marktteilnehmer stehen bleibt, also keine neuen Produkte entwickelt oder Dienstleistungen auf den Markt bringt, wird er weniger verkaufen. Somit wird sein Marktanteil kleiner und der eines Anderen größer. Weil die Menschen die ihren Bedarf decken wollen immer nur nach dem neuesten, modernsten bzw. effizientesten Ausschau halten. Das kann man am Besten in der Automobilindustrie verfolgen. Alte Modelle sind Ladenhüter. Wenn keine neuen Modelle folgen, verliert das Unternehmen Marktanteile.

Absolut nichts für Philosophen, sondern eine völlig nüchterne Angelegenheit!

Das Problem liegt tiefer verwurzelt:

Unser Wirtschaftssystem - die "kapitalistische Marktwirtschaft" - basiert auf Wachstum. Sobald jedoch alle Märkte erschlossen sind - also die "vollendete Globalisierung" - gibt es kein Wachstum mehr(es sei denn, wir überfallen einen weiteren Planeten), er wird verdrängt von einem ruinösen "Verdrängungswettbewerb" auf Kosten von Mensch und Natur!

Mit der "sozialen Marktwirtschaft" sollte versucht werden, die negativen Auswüchse des Kapitalismus einzudämmen, diese wird jedoch durch falsche Weichenstellungen in der Anfangszeit ebenfalls vom "Brutalkapitalismus" augezehrt! Da aber auch in diesem System der Wachstum die Antriebskraft ist, ist es genauso zum Scheitern verurteilt.

Dem "Kapitalismus" ereilt also das gleiche Schicksal wie dem im ehemaligen Ostblock praktizierten "Kommunismus" bzw. dessen Vorstufe, dem "Sozialismus"!

Wir brauchen also einen neuen "Karl Marx", der für uns ein soziales und ökologisch nachhaltiges Wirtschaftssystem erfindet, welches ohne Wachstum funktioniert!

Dieser Spruch bezieht sich ja zum einen auf Wachstum in Wirtschaftssystemen sowie auf die Entwicklung eines Menschen.

Bei Wirtschaftssystemen ist Stillstand heutzutage tatsächlich kein Rückschritt, sondern eine begrüßenswerte Optimierung der Möglichkeiten hin in Richtung gesteigerter Effizienz und schonenderen Umgangs mit Resourcen.


Auf die menschliche Entwicklung bezogen ist Stillstand eher Rückschritt. Dabei verstehe ich hier unter Stillstand den Verzicht darauf, sich intellektuell und zwischenmenschlich weiterzuentwickeln. Konsum-Stillstand schließe ich hiervon aus.

eine tolle Antwort so zwischen Kinder ins Bett bringen.. und ? Gruss Solf

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Stillstand ein Rückschritt?

Immer höhere Flexibilität ist doch das Credo der Management-Gurus. In allen Lebensbereichen, beruflich und privat längst ein Charakteristikum unserer Zeit!?

Ich meine, wer flexibel ist, wer bereit ist, immer neue Ziele zu akzeptieren und sich auf immer neue Rahmenbedingungen einlässt, fängt immer wieder bei Null an.

Es gibt keine Zeit zur Weiterentwicklung, zur Vertiefung, keine Chance zur Ausbildung hervorragender Fähigkeiten.

Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern in hohem Maße Flexibilität abverlangt, beschäftigt ein Heer von Dauerlehrlingen, die nie, auch nur annähernd Meisterhaftes vollbringen werden.

Denn um Großes zu vollbringen bedarf es auch mal des Stillstandes, der Ruhe, des Insichgehens, der Konzentration - und das ist im "Dauerlauf" nicht möglich

Chapeau nach Steinabrückl ! Freut mich, dass du wieder " da " bist ! Warst auf einer Insel ?? Gruss Solf

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@solf1

Ja hatte "freiwilligen" Stillstand, um wieder konstruktiv durchstarten zu können!

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...was jetzt hier als Bereich angedacht ist, ist mir sekundär. Eines steht fest, Europäischer Stillstand wie teils ersichtlich ist, ist Europäischer Rückschritt ! Und nirgend ist echte Ernsthaftigkeit erkennbar dies auch tatsächlich vorteilhaft für Europa zu ändern. Regionale Egoismen spenden der Lunte viel Kraft ?

Der Stillstand kann auch ein Kräftesammeln, ein Anlauf zum Sprung bedeuten.

Dann aber ist es kein Stillstand sondern ein sammeln seiner Kräfte.

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@engelhaar

Also ich kann nur Kräfte sammeln, wenn ich stillstehe. Manchmal sogar auch erst, wenn ich einen Rückschritt mache. :)

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