Ist Sterbehilfe ethisch vertretbar?

17 Antworten

Hallo,

wenn der Leidende selber darum bittet, ja. Selbstverständlich. Es ist ein Grundrecht, ein natürliches Recht, das durch kein Gesetz seine Gültigkeit verliert. Es gibt keine Pflicht zum Leben. Im Gegenteil.

Leider ist die dominierende Moral unserer Gesellschaft, die Gesetzeslage und zum Teil die Psychiatrie selbst durch die Angst vor dem Tod paralysiert und sieht die Dinge nicht ganz klar.

Die unserer Gesellschaft dominierende Moral ist die christliche und daher nicht jedermanns Sache, was die Vertreter dieser Moral nicht abhält, diese anderen aufzuzwingen, weil nicht die Bedürfnisse des Leidenden im Vordergrund stehen, sondern die Unantasbarkeit einer aus der Zeit gefallen Moral. Die Gesetzeslage baut zum Teil auf diese Moral auf und verwehrt den Menschen das natürliche Recht auf ein vorzeitiges Beenden des eigenen Lebens. Und die Psychiatrie hat den Hang zu pathologisieren, das Leben zu idealisieren und den Tod zu bekämpfen, als wäre er Lord Voldemort aus Harry Potter.

Es gibt Länder, wo die aktive Sterbehilfe anders geregelt ist. Hier kannst du dich dadurch strafbar machen, was nicht wenige dazu veranlasst, in die Schweiz oder woanders zu fahren, um dort würdig aus dem Leben scheiden zu können.

In Deutschland wird Selbstbestimmung leider immer noch klein geschrieben. Aber auch das wird sich ändern. Irgendwann.

Woher ich das weiß: Recherche

Meine persönliche Einstellung: Wenn der Patient das wünscht und auch noch in der Lage ist, diesen Wunsch zu äußern (oder entsprechendes schon vorher schriftlich festgehalten hat in einer Patientenverfügung oder einem Testament), dann ja, sollte es möglich sein, es ihm zu erleichtern und selbst zu entscheiden wann und wie er geht. Ich habe meinem Großvater beim langsamen Dahinsiechen zugucken müssen, es zog sich über Jahre und er wollte schon lange nicht mehr, aber man hat ihn einfach nicht sterben lassen. Das hat uns allen einfach nur weh getan und als es dann vorbei war, waren wir in erster Linie erleichtert. Die Trauerarbeit hatten wir zum größten Teil schon lange hinter uns.

Mein Bruder ist Krankenpfleger, der sieht das skeptischer, weil er es aus der Perspektive sieht, derjenige zu sein, der es machen müsste und es immer Menschen geben wird, die nicht nachvollziehen können, wieso jemand Sterbehilfe gibt, man also immer von irgendwem den Stempel "Mörder" aufgedrückt bekommen wird.

Demnach wäre es dauch da sinnvoll, dass kein Pfleger oder Arzt das machen muss, wenn ers nicht möchte. Ein beidseitiges Einverständnis zwischen Patient und demjenigen, der ihm die Pillen hinlegt, die Spritze setzt, den Tropf überdosiert oder was auch immer sollte dann Voraussetzung sein und der Pfleger ider Arzt anonym bleiben, wenn sie das wünschen.

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