Ist schon mal jemand die Hauptstraße 55 in Ungarn gefahren?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Das ist eine normale ungarische Landstraße. Das Verkehrsaufkommen variert: Sonntagnachmittags und -abends fahren die ganze Pendler los, die in den Städten oder in Österreich arbeiten. Genauso kommen die am Freitagabend nach Hause. Dann gibt es "Stoßzeiten". Das hält sich aber in Grenzen.

Nicht die Verkehrsdichte ist in Ungarn das Problem, sondern die Fahrweise und den Zustand der Fahrzeuge. Der technische Zustand der Fahrzeuge hat sich zwar im Durchschnitt schon sehr gebessert, aber es fahren noch immer völlig überladene Kleinbusse durch die Gegend, oder vorsinntflutliche Trecker und Heuwagen. Die Ungarn überholen hemmungslos auch in Kurven, bei Einmündungen oder an unübersichtlichen Stellen.

Vorsicht mit der Polizei. Auch wenn man absolut vorschriftsmäßig gefahren ist, halten sie ausländische Fahrzeuge an, und behaupten, man sei zu schnell gefahren, hätte eine Ampel (es gibt da kaum welche) übersehen, ein Fahrrad abgedrängt, oder die Reifen hätten nicht den richtigen Druck. Sie "finden" immer etwas und behaupten dann, das Fahrzeug müsste nun "konfisziert" werden. Das ist natürlich Unsinn, und die Polizisten sind nur auf ihr kleines Bestechungsgeld aus. Bei den meisten Ausländer funktioniert das, und sie erhalten für die "Freundlichkeit das Auto nicht zu beschlagnahmen" in der Regel 5-10.000 HUF. 

Ich bezahle aber grundsätzlich keine Bestechungsgelder. Ich wohne teilweise in Ungarn und kenne die Tricks hier. Dagegen wappne ich mich mit anderen Tricks. Ich habe immer ein paar Visitenkarten dabei von hohe Stellen in der Botschaft oder von Anwälten aus teuren internationalen Kanzleien (White and Case etc). Sobald mir jemand Geld abknüpfen will (was ohnehin unmöglich ist, da ich Niederländerin bin, und die sind bekanntermaßen sparsamer als die Schotten) rücke ich die Karten raus und sage: "Pillanot, hivom az ügyvédem", was heißt: "Moment mal, ich rufe meinen Anwalt an". (wird gesprochen: Pielanot, hievom os üdjveedem). Dann finden die Polizisten das Auto plötzlich ganz in Ordnung und die Sache mit der Ampel war ja gar nicht so schlimm.....

Wie gesagt, das Verkehrsaufkommen ist normal, aber im Lande gibt es Dinge, die eben ein wenig anders sind.

edgar1279 26.02.2017, 22:14

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Wirklich sehr interessant, was da teilweise abläuft. Ich kenne bisher immer nur die Landstraße von Györ zum Plattensee. Die sind wir früher öfter gefahren. Aber die Abzocke ist mir neu. Das ist wirklich allerhand.

0
Schwervelke 26.02.2017, 22:28
@edgar1279

Ich habe lange in Budapest gearbeitet, und bin immer wieder in Ungarn. Die Strecke Györ- Keszthely oder Györ Vészprem kenne ich auch. Dort sind die Dörfer wohlhabender, und wurden früher renoviert, da viele Österreicher und Deutschen dort Immobilien gekauft haben. Diese ausländische Immobilienbesitzer sind recht gut organisiert, u.a, als Mitglied der "Stiftung Deutschsprachiger Immobilienbesitzer" die auch am Balaton ihren Sitz hat. Das macht viel aus. Die Polizei weiss mittlerweile, dass dort wenig zu holen ist (außer von Engländer die ja eher arglos agieren, aber selten mit dem Auto unterwegs sind) und so gibt es diese Abzockertricks da nicht so häufig. Ab meisten wird man im Süden und Süd-Osten abgefangen. Einbruch und Diebstahl kommen eher östlich von Miskolc vor, aber das sind rein statistische Werte. Theoretisch kann es einem überall erwischen. Ich reise in Ungarn oft mit Mietwagen, das entspannt die Lage.

0
edgar1279 11.04.2017, 18:20

So, letzten Sonntag hab ich meinen 3-Tages-Trip erfolgreich beendet. Alles ist nach Plan gelaufen. Über 3.000 Kilometer kamen zusammen :-)

0

Was möchtest Du wissen?