ist ritzen eine Nebenwirkung von depressionen und selbsthass?

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7 Antworten

Vorweg: Das selbstverletzende Verhalten ist ein ungemein komplexes Thema, welches sich durch die verschiedensten psychischen Störungen zieht und durch verschiedenste Lebensumstände. Auch die Motivation ist so individuell, wie der Betroffene selbst. Aus diesem Grund sind nachfolgende Beschreibungen stark vereinfacht und stellenweise verallgemeinernd. Ich bitte dies beim lesen zu berücksichtigen. 

Es geht nur darum, die Vielfältigkeit der Ursprünge darzustellen.

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Die Motivation und der Ursprung von selbstverletztendem Verhalten (SVV) kann vielfältig sein. 

Zuerst muss geklärt werden, dass selbstverletzendes Verhalten keine Nebenwirkung ist, sondern ein Symptom beziehungsweise eine dysfunktionale oder auch gestörte Verhaltensweise ist. 

Psychische Erkrankungen respektive Störungen spielen beim selbstverletzendem Verhalten eine tragenden Rolle, allerdings beschränken sich diese nicht nur auf Depressionen. Von Persönlichkeitsstörungen über Zwangsstörungen bis hin zu Traumatisierungen - die Ursachen für ein selbstverletzendes Verhalten können vielfältig sein. Allerdings kann auch die "hormonelle Verwirrung" der Pubertät einen Hang zum selbstverletzendem Verhalten auslösen.

An der Stelle kommt die Motivation ins Spiel. In Verruf geraten ist das "Selbstverletzen um Aufmerksamkeit zu erhalten". Diese Handlung ist stark negativ behaftet und gerät immer wieder in Kritik, dabei ist auch diese Reaktion durchaus ernstzunehmend. Wer von seinem Umfeld nicht ernst- oder wahrgenommen wird, allerdings aus Unterstützung angewiesen ist oder einen Bedarf empfindet, weiß sich oftmals nicht anders zu behelfen.

Der Wunsch Aufmerksamkeit zu erhalten ist natürlich und steckt in jedem von uns. Gerade wenn es uns schlecht geht, wir Probleme haben und Hilfe benötigen, dann ist es eine äußerst schwer zu bewältigende Situation, wenn niemand auf die "Hilferufe" reagiert.

Gerade im Zusammenhang mit der Pubertät, auch wenn man dies nicht verallgemeinern kann, tritt dieses Phänomen oft auf, dass das selbstverletzende Verhalten als Möglichkeit zum Aufmerksamkeitsgewinn herangezogen wird. 

Diese Motivation zu belächeln und im Zweifel, auch "nur verbal", auf diese Person mit Abneigung, Mobbing et cetera zu reagieren, ist höchst kontraproduktiv. In manchen Fällen entsteht genau aus dieser Resonanz schlussendlich ein wesentlich größeres Problem.

Allerdings kann auch der bereits angeführte "Selbsthass" eine tragende Rolle spielen. In diesem Falle wirkt die Selbstverletzung als Selbstbestrafung - beispielsweise für einen, stellenweise banal wirkenden, Fehler. Hierbei spielt oft die Unfähigkeit, sich selbst verzeihen zu können beziehungsweise als "nicht permanent perfekten Menschen" wahrnehmen zu können, eine entscheidende Rolle. Gerade bei objektiven Banalitäten, wird der, für den Betroffenen, unverzeihliche Fehler nicht abgestraft - aus diesem Grund wird diese Handlung selbst vollzogen. Das ist allerdings nur eine mögliche Denkweise.

Im Kontext der Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) und auch im Zuge von anderen psychischen Störungen, fungiert die Selbstverletzung als Ventil, um einen inneren Druck, eine Anspannung, lösen zu können. Auch an der Stelle greift oftmals auch der "Selbsthass", allerdings wird auch die beruhigende Wirkung angestrebt. Der kurzfristig positive Effekt ist für die Betroffenen besonders relevant.

An der Stelle muss der "Selbsthass" einmal geteilt werden. Die beiden eben beschriebenen Beispiele beziehen sich, teilweise zumindest, auf "das Innere". Das können also Handlungen, Gefühle, Leistungen, Eigenschaften et cetera sein, die einen entscheidenden Auslöser bilden. Allerdings kann dieser Selbsthass auch rein physisch begründet sein.

So findet sich selbstverletzendes Verhalten auch Menschen mit Essstörung oder starken Übergewicht - hierbei zielt der Hass rein auf den Körper ab, den man "zerstören" oder "vernichten" möchten. Auch bei Transgender findet sich dieses Verhalten gehäuft. Dabei steht "das Innere" nicht im Fokus, sondern der reine Hass auf den eigenen Körper.

Darüber hinaus gibt es noch gesonderte Fälle, die eher als eine "Subkultur" bezeichnet werden können. Hier ist das selbstverletzende Verhalten weder in Selbsthass begründet, noch in dem konkreten Wunsch nach Aufmerksamkeit. Die Motivation hier, kann in einem sexuellem Fetisch begründet sein oder auch dem ästhetischen Gefallen, an beispielsweise Narben. Inwiefern man diese Motivationen in eine Reihe mit psychischen Störungsbildern stellen möchte, ist eine Diskussion für sich.

Schlussendlich könnte man sich jetzt noch anschauen, in welchen Fällen die Intensität des selbstverletzenden Verhaltens am größten oder kleinsten ausfällt aber das führt an der Stelle womöglich zu weit - bei Nachfragen kannst du jedoch gerne einen Kommentar hinterlassen oder mich persönlich anschreiben.

Kurzum - Selbstverletzendes Verhalten kann in vielen seinen Ursprung finden und die Motivationen können sich drastisch unterscheiden. Auch wenn der Selbsthass respektive die Selbstbestrafung sich oftmals finden, müssen sich nicht zwangsläufig immer gegeben sein. An der Stelle, wenn man es genau wissen möchte, ist jeder individuell zu betrachten.

Liebe Grüße.

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ist ritzen eine Nebenwirkung von depressionen und selbsthass?

Sicher kann es ein Symptom von Depressionen, Selbsthass, Borderline o.Ä. sein. Meist ist einfach ein versuchter Ausweg aus diesem Leid, dass besteht. Aber irgendwann geht es einfach in eine Sucht über. Aber nicht jder der Borderline hat, depressiv ist oder sich selbst hasst, verletzt sich selbst. Physische Krankheiten können sich ja auch unterschiedlich zeigen.

Bei Fragen, melde dich einfach mit Freundschaftsanfrage bei mir. ;)

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Es gibt neben Depressionen oder Selbsthass noch weitere Gründe: Angststörungen, Mobbing, unverarbeitete Ereignisse aus der Vergangenheit (PTBS)...

Das müssen dann aber die Fachleute herausfinden.

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Nebenwirkung?

Es ist ein Symptom. Die Frage ist für welche Erfahrung?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. 

Es gibt vielfältige Krankheitsbilder der menschlichen Psyche. Eine genaue Diagnose wird ein Arzt (Psychiater) stellen können.

Was ich Dir aber jetzt schon sagen kann, ist, dass Du Dich nicht magst. 

Ein Mensch der sich selbst liebt. Seinen Geist und seinen Körper liebt, verletzt sich nicht.

Ein Mensch der dies tut, ist sehr unglücklich. Unglaublich mit sich selbst und seinem Leben.

Das bedeutet dass es sich hier auch um einen depressiven Menschen handelt.

Die Antwort auf Deine Frage lautet also, zweimal ja.

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Es kann natürlich sein das depressive menschen sich ritzen und es dann eine "Nebenwirkung" ist, aber das heißt nicht das alle Leute die sich selbst verletzen auch Depressionen haben.

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Kommt darauf an. Bei Menschen, die ernsthaft unter SSV leiden, unter Umständen schon, aber leider machen das heutzutage auch viele Jugendliche, um damit Aufmerksamkeit zu erlangen.

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Kommentar von LittleMistery
21.08.2016, 21:02

Aber nicht alle.

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Kommentar von YogSothothh
21.08.2016, 21:05

Aber es gibt viel zu viele davon, die Bilder von ihren Schnitten auf Insta oder sonst wo Posten, damit sie dort mal im Mittelpunkt stehen. Solche Leute haben keine Ahnung, wie es sich wirklich anfühlt, depressiv zu sein. Die meisten waren noch nicht mal bei einem Therapeuten der tatsächlich eine Depression diagnostiziert hat, sondern haben mal eben schnell einen Test im Internet gemacht.

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Kommentar von YogSothothh
21.08.2016, 21:14

Du sprichst mir aus der Seele :D

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Nicht zwingend.

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