Ist Ritzen ein Trend geworden?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo!

Manche wollen Aufmerksamkeit um jeden Preis und denen ist dann jedes Mittel recht, auch wenn es Krankheiten sind die man sich zudem in der Teeniezeit in den meisten Fällen selbst attestiert weil man Symptome googelt und sich dann denkt "jap, das hab' ich" oder weil man meint, dass man mehr Aufmerksamkeit, Achtung, Höflichkeit und Respekt/Liebe erfährt wenn man als depressiv oder anderweitig gehandicapt gilt. Die Leute sind ja auch nicht dumm bzw. sind ja auch einfallsreich; manche trainieren sich dann im Internet aufgelistete Symptome an, damit man ihnen das auch abnimmt. Ich habe das alles schon gesehen und erlebt.

Ähnlich ist es bei der Ritzerei - man verspricht sich davon wohl die bisher nicht erhaltene Aufmerksamkeit und Zuneigung anderer oder Erbarmen, ggf. dass man in der Schule eher berücksichtigt wird. In die gleiche Richtung gehen diese Duckfacefotos bei Facebook, gern mit kopierten, tiefsinnig wirkenden Zitaten garniert. Da kann also schon was dran sein.

Ich habe in meiner Realschulzeit zudem mal ein Mädchen erlebt, das sich allen Ernstes in dem Glauben wähnte an Parkinson (!) zu leiden und das auch so durchaus rumerzählt hat.

Manchmal hat so etwas aber eine ganz traurige und sogar nachvollziehbare Wurzel - ich kenne etwa einige Mädels zwischen 16 und 20, die sich ritzen oder andere SVV-Verhaltensweisen zeigten und da ging zuhause immer ordentlich die Post ab, das hatte zumindest bei denen immer irgendeine traurige und das Ganze letztlich auf eigene Weise erklärende Vorgeschichte. Für eine bin ich so ein bisschen der berufliche Mentor und Lebenshilfe-Erklärbär, was auch immer, irgendwas von beidem, und ich kenne auch die Familie -----> sorry, da wundert einen nix mehr, wenn die Tochter mit 19 psychisch fertig ist und jahrelang die Ritzerei nicht in den Griff bekam.

Auch das Mädchen, das sich als Parkinson-Patientin wähnte, wurde über Jahre hinweg, was ich erst später erfuhr, von ihrer Mutter auf schlimmste Weise seelisch gedemütigt und körperlich misshandelt. Da ist so etwas kein Wunder & auch Eltern können dem Spruch "Straßenengel und Hausteufel" voll entsprechen.

Man muss da immer zwei Seiten sehen und sollte nicht vorschnell urteilen. Richtig ist aber, dass viele Teenager Aufmerksamkeit suchen und meinen, sie spätestens über Ritzerei, Depressionen usw. zu erhalten - so genoss auch die junge "Parkinson-Patientin" seinerzeit große Fürsorge von einer Lehrerin, die zwar diese Parkinsonstory nicht glaubte, sich aber echte Sorgen um sie machte. Richtig ist auch, dass durch das Internet eine große Welle aufkam - SVV gab es schon früher, es war nur ein Tabuthema und wurde ohne Internet und diese wahre Flut semi-seriöser Medien nicht in die Öffentlichkeit getragen.

Soweit meine Ansicht dazu.

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung
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Vielen Dank für deine Antwort. Ja, so ähnlich dachte ich es mir schon.

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Meine persönliche Erfahrung ist das ritzen ansteckend ist.

Es geht einem schlecht, man sieht andere tun es und denkt sich "ich probier das mal aus" für viele ist dann auch nach 1-2 mal Schluss und andere machen weiter in der Hoffnung ihnen wird geholfen, andere weil sie wirklich Selbstverletzendes Verhalten als Lösung sehen.

Sogenannte Trigger.

Gabs früher auch aber da wurde halt anders damit umgegangen da hat man dann wie du sagst alkohol getrunken oder sich sonstwie selbst verletzt ohne gleich zu ritzen.

Das Internet tut sein übriges dazu wenn man überall Infos bekommen kann, leider suchen die Jugendlichen nach falschen Infos, sie suchen nach Gleichgesinnten und nicht nach Hilfe.

Ich als junger Mann, grade mal etwa ein Jahr aus dem heutigen Schulsystem raus, versuche da mal zu Stellung zu nehmen:

Ja, Ritzen liegt im Trend. Es ist eine Art "hippe" Selbstverletzungsmethode und auch im Internet finden junge Menschen problemlos "Anleitungen" zum effektiven Ritzen. Meine erste Freundin hat sich sehr oft geritzt. Sie war nicht die Einzige auf der Schule, die diesem Laster fröhnte. Es sind meistens Menschen (überwiegend weibliche) aus problematischen Verhältnissen / Elternhäusern, die sich nicht so richtig wohl in der Gesellschaft und in ihrer eigenen Haut fühlen, und das nun mal durch diese Selbstverletzung zum Ausdruck bringen.

Das ganze mag viele verschiedene Ursachen haben: Der steigende Leistungsdruck der Gesellschaft bei gleichzeitiger Wertelosigkeit und Gleichgültigkeit (Geld Anhäufen als das einzige Ziel des modernen Menschens bzw. modernen Konsumviehs), Vaterlosigkeit respektive hohe Scheidungsquoten (wesentlich höher als zu Ihrer Zeit, möchte man anmerken) genereller gesellschaftlicher Verfall (Sittenverfall) und dadurch resultierendes Mobbing, liberale Degeneranzkultur der Drogen (jeder zweite in meiner Klasse hat geraucht, ausnahmslos jeder trank Alkohol, kaum einer machte Sport) und so weiter und so fort. Dass das alles zum Lebensglück nicht wesentlich beiträgt, ist meiner Meinung nach nun rein logisch.

Den jungen Menschen von Heute fehlt es an positiven Rollenbildern, an denen sie sich orientieren können. Die meisten Sternchen der heutigen Welt fördern einen verschwenderischen und hedonistischen Lebensstil mit Drogen, Gewalt und sexuellen Exzessen, und ja, auch mit Selbstverletzung bzw. Suizid.

Abschließend lässt sich nur sagen, dass ich mit Bedauern auf die heutigen Schüler schaue, die sich sechs bis acht Stunden täglich in einen Raum mit dreißig anderen Kindern bzw. Jugendlichen setzen müssen und dort völlig perspektivlos für eine Gesellschaft, die dem kulturell-sittlichen Verfall ausgeliefert ist Sachen lernen, die sie zum Großteil nicht brauchen werden, in einer Umgebung in der sie sich nicht wohlfühlen um in ein Elternhaus zurückzukehren welches (wenn überhaupt vorhanden) meist nur ein Elternteil aufzuweisen hat und in dem sowieso weder strikte Regeln noch ein moralischer Kompass herrscht, weil beide Elternteile (wie gesagt, WENN vorhanden) die meiste Zeit sowieso arbeiten sind und sich kaum um die Kinder kümmern können. Dass da nichts draus werden kann bedarf keiner Worte.

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Autoagressives Verhalten ist in den unterschiedlichsten Formen Bestandteil von ettlichen psychischen Erkrankungen, die zum großen Teil, wie z.B. die bipolare Shizophrenie, bereits genetisch durch die Vorfahren vererbt wurden.

Was du da alles aufzählst, ist keine Ursache für irgendetwas davon.

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@Fraganti

Dass diese Krankheiten genetisch bedingt seien können ist richtig. Allerdings die komplette Ursache nur auf die Genetik abzuwälzen ist schon allein in Anbetracht dessen irrsinnig, dass heutzutage ungleich viel mehr Fälle von selbstverletzendem Verhalten vorkommen als noch vor ein paar Jahrzehnten. Also entweder sind da genetisch riesen Sprünge passiert, was eine sehr weit hergeholte Erklärung wäre, oder die Gesellschaft wird einfach immer depressiver, trauriger und unglücklicher, was in Anbetracht der Problematiken die ich in der Antwort aufzählte auch wesentlich logischer erscheinen sollte, vor allem im Bezug auf Scheidungskinder und die Folgen für die Psyche sowie Sittenverfall und Mobbing. Um von Drogen mal ganz zu schweigen.

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@GroteskerAffe

Mal von "Die Leiden des jungen Werther" 1774 gehört?

Durch das Buch wurde niemand psychisch krank, aber Trittbrettfahrer fanden es fürchterlich cool, seine Klamotten zu kopieren und sich aus Liebeskummer das Hirn mit einer Steinschlosspistole wegzuschießen,

Der explosionsartige Anstieg an Suizdfällen, -versuchen, -vortäuschungen, -androhungen ist gut dokumentiert. Es lag nicht an kulturellem Verfall, am Vermögen des Nachbarns, einem schlechten Elternhaus (Leute aus schlechtem Elternhaus konnten sogar nicht mal lesen und hatten gar nicht das Geld für die Klamotten und eine Pistole) oder sonst irgendetwas. Es wurde in einer bestimmten Gesellschaftsschicht einfach eine zeitweilige Mode!

So wie es z.B. in Polen vor etwa 5 Jahren sehr in Mode unter männlichen Jugendlichen/jungen Männern war, sich im Wald zu erhängen, wenn die Freundin Schluss machte, bzw. war es Mode die Absicht des Erhängens vorzutäuschen und sich von Freunden/Verwandten retten zu lassen. An Westeuropa ging diese Modewelle unerkannt vorbei. Natürlich waren die meisten davon gar nicht suizidgefährdet sondern verfolgten logische Absichten. Die einen in Richtung "männlicher und ultimativer Liebesbeweis", die anderen in Richtung "Ich brauche Unterstützung darin sie zum Täter/zur Schuldige zu machen! Rache! Alle sollen sie hassen! Ich hätte mich wegen ihr fast umgebracht!"

So etwas tritt immer in Wellen auf. Die Anzahl an ursächlich Erkrankten ist aber praktisch konstant, bzw. bewegt sich parallel zum allgemeinen Bevölkerungsanstieg/-rückgang. Die Symptome (in diesem Fall Ritzen) dagegen unterliegen dem In und Out Schema. Das selbstständige Auspeitschen ist z.B. auch sehr effektiv zur Selbstverletzung. Es wird auch aktuell medial fortlaufend aufgegriffen, ist daher niemandem unbekannt, jedoch ist es gerade nicht modern! Es wird in die Ecke "religiöse Verblendung" bis "sexueller Fetisch" gestellt und ist somit etwas, womit ein typischer Ritzanfänger in Deutschland (w und U15) sich nicht identifizieren kann und die eigenen Ziele sogar eher gefährdet sieht.

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@Fraganti

Nein. Aber da stimmen wir ja dann überein-Das Ritzen als Selbstverletzungsform ist eine Modeerscheinung.

Was keine Modeerscheinung sondern ein tatsächlicher Trend ist, der aufgrund von vielen verschiedenen Faktoren zustande kommt, ähnlich der rapiden Bevölkerungsentwicklung ist der Trend der "Depressionen", der Suizide oder Suizidversuche oder auch des selbstverletzendem Verhalten. Das kommt alles wieder auf den Kontinent und das jeweilige Land an.

Wir können ab und an immer mal wieder beobachten, dass es "Spitzen" gibt, in denen bestimmte Sachen einfach Modeerscheinungen sind. Aber der generelle Trend ist ein kontinuierlicher. So steigen in den USA beispielsweise die Suizidraten seit den sechzigern konsequent, wenn sie auch in den siebzigern für Frauen den Höchstpunkt erreicht haben, so ist ein Trend erkennbar. Ähnlich ist es hierzulande mit den Depressionen und dem selbstverletzendem Verhalten.

Diese gesamte Erscheinung des selbstverletzendem Verhaltens, der steigenden Rate der Depressionen et cetera also nur als eine kurzweilige Modeerscheinung abzutun ist schlichtweg falsch, da Statistiken belegen, dass diese Fälle kontinuierlich häufiger vorkommen, je älter die Menschheit wird. Wenn Menschen wie die Fragestellerin sagen "bei uns war es nicht so!" dann ist das nicht nur einfach Unwissenheit oder Verschlossenheit zu verschulden, nein, es war auch nicht so. Zumindest nicht so extrem.

Wo wir ebenfalls gemeinsam übereinstimmen ist, dass Medien wie Bücher, Musik, Filme und sonstige kulturelle Werke so einen "Trend" verstärken können. Wenn der Lieblingsrapper plötzlich über Selbstverletzung und Drogen rappt, ist das "cool" und man will es auch tun. Zumindest wenn man jung und stumpfsinnig ist. Dieser ganze mediale Aspekt, auch durch Nachrichten von Menschen die sich bspw. mit der Begründung des Mobbings umgebracht haben und dadurch berühmt wurden, verstärkt natürlich das Interesse der Jugendlichen an solchen Akten enorm.

Was aber ein schlichtweg unumstößlicher Fakt bleibt ist, dass noch nie so viele Menschen in Deutschland Depressionen hatten und noch nie so viele Menschen sich selbst verletzt haben-ob jetzt prozentual oder nominal. Depressionen steigen in fast ausnahmslos jedem westlichen Land seitdem wir diese dokumentieren. Woran das liegen mag ist umstritten: Einerseits wäre da der bereits erwähnte kulturell-sittliche Verfall, Mobbing, der "Trend" bzw. das kurzzeitige Phänomen (ist halt einfach "in"), kaputte Familien, die kaputte konsumorientierte Ellenbogengesellschaft, Negativität wohin das Auge blickt, oder wohin das Ohr hört, ob in den Nachrichten oder in der Musik, Medikamente die sowieso schon depressive Menschen noch schwerer in die Depression stürzen, da sie nicht die Ursache sondern die Symptome bekämpfen, oder noch schlimmer: Völlig gesunde Menschen mit falscher Einstellung / selbst verursachtem und übertriebenem Leid tatsächlich depressiv machen, und so weiter und so fort.

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Thema ritzen-wie seht ihr das?

Ich habe mich gefragt wie ihr es seht wenn sich jemand aus Aufmerksamkeit ritzt.

Wenn ein Kommentar dazu kommt dann sieht meine Antwort meistens so ähnlich aus:

Ich verstehe nicht wieso Leute die sich aus Aufmerksamkeit ritzen so runter gemacht werden. Ich meine wie wenig Aufmerksamkeit und Liebe muss so jemand kriegen damit er zu solchen Mitteln greift. Wisst ihr eigentlich wie das Gefühl ist wenn man sich ritzen will bzw. Muss denn das ist in diesem Moment eine andre Person in einem die einen ritzt. Wisst ihr wie es diesen Leuten geht? Wisst ihr was sie durchmachen? Wie sie sich fühlen? Und ganz im Ernst macht es es wirklich weniger schlimm wenn sich jemand aus Aufmerksamkeit ritzt? Ich meine er verletzt sich ja immer noch selbst und wenn er dann in eine Sucht Gerät verstehe ich nicht wieso das jetzt weniger schlimm Ist. Ich meine zählt denn wirklich wieso man sich ritzt?

Das wäre jetzt meine Meinung. Stimmt ihr mir zu?Wenn nein wieso?

Es wäre lieb wenn ihr auch dazu schreibt ob ihr euch ritzt/geritzt habt oder nicht.

Danke für Antworten

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