Ist politisch Links nicht objektiv moralischer als politisch Rechts?

Kann denn Moral überhaupt objektiv sein?

puh jetzt wirds aber tiefgründig.

Ich schreib dir einen reply, man kann hier zu wenig rein schreiben :(

Gutes Beispiel. Für mich sind zwei Partner nämlich nicht automatisch unmoralisch. Die Moral der Gesellschaft stimmt mit meiner eigenen nur wenig überein.

ich hab dir eine DM geschrieben weil meine Antwort hier für alles zu viele Zeichen hatte hahahah

11 Antworten

Hallo squanch,

ich würde mich selbst als eher "Rechter" einordnen und finde die von Dir zitierten Wikipedia-Definitionen durchaus treffend und interessant. Dann aber schreibst Du:

"... ist es schon eindeutig und objektiv moralischer und einfach "besser" Gleichheit und Fairness anzustreben, Unterdrückung, soziale Ungleichheit und Benachteiligung abschaffen zu wollen, als die Ungleichheit als gegeben und sogar als gut und richtig zu sehen."

In diesem Satz wirfst Du vieles miteinander zusammen, was nicht zusammengehört, nämlich zum Beispiel "Gleichheit" offenbar automatisch mit "Fairness". Und "Ungleichheit" offenbar automatisch mit "Unterdrückung". Das sind aber in beiden Fällen völlig unterschiedliche Dinge. In obiger Definition von "rechts" ist denn auch von der Befürwortung von Unterdrückung und von einer generellen Ablehnung von "Fairness" keine Rede. Im Gegenteil: In der von Dir selbst zitierten Wikipedia-Definition von "liberalen Rechten" heißt es ja explizit, dass diese liberalen Rechte "Ungleichheit nur dann für gerechtfertigt hält, wenn sie das Resultat eines fairen (!) Wettbewerbs (...) ist." Eine solche liberale Rechte steht dem Wert der Fairness somit positiv gegenüber, nicht negativ.

Eine solche liberale Rechte hätte sicherlich auch nichts gegen die Bekämpfung von Unterdrückung auszusetzen, sodass es in diesem Punkt keinen Dissens zur politischen Linken gäbe. Beispielsweise dürfte Dir ja bekannt sein, dass die rechte Partei im deutschen Bundestag sich besonders dezidiert gegen die Unterdrückung von Frauen durch radikal-islamistische Ideologie wendet. Bekanntlich halten es Kritiker innerhalb des linken Spektrums wie zum Beispiel Kevin Kühnert für eine Blamage, dass die politische Linke dieses Thema der AfD überlässt, da es gemäß Deiner obenstehenden Wikipedia-Definition von "links" eigentlich ein linkes Kernthema sein müsste. (Dass Kritiker wiederum der AfD vorhalten, unzureichend zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden, steht auf einem anderen Blatt.)

Auch die von dieser Partei betonte Notwendigkeit von demokratischen Strukturen und der eindeutigen Verurteilung von Gewalt gegenüber politischen Gegnern ist das Gegenteil von Unterdrückung. Tatsächlich ist objektiv unverkennbar, dass die politische Linke paradoxerweise derzeit die stärkste Tendenz zur Unterdrückung von politischen Gegnern aufweist. Sodass sie entweder ihre Prinzipien völlig verraten hat - oder die Wikipedia-Definition ist beschönigend und linkslastig.

Wenn "rechts" also tatsächlich ein Synonym für Unterdrückung und Unfairness wäre, dann wäre Deine Argumentation vielleicht schlüssig, dass "links" generell moralischer ist. Dem ist aber nicht so, wie ich eben anhand von einigen Beispielen gezeigt habe und diesbezüglich noch viel weiter ausholen könnte mit vielen weiteren Beispielen.

"Ungleichheit" hingegen trifft zwar als Charakteristikum für die politische Rechte insgesamt im Großen und Ganzen zu, aber das ist etwas völlig anderes als Unterdrückung (übrigens verwechseln Linke auch ständig "Gleichheit der Menschen" mit "Gleichwertigkeit der Menschen", weshalb sie den falschen Schluss ziehen, dass Gleichheits-Gegner automatisch schlechte Menschen wären).

Und daher: Nein, die Befürwortung von "Gleichheit" ist nicht moralischer als "Ungleichheit". Denn die Frage ist ja immer, was der Preis für ein zu starkes Maß an Gleichheit ist und zu welchen Ergebnissen und Konsequenzen eine Politik der Gleichheit führt, nämlich z.Bsp. in der Wirtschaftspolitik: Eine Reduzierung der wirtschaftlichen Kraft und in der Folge ein verminderter Lebensstandard der oberen UND unteren Einkommensschichten. Oder zum Beispiel das Argument gegen Frauenquoten: Frauen nützt es auch nichts, weil es auf die Frauen zurückfällt, wenn fachlich ungeeignete Frauen in hohe Ämter gelangen.

Ob dem nun so ist, dass Gleichheits-Politik zu negativen Ergebnissen und auch für arme Menschen zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse führt, ist im Einzelfall natürlich zwischen Links und Rechts zu diskutieren. Bis zu einem gewissen Grad haben ja auch die meisten Rechten nichts gegen einen Rest an Gleichheit, z.Bsp. die gleichen Grundrechte für Männer/Frauen, oder dass Jeder einen Anspruch auf Sozialleistungen hat und so weiter. Bei Frauenquoten, Einheitsschulen oder Mietendeckel sieht das bekanntlich schon anders aus. Bei diesen drei Themen wäre dann zu diskutieren, ob die Ungleichheits-Politik der Rechten falsch oder richtig ist. Aber auch wenn man sie als falsch erachtet: Dass Rechte von vornherein mit moralisch niederen Beweggründen solche Positionen vertreten, kann man aus den von mir ausgeführten Gründen eben nicht sagen.

Es ist freilich nichts Neues, dass viele (nicht alle) politische Linke sich aufgrund solcher irrtümlicher Gedankengänge für die besseren Menschen halten, was einer der wesentlichen Gründe für die Vergiftung des politischen Klimas ist. Dass der dadurch erzeugte Zorn und Hass zu einer Radikalisierung und Verhärtung des konservativen bzw. demokratisch-rechten Spektrums führt und somit die Linken genau jene "rechte Menschenverachtung" heranzüchten, vor der sie doch so vehement und hysterisch warnen - tja, so weit denken die meisten Linken in ihrem engen Horizont nicht...

Ich kann mich der Definition nicht so anschließen, insofern finde ich die Frage, die ja auf dieser Definition beruht, so nicht beantwortbar.

Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass beide Strömungen im Parlament ihre Berechtigung haben. Ja mehr noch: Ich halt es sogar für absolut notwendig.

Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass beide Strömungen im Parlament ihre Berechtigung haben. Ja mehr noch: Ich halt es sogar für absolut notwendig.

aber die Frage war doch WARUM das? Warum ist beides wichtig, warum ist Gleichheit anstreben nicht einfach intrinsisch besser als Ungleichheit cool finden und akzeptieren?

Die Grundsätzlichen definitionen habe ich ganz einfach von Wikipedia genommen, hast du andere die besser passen?

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Nein, ist sie nicht. Man kann - und sollte - links und rechts auch anders definieren, denn so eindimensional wie in deiner Definition ist es nicht.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/zwei-begriffe-mit-unklarem-inhalt-linke-politik-rechte.1005.de.html?dram:article_id=419463

interessanter Text. Beim ersten Abschnitt musste ich aber stutzen.

Auf der linken Seite saß die Revolution, auf der rechten die Monarchie. Die einen wollten, dass sich alles ändert, die anderen wollten, dass alles bleibt, wie es ist. Später saß links der Kommunismus, rechts der Kapitalismus. Denn was als progressiv gilt und was als konservativ, ändert sich mit jeder Epoche.

Wieso ist das denn ein widerspruch? Weil Kapitalismus auch mal "das neue" und besser als Feudalismus war? Wie verstehst du den Satz?

Derzeit sind wir mitten in einem solchen Rollentausch. Allerdings scheint es, als würden die beiden Lager nicht nur ihre Inhalte tauschen, sondern auch die Seite. Die Linke wird auf einmal als staatstragend empfunden – vulgo „Elite“ –, während die Rechte sich als „Alternative“ definiert. Der Protest gegen das Bestehende kommt von rechts, während die Linke sich gezwungen sieht, ihre Werte zu verteidigen: Demokratie, Pluralismus, Aufklärung. Die Linke ist konservativ, während die Rechte utopisch denkt, mit dem Wort „Heimat“ als Kampfbegriff. Sitzt also die Revolution heute rechts und das Establishment links?

Als nächstes wird so getan als wäre das neue Linke jetzt konservativ, allein weil jetzt auch werte verteidigt werden? Die es vorher gab? Das ist dann schon konservativ? Obwohl die andere Seite noch viel ältere Werte verteidigt? hä?

ab da wird der artikel aber sehr gut :D

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Alleine am Begriff kann man es nicht festmachen. Rechts wäre zB ja auch die Erhaltung der Natur.

Ansonsten steht links steht eher für Gleichheit, Rechts eher für persönliche Freiheit. Damit bin ich zwar deiner Meinung, allerdings ist das mit der Moral ja so eine Sache.

Alleine am Begriff kann man es nicht festmachen. Rechts wäre zB ja auch die Erhaltung der Natur.

wieso das?

Ich meinte jetzt echt nicht was man alles darunter zählen KÖNNTE, sondern was die grundsätzliche ausrichtung der Ideologie angeht.

Ansonsten steht links steht eher für Gleichheit, Rechts eher für persönliche Freiheit. Damit bin ich zwar deiner Meinung, allerdings ist das mit der Moral ja so eine Sache.

persönliche Freiheit ist doch nur eine Farce, wenn man dabei ignoriert dass Chancengleichheit nicht existiert, usw.

persönliche Freiheit für privilegierte Leute, für reiche Leute, ja.

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@squanch

wieso das?

Weil rechts im traditionellen Sinne für den Erhalt des Status Quo und links für Erneuerung/Reform steht. Zumindest kommen die Begriffe aus der Zeit um die Französischen Revolution.

persönliche Freiheit für privilegierte Leute, für reiche Leute, ja.

Das wäre der Liberalismus. Das geht ein wenig von der Annahme aus, das es reich und arm geben darf und muss. Der Begriff der Leistung spielt da eine Rolle.

Ich gehe zwar konform mit dir, dass Gleichheit wichtiger ist aber wo fängt man da an, wo hört man da auf? Enteignet man alle Bürger ihrer Wohnungen und baut quer durch Deutschland einheitlich 50qm Wohnungen? Gibt es nur noch einen Fahrzeugtypen? Und jetzt sind wir nur im Deutschen Schlaraffenland. Denk das mal Global.

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@deload
Weil rechts im traditionellen Sinne für den Erhalt des Status Quo und links für Erneuerung/Reform steht. Zumindest kommen die Begriffe aus der Zeit um die Französischen Revolution.

Das stimmt, bezieht sich doch aber nie auf die Umwelt?? Links will doch nicht "die Umwelt erneuern" hä?

Finde ich jetzt schon ein krasser Stretch hahaha

Dass sowohl rechte als auch linke POLITIK pro Umweltschutz sein kann ist klar, das will ich nicht leugnen.

Ich gehe zwar konform mit dir, dass Gleichheit wichtiger ist aber wo fängt man da an, wo hört man da auf? Enteignet man alle Bürger ihrer Wohnungen und baut quer durch Deutschland einheitlich 50qm Wohnungen? Gibt es nur noch einen Fahrzeugtypen? Und jetzt sind wir nur im Deutschen Schlaraffenland. Denk das mal Global.

Hm naja an einem sinnvolle punkt? Zb dass jeder die selben Chancen hat jeden Beruf zu erreichen und nicht durch Status, Glaube oder Herkunft gehindert wird?

Ich versteh nie wieso Leute "gleichheit" so verstehen, als wäre damit gemeint dass wir alle exakt das selbe besitzen, tun, machen und was auch immer sollten.

Nein es geht doch clearly um Chancen, Möglichkeiten und ein minimum an Lebensstandard? Ist das nicht klar? Ehrliche Frage, ich versteh nicht wieso Leute denken "die linken wollen uns zu robotern machen!!"

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@squanch

Das stimmt, bezieht sich doch aber nie auf die Umwelt?? Links will doch nicht "die Umwelt erneuern" hä?

Erhaltung der Umwelt, Erhaltung des Status Quo = rechts. Das hat mit links nichts zu tun. Das Beispiel war dazu gedacht, dass rechts nicht pauschal schlecht heißt. Es ist nur eine Tendenz.

Hm naja an einem sinnvolle punkt? Zb dass jeder die selben Chancen hat jeden Beruf zu erreichen und nicht durch Status, Glaube oder Herkunft gehindert wird?

Wo genau wäre der? Denk dir das mal durch, wie der Arme aus dem Plattenbau und der Reiche die exakt gleichen Chancen bekommen soll ohne dass der Staat oben beschriebene Eingriffe macht.

Ich versteh nie wieso Leute "gleichheit" so verstehen, als wäre damit gemeint dass wir alle exakt das selbe besitzen, tun, machen und was auch immer sollten.

Und hier verlässt du die linke Seite und begibst dich nach rechts indem du sagst, Gleichheit ja, aber irgendwie auch wieder nicht. Wie begründest du die Ungleichheit, die immer noch besteht? Wer bestimmt ab wann wir von Gleichheit reden? Ist Gleichheit nun gleich oder eben nicht gleich?

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@deload
Erhaltung der Umwelt, Erhaltung des Status Quo = rechts.

DIE UMWELT hat aber nichts mit einem gesellschaftlichen status quo zu tun?????

Come on, das ist doch blödsinniges defintionen rumgeschiebe.

Da hab ich keinen Bock drauf

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Super schwieriges Thema: Ich bin da auch sehr hin und her gerissen, da beide Seiten meinen Hauptstandpunkt bespielen. Oft wird rechte Politik als nicht sozial gesehen, dem ist allerdings nicht so. Ich wundere mich ehrlich gesagt sogar, dass rechte Parteien diesen Aspekt nicht nutzen. Das Ausland zeigt seit 30 Jahren, wie effektiv eine sinnvolle Kombination von sozialer und kapitalistischer Politik zu sein scheint.

Gleichzeitig bin ich verständlicherweise eher links wenn es um die meisten Parallelen geht. Dort aber genau wie bei rechtem Verständniss, die Ausgrenzung und das Framing.

Ich habe für mich erkannt, dass Politik nicht Grundfarbig ist. Also nicht Schwarz, Rot, Blau und Lila. Politik ist für mich eine Mischung aus Regierung, Opposition und dem Volke.

Leider habe auch ich schon länger das Gefühl, dass das Volk nichtmehr gehört zu sein scheint und sich alteingesessene Parteien nicht innovativ weiterzuentwickeln wollen.

Die Suche nach Links oder Rechts ist demnach unnötig und nicht das was mir wichtig wäre. Ich möchte das Beste für uns.

Das Ausland zeigt seit 30 Jahren, wie effektiv eine sinnvolle Kombination von sozialer und kapitalistischer Politik zu sein scheint.

welches Ausland denn genau?

Wenn ich mich so umgucke sehe ich wie Kapitalismus für die Klimakrise verantwortlich ist, wie man sich jedes bisschen Arbeiterrechte hart erkämpfen musste, wie wir immer noch nicht annähernd Chancengleichheit haben, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter außeinander geht, usw.

Ich sehe echt nirgends eine Erfolgsgeschichte was das angeht.

Leider habe auch ich schon länger das Gefühl, dass das Volk nichtmehr gehört zu sein scheint und sich alteingesessene Parteien nicht innovativ weiterzuentwickeln wollen.

Was das angeht finde ich perfide wie normalisiert Dinge wie Lobbyismus sind, und wie schnell wir geneigt sind über fullon Korruption hinwegzusehen.

Die Suche nach Links oder Rechts ist demnach unnötig und nicht das was mir wichtig wäre. Ich möchte das Beste für uns.

Naja und ich habe eben das Gefühl, dass "das beste für uns" einfach linke Politik wäre :D

Aber du hast, ich verstehe völlig deinen Standpunkt

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@squanch

Die Skandinavischen Länder.

Ich sehe Lobbyismus als Problem...das ist für mich althergebrachte Politik.

Und ich will nur sagen, dass Parteien aktuell einfach nichtmehr das liefern können, was ich mir als Wähler erhoffe. Besonders nicht die die Partei, die ich bisher gewählt habe. Die Wahl einer anderen Partei, die noch weniger meine Werte wiederspiegelt ist für mich aktuell auch keine Option. Ich bin deshalb deutlich überfordert und weiß nichtmehr was ich noch wählen soll. Neugegründete Parteien werden ja offensichtlich von Medien niedergemacht oder sind grundsätzlich als "Verrückte" abgestempelt (und deshalb unmöglich an einer Regierung Teilhabe zu leisten).

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@Horst7689
ich bin deshalb deutlich überfordert und weiß nichtmehr was ich noch wählen soll.

an dem Punkt bin ich auch, weswegen ich einfach eiskalt auf das geringste Übel mit dem größten Nutzen gehen werde.

Also grün falls die Chance besteht, dass diese die Union schlagen. Wenn nicht... mal sehen hm

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