Ist Nihilismus konsequent durchdachter Atheismus?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Insofern du vom moralischen Nihilismus redest, ist es das einzig konsequente. Viele Philosophen waren der Ansicht, dass Gott die einzig sinnvolle Instanz einer menschlichen Moralauferlegung wäre. Nicht nur, weil sie diesbezüglich Sanktionen mit sich bringt, sondern auch, weil moralische Gesetze vernünftig unbegründbar sind und somit einfach ein unhinterfragbarer Grund an den Anfang der Kette gestellt werden muss.

Viele werden mir diesbezüglich widersprechen, weil sie nicht dazu befähigt sind, unterscheiden zu können, zwischen sozialen Normen, die die Systemfunktionalität durch Ordnung schützen und somit angenehmes Leben ermöglichen, und moralischen Pflichten und Verboten, die ohne egoistischen Hintergrund rational begründet werden können und das bezüglich mancher Tatsachen scheinbar evident, wie das Tötungsverbot. Letztere sind rational allerdings unhaltbar.

Adorno / Horkheimer, Dialektik der Aufklärung. Seite 92:

"Die Morallehren der Aufklärung zeugen von dem hoffnungslosen Streben, an Stelle der geschwächten Religion einen intellektuellen Grund dafür zu finden, in der Gesellschaft auszuhalten, wenn das Interesse versagt." "Es (Kants Pflicht der gegenseitigen Achtung) ist der übliche Versuch des bürgerlichen Denkens, die Rücksicht, ohne die Zivilisation nicht existieren kann, anders zu begründen als durch materielles Interesse und Gewalt, sublim (feinfühlig) und paradox wie keiner vorher, und ephemer (flüchtig) wie sie alle. Der Bürger, der aus dem kantischen Motiv der Achtung vor der bloßen Form des Gesetzes allein einen Gewinn sich entgehen ließe, wäre nicht aufgeklärt, sondern abergläubisch - ein Narr. Die Wurzel des kantischen Optimismus, nach dem moralisches Handeln auch dort vernünftig sei, wo das niederträchtige gut Aussicht habe, ist das Entsetzen vor dem Rückfall in die Barbarei."

Ich persönlich würde trotz dieser Tatsachen niemals einen Menschen verletzen - ganz einfach aus dem Grund, dass ich einerseits keinen Willen dazu besitze und andererseits meine physischen und psychischen Nachteile darin erkenne.

http://www.gutefrage.net/frage/was-haelst-du-vom-moralischen-nihilismus

Ich hoffe ich konnte gedankliche Anreize liefern :)

Hatte gehofft, dass du die Frage entdeckst :-)

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@JackySmith

Als ich den Titel erst 2 Stunden nach dem Frage-Stellen las, wurde ich sauer, dass es mir erst jetzt angezeigt wurde ^^

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...sondern auch, weil moralische Gesetze vernünftig unbegründbar sind

Ist das ein Naturgesetz? Oder woher rührt diese rigorose Behauptung? Woraus ergibt sich, daß sie das zwingend sein müssen?

und somit einfach ein unhinterfragbarer Grund an den Anfang der Kette gestellt werden muss.

Und Gott kann hier als unhinterfragbarer Grund herhalten? Das ist aber Stepptanz auf dünnem Eis.

weil sie diesbezüglich Sanktionen mit sich bringt

deren Androhung doch allenfalls bei denen Wirkung zeigen kann, die sich eh dem Postulat eines Gottes unterwerfen.

Auf die Gefahr hin, daß Du mir meine Fragen um die Ohren haust, würden mich die Antworten doch interessieren.

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(...) weil moralische Gesetze vernünftig unbegründbar sind und somit einfach ein unhinterfragbarer Grund an den Anfang der Kette gestellt werden muss. (...) moralischen Pflichten und Verboten, die ohne egoistischen Hintergrund rational begründet werden können (...) Letztere sind rational allerdings unhaltbar.

Du widersprichst dir selbst.

Ich stimme RealSausi zu. Ich finde es etwas billig, die Behauptung in den Raum zu stellen, sie als Annahme zu nehmen und daraus Schlüsse zu ziehen, wie auch das ganze Zitat. Die Behauptung muss richtig argumentativ gestützt werden, sonst ist sie eine leere Behauptung. Ich habe nämlich das Gefühl, dass du hier argumentum ad ignorantiam begehst. Daraus, dass du keine unumstrittene rationale Begründung für Moral kennst, schließt du, dass es keine gibt / geben kann. Das ist ein klassischer Fehlschluss.

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@TeeEi

@TeeEi_Vermagst Du eine zu nennen? Ist da ein allgemeingültiger Maßstab?

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@eExistenz

@ eXistenz: willst du behaupten, solche Maßstäbe wären bisher lediglich unentdeckt, oder willst du behaupten, sie wären unmöglich?

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@MacNic_Ganz im Gegenteil. Kein Widerspruch. Zustimmung.

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@MaNic22_Ein kleiner Widerspruch. Moral ist rational zu erklären. Sie ist eine Nützlichkeitserwägung. Sie ist tief im Menschen verwoben, jedoch nicht göttlich sondern Teil der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Der Grundstock wurde gelegt, als ertse Zellen sich auf Wechselwirkung mit dem sie umgebenden Medien "einliessen". Ethik, Moral sind neben anderen kultivierte, einst vegetative Prozesse.

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@eExistenz

Moral ist rational zu erklären. Sie ist eine Nützlichkeitserwägung.

Wir sind nicht allwissend, folglich sind Nützlichkeitserwägungen nie gänzlich rational.

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@DarkSepia

Wie zu erwarten ^^

Ich habe diesen Artikel äußerst flüchtig schreiben müssen, aufgrund von Zeitmangel, weshalb ich erst einmal die Behauptung in den Raum stellen wollte, um daraufhin den unweigerlichen Einsprüchen argumentativ zu begegnen.

Der Selbstwiderspruch ist ein formaler Flüchtigkeitsfehler:

"... moralischen Pflichten und Verboten, die ohne egoistischen Hintergrund rational begründet werden müssten ... Letztere sind rational allerdings unhaltbar."

Mit wird hier eine leere Argumentation vorgeworfen und dem will ich nicht widersprechen. Ich habe diese Meinung preisgegeben, weil ich dem Fragesteller erst einmal meine Position darlegen wollte.

Nun zu Argumenten. Der User eXistenz hat bereits eine wichtige Frage gestellt: Vermagst Du eine (rationale Begründung) zu nennen? Ich persönlich gebe mich nicht mit ethischem Glauben zufrieden, solange ich in diesen Bereichen logische Argumentationsmöglichkeiten sehe. Daher habe ich mich bereits äußerst ausführlich mit der Suche nach einem ersten ethischen Wert beschäftigt. Würde dieser oder mehrere gleichzeitig gefunden, so könnte man die restlichen Schlussfolgerungen auf diesen aufbauen. Ich bin also nicht der Meinung, dass in der Ethik keine Rationalitätsanwendung möglich wäre, sondern dass bei dessen Anwendung kein logischer Anfangswert als Ergebnis herauskommt.

Natürlich werden viele nun daher kommen und sagen: Moral ist subjektiv! Und ich wäre mit dieser Ansicht sogar mehr als zufrieden, da es den moralischen Nihilisten in seiner Sache nur noch sicherer werden lässt. Ist es nicht möglich, eine objektive Moral bestimmen zu können, hat niemand das Recht zu behaupten, dass irgendeine Handlung, so grausam sie dem Individuum auch erscheinen mag, moralisch falsch sei - es sei denn er würde anfügen: für mich! doch eben durch diese Ergänzung wird die Moralität für außen stehende Personen entschärft bzw. relativiert. Man kann keinem anderen Menschen moralische Pflichten und Verbote auferlegen, nur sich selbst. Was folgt aus diesem Resultat? Jegliche gesellschaftlichen und juristischen Regeln und Gesetze, die meinen auf ethischen Prinzipien aufzubauen, verlieren ihre Legitimität - da sie von der irrigen Annahme ausgehen, es gäbe evidente und allgemein gültige moralische Regeln. Moral wäre also nur noch im privaten Bereich sinnvoll. Man wüsste, dass man nur eine Meinung von vielen hat. Sie stützen sich nicht auf Argumente, sondern bloß auf eigene Intuition, wie der moralische Relativismus behauptet. Man lebt also in dem Wissen, dass die moralischen Gesetze, die man sich selbst auferlegt, als einziges den Grund besitzen, dass sie in einem existieren. Nach dem Motto: Das was ist, soll sein (für mich)! Man weiß, dass egal wie man handelt, es in irgendeines Moralkonzept falsch und des nächsten gut wäre. Man erkennt, dass es keinen Grund gäbe, der eigenen Moral Folge zu leisten, es sei denn, es gäbe außermoralische Gründe dafür - wie z.B. das Gewissen.

Viele sind der Meinung, das Gewissen sei die (subjektive) Moralinstanz überhaupt. Wenn ich etwas tue, was ich selbst für moralisch verwerflich halte, können Gewissenbisse auftreten, was nichts anderes ist als negative Emotionen - welche man ja versucht möglichst zu vermeiden. Das gewissenhafte Argument für die Pflichteneinhaltung ist also das Vermeiden von Schmerz. Ist dies nun der eine gesuchte objektive ethische Erstgrundsatz, auf dem alles aufbaut? M. E. nicht! Denn es handelt sich hierbei um deskriptive Anthropologie und nicht um einen rationalen normativen Grund. Es wird lediglich erklärt, wie voluntaristisch determiniert der Mensch handelt, ihm aber kein intellektuelles Motiv gegeben, für das er sich frei entscheiden könnte, nach diesem (höherem?) Prinzip zu handeln. Erneut fällt das Motto: Das was ist, soll sein! Ich habe es zuvor schon einmal genannt und wollte nun auf dessen Sinnlosigkeit eingehen. Zum einen würde der Satz konsequent durchdacht heißen, wir leben in einer Utopie. Zum anderen müsste dieser Satz selbst erst einmal eine Begründung erhalten. Und bevor ich noch weiter ausarte (und ihr könnt mir glauben, ich habe noch Unmengen an Gedanken zu äußern, will dies aber schrittweise hier tun und nicht auf einmal) würde ich gerne das Wort an die Community abgeben um zu diesen ersten Überlegungen bezüglich einer subjektiven Moral Stellung zu beziehen :)

Ich freu mich... MfG euer böser böser Amoralist ^^

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@MaNic22

Was folgt aus diesem Resultat? Jegliche gesellschaftlichen und juristischen Regeln und Gesetze, die meinen auf ethischen Prinzipien aufzubauen, verlieren ihre Legitimität - da sie von der irrigen Annahme ausgehen, es gäbe evidente und allgemein gültige moralische Regeln.

Das wäre etwas weit hergezogen. Gesetze bauen nicht zwingend auf ethischen Prinzipien. Da ich mich damit nicht besonders gut auskenne, zitiere ich aus http://de.wikipedia.org/wiki/Recht#Recht.2CMoralund_Sitte

Je nach Gesellschaftsordnung und politischer Auffassung überschneiden sich Recht, Moral und Sitte unterschiedlich stark. Recht und Moral decken sich häufig, jedoch nicht immer. Recht bezieht sich vornehmlich auf das äußere Verhalten des Menschen, während sich die Moral an die Gesinnung des Menschen wendet. Das Recht unterscheidet sich von der Moral auch durch die Art, wie es Geltung fordert und in einem normierten Verfahren durch von der Gemeinschaft autorisierte Organe (Justiz, Sicherheitsbehörden) zwangsweise durchgesetzt wird. Moralisches Verhalten ist in der Gemeinschaft nur erzwingbar, soweit es durch das Recht gefordert wird. Und Recht entstammt oft moralischen Bewertungen. Es gibt allerdings auch moralisch neutrale Rechtssätze, zum Beispiel das Links- oder Rechtsfahrgebot im Straßenverkehr. Eine Sitte wie eine Kleiderordnung kann rechtlich verbindlich sein: Richter und Rechtsanwälte sind bisweilen gesetzlich verpflichtet, eine Robe zu tragen; Frauen aus Ländern des islamischen Rechtskreises sind in ihrer Heimat gesetzlich verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen, müssen aber in Europa bisweilen aus den gleichen Gründen darauf verzichten.

(Mehr zum Thema schreibe ich später)

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@TeeEi

Wenn man mein Zitat liest, sollte auffallen, dass ich von "jegliche[n] gesellschaftlichen und juristischen Regeln und Gesetze, die meinen auf ethischen Prinzipien aufzubauen", rede - und das sind bei weitem nicht alle. Vielmehr ist der Großteil m. E. funktionalistisch bedingt.

Aber es gibt auch heute noch, in einer Zeit des überwiegenden moralischen Relativismus, Ausnahmen, gegen die ich nur zu gern vorgehen werde.

  • Das Inzest Verbot
  • Das Nacktheitsverbot in der Öffentlichkeit
  • Das Verbot einvernehmlichen Kindersex'
  • Das Verbot einvernehmlicher Euthanasie

Man muss hierzu das ein oder andere bemerken. Einerseits gründet sowohl die sexuelle Prüderie bzw. Pervertierung in der christlichen Moral, die trotz verbreiteten Atheismus' in den gesellschaftlichen Normen weiterlebt - nicht hinterfragt, sondern akzeptiert. Andererseits wollen die Menschen dies öffentlich nicht zugeben und suchen Begründungshalt in scheinheiligen ethischen Prinzipien und amoralischen Gründen.

Nehmen wir das Inzestverbot. So sehr wir uns selbst auch davor ekeln mögen, ist eben diese individuelle Abneigung gegenüber etwas, mit dem wir in keinerlei Verbindung stehen, da es ein privater Aspekt ist, kein vernünftiger Grund zu dessen Sanktionierung mit Gefängnisstrafen - wie bei einem Geschwisterpaar derzeit in Deutschland der Fall ist. In ihrer Not führten die Richter das Argument der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Kinderkrankheit an. Dieses Argument, und das wurde in so manchen Artikeln die schon gelesen habe zugegeben, ist unhaltbar. Nicht nur, dass verhütender Inzest daraufhin legalisiert werden müsste, was aber nicht der Fall ist (aber auch gar nicht passieren muss, da dieser ohne nicht so offensichtlich nachweisbar ist, wie mit Kindern), sondern auch, dass ein solches Argument in keinem anderen Gesetz Platz findet, obwohl es ja konsequent weiter gedacht heißen müsste, dass die Erlaubnis für den Koitus von der Genetik eines Menschen abhängig gemacht wird. Man müsste allen Menschen mit Erbkrankheiten, die von der Gesellschaft als was auch immer angesehen werden (vielleicht ist abartig, das richtige Wort), je nach wissenschaftlich-empirisch überprüfter Wahrscheinlichkeit den Sex entweder mit allen oder mit nur mit Menschen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, verbieten. Warum passiert das nicht? Zum einen, weil der Aufwand der Kontrolle viel zu groß wäre (was er bei Geschwistern nicht ist) und zum anderen das jedem bewusst ist, wie absurd ein solches Unterfangen wäre - egal auf was für Krankheitswahrscheinlichkeiten bezogen. Es ist vielmehr ein öffentlicher Schutzschild um nicht zugeben zu müssen, dass man immer noch moralische Werte besitzt - was ich an sich viel mehr begrüßen würde, da dann wenigstens Ehrlichkeit vorherrschen würde und man zudem jene Moralprinzipien im Diskurs besprechen könnte und gegebenenfalls verändern oder abschaffen.

Ob das Nacktheitsverbot nun mehr in (asexueller christlicher) Moral oder in purem Stumpfsinn seinen Ursprung hat ist eher ungewiss, aber zumindest ist klar, dass beim Kindersex ersteres der Fall ist (nicht mit Vergewaltigung zu verwechseln). Wenn ein Kind, aus welchen Beweggründen auch immer, mit einem anderen Kind verkehren möchte, oder wenn ein (der Meinung der Gesellschaft nach) unreifer Minderjähriger mit jemand älteres schläft, so wirkt dies vielleicht eigenartig und auf manch einen eklig, aber sollte diese Entscheidung in einem "freien" Staat doch beim Individuum liegen. Ich persönlich finde es abartig, dass Menschen ungebildeten niveaulosen Schrott in den Medien zu Hauf konsumieren. D. h. nicht, dass ich es ihnen verbieten wollte - vielmehr wollte ich sie aufklären über Alternativen. Der Gottvater Staat hat nun mal nicht das Recht, dort einzugreifen, wo ein Eingreifen keinen Sinn ergibt bezüglich der Ordnung des Systems.

Der offensichtlichste Fall diesbezüglich, ist m. E. die Sterbehilfe. Man darf einen Menschen nicht töten! Dieses Prinzip ist solange logisch, wie das Opfer dies nicht explizit wünscht. Doch selbst wenn ein Patient im Krankenhaus unheilbar krank ist und zugleich Schmerzen leidet, die er loslassen will, sowie das Leben, mit dem er womöglich bereits abgeschlossen hat (zufrieden), und alle Angehörigen und Ärzte kein Problem damit hätten, weil sie seine Qualen tagtäglich sehen, so wäre es ihnen dennoch gesetzlich verboten, diesen Menschen, wie auch immer (Stecker ziehen, Spritze geben), zu töten - obwohl jenes Wort sogar unangebracht erscheint. Es wäre vielmehr ein gehen lassen, was diese Person alleine nicht mehr schafft. Doch was bewegt zu diesem menschenunwürdigem Gesetz? Das Lebensideal um jeden Preis erhalten. Selbstmord ist ebenso wie Mord eine Sünde! Leben, egal was auch kommt, lautet das unbegründete moralische Motto. Ich glaube ich muss zu einer solchen Abstrusität nichts weiter sagen, außer der Tatsache, dass wir bezüglich Tieren, keine solchen versteiften Probleme haben.

MfG... Mors Ethicae

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@TeeEi

Wie traurig, dass niemand dem etwas hinzuzufügen hat...

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@MaNic22

Ich finde deine Gedankengänge sehr interessant. Ich stimme dir auch bei dem Verbot von Inzest und dem Verbot der einvernehmlichen Euthanasie zu.

Bei der Argumentation gegen das Verbot von Kinderse hast du jedoch einige Tatsachen harmlos dargestellt. Man muss junge Menschen vor ihren eigenen Entscheidungen schützen. Das Alter ab welchen ein Mensch für mündig gesprochen wird ist eher Thema von Diskussionen. Ich finde das ein Alter von 18 plausibel ist ... es könnte meiner Meinung nach sogar noch höher liegen. Dem Argument, das in einem "freien" Staat die Entscheidung beim Individum liegen sollte, kann ich nicht zustimmen. Sonst würde es ja auch möglich sein einvernehmlichen Sex mit einem 4 jährigen zu haben. Ich denke das ein Individuum in einem Alter, inwelchem es noch nicht genügend Erfahrung gesammt hat und in welchem sein Intelekt nicht auf ein bestimmtes Mass entwickelt ist, eben weitgehend nicht in der Lage ist in seinem eigenen Interesse Entscheidungen zu treffen.

Ich denke also dass das Verbot des Kindersexs sowie ander Verbote zum Schutz vor Kindern wie dem Verbot vor dem abschluss von Vertägen mit Minderjährigen durchaus berechtigt sind.

Gegen öffentliche Nacktheit habe ich rein gar nix :)

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@kowekowe

Da hast du gar nicht so unrecht - du denkst in der Hinsicht praktischer, als ich. Und wenn wir schon praktisch denken, dann möchte ich aber wenigstens dagegen protestieren, dass ein Alter von 18 Jahren (oder sogar höher) angebracht wäre. Ich persönlich fände ein Alter von 16 um einiges erträglicher für die jungen Menschen und nicht wirklich verantwortungslos, da in diesem Alter m.E. die Reife weit genug fortgeschritten ist, um sie z.B. kommunal wählen zu lassen.

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Was heißt "durchdacht"? Denken macht kein Verhalten. Und zunächst leben wir alle in einer Gesellschaft mit Freunden und Bekannten und Arbeitgeber usw. und überall will man eine gute Figur machen. Da ist man von Werten quasi "umspült" und schwimmt mit. Ich möchte den sehen, der bei jeder Handlung vorher ein moralisches Konzept von 12 Seiten DIN A 4 entwirft. Das ist doch versponnener Käse. Selbst innerhalb von Gangestbanden bilden sich Verhaltensregeln aus. Das mit der höheren Basis ist eine totale Überschätzung: Wo war die denn, als die Herren Gottesdiener die Macht hatten und von Liebe predigend muter gefoltert und verbrannt haben? Und wo war der massive Widerstand der Kirchenoberen im Nationalsozialismus? Meine Schwiegermutter erinnert sich noch gut, wie ihr in der Konfirmationsbefragung (im 3. Reich) der Vaupas passiert ist und sie auf die Frage: Wer war Jesus? "Ein Jude!" geantwortet hat. "Nein," schrie der Pfarrer entsetzt auf, "er war kein Jude, er war ein Galiläer." Soviel zum Mitläufertum der Leute mit der höheren Moralanbindung. Und wenn einer total aus der Spur kommt, wie jetzt der Typ in Norwegen, dann ist dieser Durchgeknallte auch noch ein christlich Fundamentaler. Über soviel Unmenschlichkeit schütteln dann sogar die erklärten Nihilisten den Kopf. Tolle Texte von Kant bis Schiller hatten wir schon vor 1930. Haben sie die Barbarei des Nationalsozialismus aufgehalten? Das Problem vieler Philosophen ist, dass sie dem Denken und Gedachten zuviel Bedeutung beimessen. Philosophen wie David Hume oder Epikur, die der emotionalen Seite der Menschen und menschlichen Gesellschaft mehr Bedeutung beilegen, sind in der deutschen Philosophie nicht so angesehen. Werte haben etwas mit Emotionen zu tun. Und die ehemals wirksamen Instrumente der Religion, die Drohung mit Fegfeuer und Hölle, haben ihre Kraft verloren. Das gesellschaftliche Problem, vor dem wir stehen, ist die zunehmende Vereinzelung durch moderne Städte und Berufe, die immer unpersönlicher werdende Kommunikation. Diese lebenspraktischen Strukturveränderungen mit Verlust von positiver Emotionalität sind zerstörerischer als lebensfremde Spinnereien über Nihilismus.

Hm David Hume legt der emotionalen Seite mehr Bedeutung?

(Wobei im Vergleich zu Kant wohl 99% der Gelehrten dort mehr Bedeutung beilegt)

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@TeeEi

Ja, Hume war der Meinung, dass der Mensch durch die Kraft der Emotionen gesteuert wird und Verstand und Vernunft oft nur als Dienerinnen funktionieren, um emotionale Entscheidungen im Nachhinein zu begründen. Schopenhauer hat diese Auffassung der Kants mit der Dominanz der Vernunft vorgezogen und mit seinem "Willen" sogar noch weiter von der Vernunft abgerückt. Bei Nietzsche kehrt diese Auffassung als die wilde, dionysische Kraft wieder. Hume dagegen bleibt näher bei Epikur und sucht einen Mittelweg zwischen Emotion und Ratio.

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Du sagtest: "Werte haben etwas mit Emotionen zu tun". Ich finde, genau dies macht die moralische Grundlage eines Atheisten so wackelig. Man kann sie nicht objektiv und rational begründen. Sie ist durch und durch subjektiv und relativ. Daher auch meine Frage, ob Atheismus zu Nihilismus führt.

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@matroschka

Ich finde, genau dies macht die moralische Grundlage eines Atheisten so wackelig. Man kann sie nicht objektiv und rational begründen.

Atheismus ist weder Apathie, noch Ultrarationalismus.

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@matroschka

@matroschka

Dass Werte etwas mit Emotionen zu tun haben, macht die moralische Grundlage von Atheisten nicht wackelig. Es macht ALLE Einstellungen wackelig, die Moral als sichere Wahrheit mit Gedankenakrobatik zementieren wollen. Moral, die Sitten und Gebräuche sind eine historische Sache und schließen die im Leben der Menschen miteinander erfahrenen Emotionen UND ausgetauschten Gedanken und Bewertungen mit ein. Wackelig ist auch eine scholastisch-christlich begründete Moral, die diese aus ewigen Wahrheiten ERDENKEN will, während sie beim Quälen von Hexen ihre Geilheit nicht im Zaum halten konnten.

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Nihilismus ist die Ablehnung aller Werte. Das hat eigentlich nur im entfernten Sinn etwas mit Atheismus zu tun. Nihilismus könnte man in etwa mit der einstigen Nul-Bock-Mentalität vergleichen, die haben auch alles abgelehnt was die Gesellschaft an Werten hervorgebracht hat. Also im Klartext : Nihilismus ist kein durchdachter Atheismus, sondern er kann u.a. den Atheismus beinhalten, aber darum alleine geht es einem Nihilisten nicht!

Ist das Prinzip von Himmel und Hölle fair?

Die Frage stelle ich deshalb, da ich denke, dass es nicht fair wäre in Himmel und Hölle zu unterteilen. Denn wie jemand ist bzw. werden wird hängt meist davon an, wo und unter welchen Umständen er geboren wird. Wenn dies nicht der Fall ist, sondern die Person "von Geburt an" eine psychische Störung oder ähnliches hat, wäre es doch auch nicht fair da "Gott" Sie so auf die Welt geschickt hat.

Und was jst eigl. mit den Tieren, Pilzen und Pflanzen? Kommen sie auch in den "Himmel" , nur weil die meisten intellektuell nicht in der Lage sind "böse" zu sein? Anderseits sind sie aber auch nicht "gut", sondern kümmern sich meist nur um ihre eigenen Bedürfnisse, und haben keine Religion, kommen sie dann vielleicht doch alle in die "Hölle"?

Diese Frage ist übrigens von mir nicht ernsthaft gestellt, da ich selber Atheist mit Nihilistischen Neigungen bin, mich interessiert ausschließlich die Meinung anderer Menschen dazu, ob Religiöser oder Atheistischer Überzeugung!

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