Ist Nietzsche der beste deutsche Philosoph aller zeiten?

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8 Antworten

Das zweite Kriterium "aller Zeiten" kann schon verneint werden, weil die noch kommenden Zeiten, und damit die noch kommenden Philosophen, sich diesem "Wettbewerb" ja noch nicht stellen können.

Das Kriterium "beste" ist nun leider zur Bewertung einer herausragenden Figur im Feld der deutschen Philosophen völlig ungeeignet, weil es kein Gütekriterium beinhaltet. 

Solche Gütekriterien wären z.B. folgende:

Die Zeitdauer, über die ein Philosoph die reflektierte Geistesgeschichte maßgeblich bestimmt hat. 

Die Wirkmächtigkeit, mit der ein Philosoph gesellschaftspolitisch beachtet worden ist (z.B. Karl Marx)

Die Originalität, mit der ein Philosoph die bestehende Schulphilosophie ersetzt hat. (z.B. Kant oder Heidegger)

Die Radikalität, mit der ein Philosoph traditionelle Lehrmeinungen in Frage gestellt hat (hier wäre Nietzsche zu nennen)

Die Universalität, mit der ein Philosoph durch seine Modelle zur Synthese der Wissenschaften beigetragen hat (z.B. Freud)

Die Breitenwirkung, die ein Philosoph in seiner Zeit erreichen konnte (z.B. Habermas).

Aus diesen wenigen Beispielen kannst Du erkennen, dass Deine Frage damit leider als unbeantwortbar zurückgestellt werden muss. Aber das ist ja nicht weiter schlimm, weil man erkennen kann, dass bestimmte Fragen zwar keine Antworten ermöglichen aber doch gute Denkanstöße bieten. 

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Eine interessante philosophische Frage:
Kann es so etwas überhaupt geben?
"Der beste deutsche Philosoph aller Zeiten" - ich glaube, dass diese Aussage INHALTLICH keinen wirklichen Sinn macht.
Man kann natürlich eine (an der Sache vorbeigehende) Umfrage machen, "Wen halten Sie für ... (etc.)" -

Die Philosophie ist so umfangreich, dass da für viele Geister Platz ist. Zudem gibt es immer wieder neue Fragen durch den Fortgang der Geschichte.

Namen, die auf jeden Fall bei einer solchen 'Populär-Unfrage' neben Nietzsche eine Rolle spielen würden, sind Kant, Hegel, Heidegger. Und sicherlich gibt es noch eine Reihe weiterer interessanter Kandidaten. 

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Kommentar von light98
04.11.2016, 21:23

Da haben sie absolut Recht,ich wollte nur sagen das irgendwie Nietzsche in meinen Augen die deutsche Philosophie auf ein neues Level gebracht hat oder täusche ich mich ?

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In meinen Augen ist Nietzsche der größte Philosoph, der je gelebt hat.

Begründung: Er hat mit seiner Entdeckung des Willens zur Macht als Grundantrieb des menschlichen Handelns (und nicht nur des menschlichen Handelns) uns allen die Augen geöffnet, wie man menschliches Handeln einzuschätzen hat.

Wenn man sich oft fragt, warum Menschen so oder so handeln, warum sie
unmoralisch sind, wo sie doch moralisch sein sollten, warum sie
hochmütig sind, wo sie doch bescheiden sein müssten (da ihr Leben
so kurz bemessen ist), warum sie verschlagen, gemein, schadenfroh,
geldgierig, egozentrisch sind, wo sie doch das Gegenteil von alle dem
sein sollten, wie uns z.B. die christliche Religion dringend
empfiehlt – so verstehen wir das nur, weil wir Nietzsches Lehre
vom Willen zur Macht kennen gelernt haben. „Die Welt ist Wille zur
Macht und nichts außerdem und ihr selbst seid Wille zur Macht und
nichts außerdem!“ - so heißt es bei Nietzsche.

Ich jedenfalls habe die Welt und die Menschen erst richtig verstanden, als ich mir diesen Satz Nietzsches so richtig klar gemacht habe. Der Wille zur
Macht ist den Menschen eingepflanzt, sie müssen ihn bei sich zur
Entfaltung bringen; tun sie es nicht, degradieren sie sich selbst zum
„Herdenmenschen“ (wie Nietzsche brutal formulierte) oder sie werden zum
Herdenmenschen vom Schicksal herabgestuft, weil sie nicht genügend
„Willen“ und nicht genügend „Macht“ mitbekommen haben.
„Macht“ ist von Nietzsche als Metapher gemeint, nicht wörtlich
zu nehmen! -

Nur in einem hat sich Nietzsche m.E. geirrt: in der Formulierung „...und nichts außerdem.“ Der Mensch ist zwar Wille zur Macht, aber er ist darüber hinaus noch etwas anderes (einige jedenfalls, die meisten wohl nicht!): da er eine Seele hat, lässt er sich auch vom Bedürfnis seiner Seele leiten, und dieses Bedürfnis ist „machtfrei“.

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Kommentar von rolfmengert
11.11.2016, 02:11

Bedenke aber doch, dass "der Wille zur Macht" im Leben vieler Menschen zwar eine große Rolle spielt, aber keineswegs so dominierend ist, wie Du ihn meinst Nietzsche unterstellen zu müssen.

Viele Menschen neigen weit mehr zur Bequemlichkeit, zur Unterordnung, zum behaglichen Betrachten von schönen Dingen und Szenerien, zum Erleben von Natur oder Musik, zum liebevollen Betreuen ihrer Tiere, Kinder oder Partner. 

Zwar hat der späte Nietzsche das Machtmotiv sehr stark in den Vordergrund seines Denkens gerückt, aber gerade bei Nietzsche darf man sich nicht zu sehr auf einzelne radikal herausgearbeitete Theorien stützen, um von da aus den ganzen Nietzsche verstehen zu wollen.

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Naja, eher nicht. Der war glaube ich zu negativ eingestellt.

Während bei anderen das Glas halbvoll ist, ist bei ihm das Glas halb leer.

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Kommentar von Tamtamy
04.11.2016, 21:24

Da solltest du mal Schopenhauer kennenlernen, den alten Grantler!
Aber gelungene Formulierungen und 'statements'!

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wie alle philosophen war auch er nur ein kind seiner zeit

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In der Disziplin Schnauzbart bestimmt.

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Das ist wohl Ansichtssache

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Eher nicht.

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