Ist Mitgefühl ein menschlicher Trieb?

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Schopenhauer beantwortet diese Frage in seiner Preisschrift über die Grundlage der Moral. Für Schopenhauer ist Mitleid neben Egoismus und Bosheit eine von 3 überhaupt möglichen Triebfedern menschlichen Handelns überhaupt. Alles, was du tust, tust du entweder aus Bosheit, Egoismus oder Mitleid. Das ist wohl ungefähr das, was du Trieb nennst. Nur noch urprünglicher. Mitleid ist der einzige Grund warum Menschen überhaupt moralisch handeln und handeln können. Schopenhauer beruft sich unter anderem auf indischen Buddhismus. Wenn du dich weiter informieren möchtest, google nach Schopenhauers Ethik oder allgemein "Mitleidsethik".

Mitgefühl ist eine kulturelle Verfeinerung eines Grundtriebs zu Selbsterhalt in der Familie/Gruppe. Angst und Agression (Kampf/Gewalt) sind wie Muse (Dösen oder gegenseitiges Lausen) und Spielen (Sport, Kreativität) weitere Grundtriebe, die sich im Laufe der kulturellen Entwicklung verfeinert haben. Neid, den Herr Schopenhauer vergessen hat, ist ein Ausdruck der Angst. Bosheit ist ein Ausdruck agressiver Distanzwahrung. Sexuelles Begehren dagegen lässt Nähe zu und verfeinert sich in Liebe.

Idealisten würden Grundtriebe gerne wegdenken (Trennung von Körper und Geist), Realisten (Epikureer, Utilitaristen, Pragmatiker, Behavioristen, Evolutionisten, kritische Realisten) versuchen den Menschen als 'der Natur entsprungen' zu verstehen. Der Versuch eines realistischen Menschenbildes ist bei Arnold Gehlen gemacht. Max Weber dagegen untersucht die Selbstkräfte von Menschen in Gruppen (Organisationen, Instituttionen).

Mitgefühl ist ein Wert in nahezu allen Religionen und es wäre an der Zeit, diesem Wert mehr als dem der Selbstbehauptung Raum zu geben. Das ist aber schon wieder sehr idealistisch.

"Endlich ist eine Hauptquelle des Uebelwollens der Neid; oder vielmehr, dieser selbst ist schon Uebelwollen, erregt durch fremdes Glück, Besitz oder Vorzüge. [...] Ausführliche Betrachtungen über den Neid findet man im zweiten Band der Parerga, § 114." (Über die Grundlage der Moral, § 14). Wir sehen, Herr Schopenhauer hat den Neid nicht vergessen ;-)

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@Morpf

Danke für den Schopenhauer.

Ich glaube, dass die "Mechanik" des Neids vor allem darin besteht, dass eigentlich ein Minderwertigkeitsgefühl zugrunde liegt, eine Unfähigkeit, selbstbewusst in die Zukunft zu gestalten. Der Neid vergiftet. Er will andere auf das eigene tiefe Niveau herabziehen. Er ist nur zerstörerisch. Im Grunde aber macht sich die Person selbst kaputt und bestätigt sich immer wieder in ihrer niederen Selbsteinschätzung. Sowas funktioniert auch gesellschaftlich.

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Mitgefühl kommt aus der Seele, es ist Bestandteil der Seele! Jeder hat es in sich, aber viele Menschen haben ihre eigenen Gefühle verdrängt und stellen sieber ihr eigenes Ego in den Vordergrund, was Gewalt bedeutet. Liebe Grüße Bherka

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